Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Genexpressionsanalyse ermöglicht personalisierte Behandlung

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Eine klinische Studie aus Großbritannien hat ergeben, dass mithilfe der molekularen Profile von Prostatatumoren vorhergesagt werden kann, welche Patienten eher auf eine Chemotherapie ansprechen und welche nicht. Der „Decipher Prostate“-Test könnte als Grundlage für Behandlungsentscheidungen dienen.  

Bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs kann eine Intensivierung der Behandlung mit Docetaxel zusätzlich zur standardmäßigen Androgendeprivationstherapie (ADT) die Überlebenschancen verbessern. Die Ansprechraten variieren jedoch und die Möglichkeiten, vorherzusagen, wer vermutlich von einer Chemotherapie profitiert und wer nicht, sind begrenzt.

Genexpressionstests an Prostatabiopsien

Diese Vorhersage ermöglichen könnte eine Untersuchung des molekularen Profils von Prostatatumoren, wie eine Studie des University College London (UCL) ergeben hat. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht und seien der erste überzeugende Beweis dafür, dass ein Genexpressionstest an routinemäßig entnommenem Prostatagewebe die Behandlungsentscheidung für Patienten mit metastasiertem Krebs unterstützen kann, so die Pressemitteilung des UCL. Der Test trägt den Namen „Decipher Prostate Genomic Classifier“ und wird von der Firma Veracyte hergestellt.

Die aktuelle Studie unter der Leitung von Prof. Gert Attard umfasst 1523 Patienten aus den STAMPEDE-Phase-III-Studien, bei denen fortgeschrittener Prostatakrebs diagnostiziert worden war und die eine ADT begonnen hatten. In den STAMPEDE-Studien wurde der zusätzliche Nutzen einer zusätzlichen Gabe von Abirateron oder Docetaxel zur ADT getestet. Die Studienteilnehmer wurden im Mittel 14 Jahre lang nachbeobachtet.

Unter den 832 Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs verringerte sich das Sterberisiko bei Patienten mit hohen Decipher-Prostate-Scores nach der Behandlung mit Docetaxel um 36 Prozent, während bei Patienten mit niedrigeren Scores das Sterberisiko schätzungsweise um weniger als 4 Prozent sank.

Unnötige Nebenwirkungen ersparen

Dieses Ergebnis ist deshalb bedeutsam, weil eine Chemotherapie mit Docetaxel zwar die Überlebenschancen einiger Patienten verbessert, aber auch die Lebensqualität beeinträchtigt. Der Test könnte also dazu beitragen, Patienten mit wahrscheinlich Docetaxel-sensitiven Tumoren zu identifizieren, die folglich mit einer Chemotherapie länger leben. Patienten, bei denen die Chemotherapie eher nicht anschlagen würde, könnten so die unangenehmen Nebenwirkungen erspart bleiben.

„Die STAMPEDE-Studie hat zu zahlreichen Veränderungen in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs geführt. Durch groß angelegte molekulare Analysen in Verbindung mit einer Langzeitnachbeobachtung identifizieren wir nun erstmals Patientengruppen, die in die Studie aufgenommen wurden und sehr unterschiedlich von der Behandlung profitierten. Die Möglichkeit, auf Grundlage des Decipher Prostate-Tests eine individuelle Entscheidung für oder gegen Chemotherapie zu treffen, wird die Patientenversorgung und die Behandlungsergebnisse erheblich verbessern“, postuliert Attard.

Mögliche Klassifizierung in molekulare Subgruppen

Der Decipher Prostate-Test wird in den USA bereits häufig eingesetzt, um lokalisierten Prostatakrebs mit erhöhtem Risiko für Metastasen zu identifizieren. Nun gibt es also auch klinische Belege dafür, dass er die Behandlungsentscheidung für bestimmte Patienten navigieren könnte.

Darüber hinaus entdeckten die Forschenden potenzielle molekulare Klassifikatoren zur Vorhersage des Behandlungserfolgs von Patienten. Erstautorin Dr. Emily Grist erklärt: „Eine unserer weiteren Entdeckungen ist eine Signatur, die die Inaktivität des Tumorsuppressorgens PTEN identifiziert. Sie sagt sowohl eine kürzere Lebenserwartung unter Hormontherapie als auch einen größeren Nutzen durch eine Chemotherapie im Vergleich zu Patienten mit PTEN-Aktivität voraus.“

Grist ist davon überzeugt, dass ihre Arbeit die Bemühungen vorantreiben kann, Prostatakrebs in verschiedene molekulare Subgruppen neu zu klassifizieren. Die molekularen Tumorprofile könnten langfristig maßgeschneiderte Behandlungen ermöglichen und somit die Outcomes für Patienten verbessern.

(mkl/BIERMANN)