Frailty als Demenzrisiko?4. Februar 2025 Gebrechlichkeit im Alter ist ein multidimensionales geriatrisches Syndrom und erhöht das Risiko für Demenzerkrankungen. (Foto: © Daniel Etzold – stock.adobe.com) Personen, die später an Demenz erkranken, zeigen bereits vier bis neun Jahre vor Auftreten der Demenzerkrankung eine deutliche Zunahme altersbedingter Gesundheitsprobleme, die als Frailty zusammengefasst werden. Das geht aus einem internationalen Forschungsprojekt hervor, das sich mit dem Zusammenhang zwischen Frailty und dem Auftreten von Demenz beschäftigt hat. Ob und wann eine Demenzerkrankung auftritt, welche Risikofaktoren dazu beitragen und wie man sich davor schützen kann, steht im Fokus vieler Forschungsprojekte weltweit. Auch bei der aktuellen Studie stand der Symptomkomplex „Frailty“ im Mittelpunkt. Es ist ein multidimensionales geriatrisches Syndrom, das oft mit „Gebrechlichkeit“ ins Deutsche übersetzt wird. Genauer gesagt handelt es sich bei Frailty um eine erhöhte Verletzlichkeit aufgrund altersbedingt verringerter Reservekapazitäten in mehreren Organsystemen. „Ältere Personen mit Frailty haben ein erhöhtes Risiko, bereits durch kleinere Stressfaktoren, zum Beispiel eine Infektion, einen Medikamentenwechsel oder einen Eingriff, schwerwiegende gesundheitliche Verschlechterungen zu erleiden – bis hin zu anhaltender Pflegebedürftigkeit und Mortalität“, erklärt Erwin Stolz vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Med Uni Graz, Österreich, der federführend am Projekt beteiligt war. Im Rahmen der Studie wurde der Grad beziehungsweise der Verlauf von Frailty anhand von mehr als 50 altersbezogenen Gesundheitsproblemen wie chronischen Erkrankungen, Gewichtsabnahme, Schmerzen, Schlafproblemen, Hör- und Sehproblemen, Erschöpfung, geringer Gehgeschwindigkeit und Muskelkraft quantifiziert. Frailty als Risikofaktor Um den Zusammenhang zwischen Frailty und der Entwicklung von Demenz zu untersuchen, haben die Forscher Daten von knapp 30.000 älteren Personen aus vier Kohorten im Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten analysiert, die bis zu 20 Jahre nachverfolgt wurden. Im Rahmen der Analyse konnten sie nicht nur zeigen, dass jene Personen, die später an Demenz erkrankten, bereits vier bis neun Jahre vor Auftreten der Demenzerkrankung eine deutliche Zunahme in der Anzahl altersbedingter Gesundheitsprobleme zeigten, sondern dass das Ausmaß von Frailty auch davor schon ein Risikofaktor für die spätere Demenzerkrankung war. Die Schlüsse der Studie fasst Stolz so zusammen: „Wer sich im mittleren und höheren Alter gesund und fit hält, senkt das Risiko, später an Demenz zu erkranken. Demgemäß ist es nicht nur sinnvoll, den Grad der Frailty zu messen, etwa im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen, sondern auch, mittels Gesundheitsprogrammen und Hinweisen zukünftigen Gesundheitsproblemen im Alter frühzeitig entgegenzusteuern, zum Beispiel hinsichtlich körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung.“
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