Fortgeschrittenes, hormonsensitives Prostatakarzinom: Kurz-ADT zusätzlich zur Strahlentherapie?29. April 2025 Grafik: photoopus – stock.adobe.com Eine aktuelle Phase-II-Studie hat bei Patienten mit regionalem und nichtregionalem Lymphknotenbefall oder mit Knochenmetastasen gezeigt, dass die Hinzunahme einer kurzen Androgendeprivationstherapie (ADT; 6 Monate) zur Strahlentherapie das klinische progressionsfreie Überleben signifikant verbesserte. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) bewertet die Studie in einer aktuellen Mitteilung. Zwar habe die zusätzliche Kuzrzeit-ADTdie Zeit bis zur Progression im Median im Vergleich zur alleinigen Bestrahlung verdoppelt. Ob jedoch auch ein Überlebensvorteil erzielt werden kann, habe die Studie nicht beantworten können. Zudem sei die Studienpopulation sehr heterogen gewesen. Lymphknotenbefall und/oder Knochenmetastasen Etwa 18 Prozent aller Prostatakrebspatienten erhalten erst im metastasierten Stadium ihre Diagnose. Auch schreitet bei einigen Patienten, die bei Erstdiagnose noch metastasenfrei waren und eine Primärbehandlung erhielten (Entfernung der Prostata, oft auch eine Hormontherapie), die Erkrankung voran und es kommt im Verlauf zum Befall der Lymphknoten oder es bilden sich Metastasen. Eine aktuelle italienische Studie (1) hat nun zwei Therapieoptionen bei Patienten mit hormonsensitiven Prostatakarzinomen untersucht, bei denen es nach lokaler Therapie des Tumors im weiteren Verlauf der Erkrankung zum (regionalen oder nichtregionalen) Lymphknotenbefall oder zur Bildung von bis zu drei Knochenmetastasen gekommen war: 105 Patienten wurden randomisiert, 52 erhielten eine stereotaktische Strahlentherapie (SBRT/30 Gy in 3 Fraktionen jeden 2. Tag), 53 Patienten erhielten zusätzlich zur Bestrahlung eine Hormonentzugstherapie mit einem Analogon des Luteinisierendes-Hormon-Releasing-Hormon über sechs Monate (2 Injektionen: die erste innerhalb von 1 Woche nach Beginn der SBRT, die zweite nach 3 Monaten). Der primäre Endpunkt war das klinisch progressionsfreie Überleben. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Patienten von der Zusatztherapie profitierten. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 31 Monaten (IQR 16–36) wurde bei 60 der 105 Patienten ein Fortschreiten beobachtet: bei 35 in der Gruppe, die nur bestrahlt wurde, und bei 25 in der Gruppe, die zusätzlich die Antihormontherapie erhalten hatte (69 % vs. 49 %). Bei letzterer dauerte es im Median 32,2 Monate, bis es zur Progression kam, bei den ausschließlich bestrahlten Patienten hingegen nur 15,1 Monate. „Das demonstriert nicht nur den additiven Effekt beider Therapien, sondern zeigt, dass auch mit einer verkürzten Hormonentzugstherapie sehr gute Therapieergebnisse erzielt werden können“, erklärt DEGRO-Generalsekretär Prof. Wilfried Budach. Etwa 60% der Patienten hatten in dieser Studie einen Lymphknotenbefall außerhalb des Beckens. In der Regel wird in dieser Situation zunächst eine stereotaktische Strahlentherapie durchgeführt, um dann bei einem erneuten biochemischen Rückfall, gemessen an einem PSA-Anstieg im Blut, eine Hormonentzugstherapie zu beginnen. Eine Studie aus dem Jahr 2017 (2) zeigte, dass durch die Strahlentherapie die Zeit bis zum Auftreten eines Rückfalls um ca. acht Monate nach hinten verschoben konnte (im Median betrug die Zeit bis zum Rückfall bei den bestrahlten Patienten 21 Monate, bei den nicht bestrahlten 13 Monate), und zwar bei einem nach DEGRO-Einschätzung tolerablen Nebenwirkungsprofil (6 von 31 Patienten entwickelten leichte Nebenwirkungen, schwerere seien nicht aufgetreten). In der aktuellen italienischen Studie konnten hingegen durch die Kombination der Strahlentherapie mit einer verkürzten Hormonentzugstherapie die Zeit bis zum Rückfall auf 17,1 Monate verlängert werden. Gutes Outcome – mit Einschränkungen Prof. Stephanie Combs, Pressesprecherin der DEGRO, betont, dass das Outcome der italienischen Studie sehr gut sei, aber dennoch differenziert werden müsse. Die Studienpopulation war heterogen, da sowohl Betroffene mit regionalem und nichtregionalem Lymphknotenbefall sowie auch Patienten mit Knochenmetastasen eingeschlossen worden waren. „Man muss in Betracht ziehen, dass immerhin 40 % der Patienten nur einen Lymphknotenbefall im Becken aufwiesen, eine Situation, die mit einer besseren Prognose einhergeht, grundsätzlich sogar heilbar ist. Es ist davon auszugehen, dass diese im Hinblick auf das progressionsfreie Überleben besser abschnitten als die übrigen 60 Prozent – und daher bei Männern mit nichtregionalem Lymphknotenbefall oder Knochenmetastasen die Therapiekombination nicht zu den gleichen guten Ergebnissen führt. Die Expertin verweist in diesen Zusammenhang auf eine weitere Limitation der Studie hin: So handelte es sich um eine Open-label-Studie der Phase II, die weniger Patienten als ursprünglich vorgesehen rekrutiert hatte. DEGRO-Generalsekretär, Prof. Wilfried Budach ergänzt: „Auch die eigentliche Frage, ob ein Überlebensvorteil durch die Strahlentherapie mit antihormoneller Therapie erreicht werden kann, wurde von dieser Studie nicht beantwortet. Unklar bleibt zudem, ob es für einen kleinen Teil der Patienten, die nur wenige Metastasen hatten, vielleicht doch noch eine kurative Chance gibt. Dazu sind größere Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit erforderlich. (DEGRO/ms)
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