Frühgeborenen-Simulator bereichert Hebammenstudium

Die Teilnehmenden an der hsg Bochum wurden von Dr. Jens-Christian Schwindt, der sich aus Wien per Videokonferenz zugeschaltet hatte, darin geschult, den Frühgeborenen-Simulator einzusetzen.(Foto: Christiane Krüger, hsg Bochum/ck)

An der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) hat Hebammenwissenschaftlerin Prof. Martina Schlüter-Cruse einen Frühgeborenen-Simulator eingeworben.

„Frühgeburten stellen besondere Anforderungen an die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten AkteurInnen aus dem Gesundheitswesen. Die Anschaffung des Frühgeborenen-Simulators ‘Paul’ zielt darauf ab, die Handlungskompetenz von Studierenden der Hebammenkunde beim kritischen Ereignis ‚Frühgeburt‘ zu erweitern sowie die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Studierenden der Hebammenkunde, der Pflege und der Medizin weiter auszubauen. Außerdem wird damit das bereits vorhandene Skills-Lab-Konzept im Studienbereich Hebammenwissenschaft der hsg Bochum um das Frühgeborenen-Simulationstraining erweitert“, sagte Schlüter-Cruse.

In den sogenannten Skills-Labs der hsg Bochum können Studierende das gelernte Wissen praktisch einsetzen und stressfrei zum Beispiel an Simulatoren Handlungsabläufe einüben. Die Skills-Labs sind speziell eingerichtete Trainingsräume, in denen berufliche Situationen mit moderner und realitätsnaher Ausstattung nachgestellt werden. So gibt es an der hsg Bochum zum Beispiel einen komplett eingerichteten Kreißsaal, eine seniorengerechte Wohnung, ein Ganglabor und eine Erwachsenen-Intensivstation.

„Der Einsatz eines Frühgeborenen-Simulators ist im Studium von Hebammen in Deutschland bisher nicht verbreitet. Wir haben in unserem Konzept an der hsg Bochum ein interprofessionelles Team eingebunden. Ich freue mich auf das gemeinsame Projekt mit den KollegInnen, sodass die Expertise unterschiedlicher Professionen bereits in der Planungsphase des Konzepts einfließen kann.“

An der Konzeptentwicklung beteiligt sind neben Projektleiterin Schlüter-Cruse auch Dr. Carsten Krüger, Professor für Medizin mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Sandra Bachmann, Professorin für Pflegerische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien, sowie Barbara Beck, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studienbereich Hebammenwissenschaft.

„Im nächsten Schritt werden die Trainings mit dem Frühgeborenen-Simulator Paul konzeptionell entwickelt, in die Lehre eingebunden und evaluiert. „Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich dem Trainingssimulator eine hohe Qualität und Praxisnähe bescheinigen. Ich bin zuversichtlich, dass die Studierenden der Hebammenkunde, der Pflege und der Medizin dadurch deutlich besser auf ihre zukünftige klinische Arbeit vorbereitet werden“, sagte Krüger.

Der Frühgeborenen-Simulator Paul ist eine realistische Nachbildung eines in der 28. Schwangerschaftswoche frühgeborenen Kindes mit einem Gewicht von 1000 Gramm. So fühlt sich nicht nur die Haut wie die eines Frühgeborenen an, sondern Paul kann auch atmen und stöhnen. Der Simulator wird über einen Computer gesteuert und ist so konstruiert, dass durch die Nachbildung seiner Atemwege auch eine Intubation möglich ist, sodass besondere Versorgungsstrategien nachgestellt werden können.

Der Frühgeborenen-Simulator wurde im Rahmen des Programms ‚FH-Basis‘ durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW finanziert. Das Geräte-Programm 2019 richtet sich an neuberufene Professorinnen und Professoren, um diese beim Auf- und Ausbau ihrer Forschungsaktivitäten zu unterstützen. Schlüter-Cruse hatte im November 2018 ihre Professur für Hebammenwissenschaft im Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der hsg Bochum angetreten und einen entsprechenden Förderantrag gestellt.