Früherkennung bei Hautkrebs bleibt unverzichtbar15. April 2026 Symbolbild: © Марина Демешко – stock.adobe.com Angesichts stark steigender Hautkrebszahlen fordern Verbände den Erhalt des gesetzlichen Hautkrebsscreenings. Früherkennung senkt Kosten und verbessert die Prognose. Vor dem Hintergrund eklatant steigender Erkrankungszahlen beim Melanom und noch mehr beim hellen Hautkrebs sowie der demografischen Entwicklung ist nach Ansicht mehrerer Verbände eine Kostenexplosion nur dann zu verhindern, wenn der Hautkrebs zu einem frühen Zeitpunkt erkannt und behandelt wird. Dafür braucht es das Hautkrebsscreening, was weiterentwickelt werden muss. Zu diesem Schluss kommen die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), die Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs (NVKH), die AG Dermatologische Prävention (ADP) und die AG Dermatologische Onkologie (ADO). Auch der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) warnt vor einer Aussetzung des gesetzlichen Hautkrebsscreenings (wir berichteten). Die Hautkrebszahlen steigen seit Jahren an. Auch laut Barmer Arztreport ist die Zahl der diagnostizierten Fälle deutlich gestiegen. „Dass sich die Melanom-Zahlen seit dem Jahr 2005 mehr als verdoppelt und beim hellen Hautkrebs nahezu verdreifacht haben, ist alarmierend“, sagt Prof. Mark Berneburg, Präsident der DDG und Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Regensburg. Früh erkannt ist Hautkrebs in vielen Fällen sehr gut und kostengünstig behandelbar. „Aus diesem Grund sind wir ganz entschieden für die Beibehaltung des Hautkrebsscreenings, ein Aussetzen hätte fatale Folgen“, so Berneburg. Starker Kostenanstieg ohne zukünftiges Screening „Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) spart durch früh diagnostizierte Hautkrebsfälle, denn die Behandlung von weit fortgeschrittenem Hautkrebs ist sehr kostenintensiv“, erklärt Prof. Claus Garbe, Stuttgart, der vor über 20 Jahren das Hautkrebsscreening mit initiierte. Jeder Patient, der eine fortgeschrittene Hautkrebserkrankung oder gar eine Metastasierung entwickelt, kostet die GKV vor allem wegen der Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren mindestens 100.000 bis 200.000 Euro. „Das steigert die Kosten immens, während bei früher Erkennung dieser Tumoren eine meist ambulant durchführbare Exzision ausreichend ist“, so Garbe. Die Kosten steigen dann um mehr als das Zehnfache, schätzt der Hautkrebsexperte. Im Bericht der FinanzKommission wird festgestellt, es gebe für die anlasslose Ganzkörper-Früherkennung von Hautkrebserkrankungen keine belastbare Evidenz und daraus wird gefolgert, dass damit kein entsprechender Patientennutzen verbunden sei. Es wurde bei anderen Tumoren wie Gebärmutterhalskrebs, Brustkrebs und Lungenkrebs gezeigt, dass infolge einer Verbesserung der Früherkennung die Sterblichkeit abnahm. Die Mortalitätsrate des Hautkrebses wird wesentlich bestimmt durch das Melanom. Das Hautkrebsscreening zielt aber nicht nur auf die Erkennung von Melanomen, sondern auch auf die Erkennung des viel häufigeren hellen Hautkrebses ab. Dies hat kaum Auswirkung auf die Mortalität, allerdings auf die Morbidität und die Behandlungskosten. So sind bereits heute die höchsten Gesundheitskosten in Australien mit der Therapie von Hautkrebserkrankungen verbunden. Das Hautkrebsscreening ist hochwirksam, wie internationale wissenschaftliche Studien belegen. Späte Diagnosen verteuern die therapeutische Versorgung. Zudem haben die Patienten eine günstigere Prognose und eine verbesserte Überlebenswahrscheinlichkeit. Das Screening fortführen und optimieren „Das Hautkrebsscreening muss aus verschiedenen Gründen verbessert werden“, sagt Prof. Dirk Schadendorf, Vorsitzender der NVKH und Direktor der Universitätshautklinik Essen. Nur 30 Prozent derjenigen, die einen Anspruch auf die Früherkennungsuntersuchung haben, nehmen an der Früherkennungs-Untersuchung teil. „Hier ist ein strukturiertes, organisiertes Programm mit Einladungsmanagement denkbar, damit auch diejenigen zum Screening gehen, die von sich aus nicht unbedingt daran gedacht hätten“, so Schadendorf. Auch Prof. Ralf Gutzmer, Vorsitzender der ADO und Direktor der Hautklinik am Johannes Wesling Klinikum Minden ist der Auffassung, dass eine Fortführung und Weiterentwicklung des Hautkrebsscreening nötig ist. „Es handelt sich um eine sinnvolle, leicht durchzuführende und wenig belastende Untersuchung. Das ist eine enorme Chance, präventiv etwas zu bewegen. Zudem besteht bei diesem Arztkontakt immer die Möglichkeit, grundsätzlich über Hautkrebsprävention und Sonnenschutz zu sprechen, aber auch über Krebsprävention im Allgemeinen“, konstatiert Gutzmer. Die Fachgesellschaften sind sich einig, dass das Hautkrebsscreening weiter verbessert werden muss, insbesondere um mehr Personen mit dem Screening zu erfassen. Damit wird die Früherkennung gestärkt und die Kosten für die Behandlungen können langfristig weiter abgesenkt werden.
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