Fortschreiten der Nierenerkrankung verhindern14. Dezember 2018 Foto: © Angela Rohde, Fotolia.com Für die Erforschung der individualisierten Therapie der IgA-Nephropathie – einer häufigen entzündlichen Nierenerkrankung – hat eine Forschergruppe unter Leitung von Nephrologen aus dem KfH-Nierenzentrum Leipzig und dem Leipziger Klinikum St. Georg den Zuschlag für eine EU-Förderung erhalten. „Wir wollen mithilfe einer molekularen Urinanalyse herausfinden, bei welchen Patienten mit einer IgA-Nephropathie eine immunsuppressive Therapie, also die gezielte Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems, das Fortschreiten der Nierenerkrankung verhindern kann“, beschreibt Prof. Dr. med. Joachim Beige, leitender Arzt des KfH-Nierenzentrums Leipzig, Delitzscher Straße, Chefarzt der Abteilung Nephrologie am Klinikum St. Georg und Mitglied der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg das Forschungsvorhaben. Entzündliche Erkrankungen der Nierenkörperchen (Glomeruli) sind eine der Hauptursachen für ein Nierenversagen, das eine Nierenersatztherapie (Dialyse oder Nierentransplantation) notwendig macht. Die häufigste Form dieser Nierenentzündungen ist die sogenannte IgA-Nephropathie. Während bei Patienten mit anderen Entzündungsformen der Nierenkörperchen eine immunsuppressive Therapie trotz möglicher Risiken der Behandlung (Auftreten von Infektionen, Knochenschäden etc.) auch große Heilungschancen von bis zu 80 Prozent mit sich bringt, ist eine solche therapiebedingte Progressionshemmung bei der IgA-Nephropathie derzeit noch nicht prognostizierbar. Zwar wird durch die Immunsuppression auch bei den Patienten mit dieser Erkrankung der Eiweißverlust der kranken Nieren vermindert, allerdings führt die Therapie lange nicht bei allen betroffenen Patienten dazu, dass die Entgiftungsleistung der Nieren erhalten und damit eine Nierenersatztherapie verhindert werden kann. Dies spricht in vielen Fällen gegen die risikoreiche immunsuppressive Therapie, auch wenn sie in Einzelfällen wirksam zu einem Erhalt der Nierenfunktion beitragen kann. Genau hier setzt das praxisnahe Forschungsprojekt der Leipziger Nephrologen an: „Mittels einer neuartigen Urin-Proteomanalyse soll bei an IgA-Nephropathie erkrankten Patienten aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Spanien, Schweden und Kanada untersucht werden, ob die Neigung zur Verschlechterung der Erkrankung und das Ansprechen auf die Therapie prognostizierbar sind“, erläutert Beige den Forschungsansatz. Darauf ließen vielversprechende Vorbefunde hoffen. „Wenn sich dieses Konzept in einer kontrollierten Studie bestätigen ließe, könnte künftig die Entscheidung über den Beginn der abwehrschwächenden Therapie mit Hilfe eines sogenannten proteomischen Risiko- und Therapie-Klassifikators getroffen werden“, fasst der Leipziger Nephrologe die Chancen für die Behandlung der erkrankten Patienten zusammen. Es würden dann nur solche Patienten die belastende immunsuppressive Therapie erhalten, bei denen sowohl ein konkretes Risiko für ein dialysepflichtiges Nierenversagen vorläge als auch eine Wahrscheinlichkeit gegeben sei, das Nierenversagen durch die Therapie wirksam zu verhindern. Die Leipziger Nephrologen und ihre Kooperationspartner im Klinik- und Laborbereich erhalten für ihr Forschungsvorhaben insgesamt 1,1 Millionen Euro – finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen einer transnationalen EU-Kooperation im Kontext des neu aufgelegten Netzwerks „Individualisierte Medizin“. Ziel der individualisierten Medizin ist es, mithilfe molekularer Merkmale eine personalisierte Therapie von Erkrankungen zu entwickeln. So kann die Prävention und Therapie gezielt auf das Individuum abgestimmt werden – mit der Chance, Erkrankungen äußerst wirkungsvoll zu behandeln oder gar im Einzelfall zu vermeiden. In der Nephrologie ist das Konzept der individualisierten Medizin noch Neuland. „Unsere Hoffnung ist, dass diese Methode in der Zukunft nicht nur auf die IgA-Nephropathie sondern auch auf weitere Nierenerkrankungen, zum Beispiel die Diabetes-bedingte Nierenschädigung, übertragen werden kann“, so Beige. Aus Sicht der beteiligten Forscher hat die Urin-Proteomanalyse das Potenzial, die Anzahl der Patienten mit notwendiger Dialysebehandlung wegen solcher Erkrankungen merklich zu senken. Über das Engagement des Leipziger KfH-Zentrums am Klinikum St. Georg freut sich auch KfH-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. med. Dieter Bach: „Als bundesweiter nephrologischer Gesamtversorger könnte das gemeinnützige KfH mit seinen nephrologischen Sprechstunden in über 200 KfH-Zentren eine bedeutsame Rolle bei der Entwicklung dieser Untersuchungsmethoden spielen“, resümiert Bach.
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