Für Suchtgefahren durch Gaming sensibilisieren29. Dezember 2021 Prof. Florian Rehbein lehrt seit diesem Semester am Fachbereich Sozialwesen der FH Münster. Sein Schwerpunkt sind Suchthilfe und Suchtprävention in der Sozialen Arbeit. (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz) Die Fachhochschule Münster hat Prof. Florian Rehbein an den Fachbereich Sozialwesen berufen. Er vertritt dort das Lehr- und Forschungsgebiet Suchthilfe und Suchtprävention in der Sozialen Arbeit. Minecraft, FIFA, Counterstrike und Co. − Computerspiele wie diese werden von der Hälfte der deutschen Bevölkerung genutzt. Besonders auf junge Menschen üben sie eine enorme Anziehungskraft aus: Nach einer DAK-Studie spielen drei Millionen Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren regelmäßig an Konsole, Smartphone oder PC. Rund 465.000 von ihnen gelten als sogenannte Risiko-Gamer, sie zeigen ein auffälliges oder abhängiges Spielverhalten. Wie man Computerspielsucht und anderen Suchterkrankungen am effektivsten vorbeugen kann, erforscht Prof. Florian Rehbein. Zu diesem Wintersemester ist er an den Fachbereich Sozialwesen der FH Münster berufen worden. „Präventionsarbeit sollte weniger ad hoc auf Anfragen reagieren, sondern stattdessen planend und vorausschauend agieren“, erklärt der 44-Jährige. „Im Idealfall gehen Fachkräfte für Suchtprävention mit effektiven Konzepten aktiv auf bestimmte Jahrgänge an Schulen, Jugendeinrichtungen und Sportvereinen zu, noch bevor den Akteuren vor Ort die Notwendigkeit dafür überhaupt bewusst ist. Wird hingegen gewartet, bis Prävention aktiv nachgefragt wird, sind häufig bereits Probleme aufgetreten. Für viele universal- und sekundärpräventive Maßnahmen ist man dann aber schon zu spät dran“, ist Rehbein überzeugt. Für eine solche vorausschauende Präventionsarbeit und eine professionelle Verantwortungsübernahme der Sozialen Arbeit für riskant und abhängig Konsumierende möchte er die Studierenden fit machen. „Ich freue mich darauf, mein Wissen so aufzubereiten, dass es für Fachkräfte der Sozialen Arbeit hilfreich ist“, sagt der Psychologe. „Sie sind in der Suchtarbeit die mit Abstand relevanteste Berufsgruppe.“ Vor seiner Berufung an die FH Münster hat der Wissenschaftler jahrelang intensiv zu Computerspielsucht und ihrer Prävention geforscht, zuletzt am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Dort hat er unter anderem eine vorbereitende Studie zum neuen Niedersächsischen Suchtpräventionskonzept angeleitet und ein psychologisches Testverfahren entwickelt, mit dem sich Gaming Disorder diagnostizieren lässt. Auch in seiner Habilitation hat er sich mit den Risikofaktoren und diagnostischen Kriterien von Computerspielsucht beschäftigt. „Wenn Kinder täglich länger als vier oder fünf Stunden vor dem Rechner sitzen, ihre Noten in der Schule immer schlechter werden und sie in der Freizeit nur noch das Zocken im Kopf haben, sollten Eltern hellhörig werden“, warnt der zweifache Vater. „Die Altersfreigabe der meisten Computerspiele spiegelt ihr Suchtpotenzial in keiner Weise wider. Die populäre Fußballsimulationsspielreihe FIFA zum Beispiel hat durch ihr Lootbox-System einen tendenziellen Glücksspielcharakter und ist trotz der Freigabe ‚ab 0 Jahren‘ für Kinder absolut ungeeignet.“
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