gamescom 2017: Zahl der computerabhängigen Jugendlichen steigt21. August 2017 © Epibrate Images – fotolia.com Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren sind pro Woche im Durchschnitt etwa 22 Stunden mit Computerspielen oder der Internetnutzung beschäftigt. Zu den Herausforderungen und Risiken der virtuellen Welt für junge Menschen informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich der Computerspielemesse gamescom, die vom 22. bis 26. August 2017 in Köln stattfindet. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, erklärt: „5,8 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren zeigen mittlerweile ein gestörtes Internet- oder Computerspielverhalten. Sie haben Schwierigkeiten, ihr Spiel zu kontrollieren und zeigen ‚Entzugserscheinungen‘ wie Aggressivität, Rückzug vom Alltag oder Depressionen. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, der wir mit Aufklärungskampagnen wie den ‚Net-Piloten‘ oder gezielten Hilfsangeboten wie der Online-Ambulanz ‚OASIS‘ wirksam entgegenwirken können. Aber auch die Eltern müssen wachsam bleiben, mit ihren Kindern darüber sprechen und ein medienkompetentes Vorbild sein: Wer selbst beim Abendessen das Smartphone oder Tablet nicht mehr weglegt, ist den Kids gegenüber wenig glaubwürdig und vermittelt sicherlich keine gesunde Online/Offline-Balance.“ Die aktuellen Zahlen der BZgA belegen, dass sich der Anteil computerspiel- und internetbezogener Störungen bei männlichen Jugendlichen von 3,0 Prozent im Jahr 2011 auf 5,3 Prozent im Jahr 2015 erhöht hat. Bei den weiblichen Jugendlichen hat sich der Anteil in diesem Zeitraum von 3,3 Prozent auf 6,2 Prozent fast verdoppelt. Insgesamt nutzen Jungen bevorzugt Computerspiele, Mädchen hingegen interessieren sich vor allem für die sozialen Medien. „In der Prävention exzessiver Mediennutzung ist es entscheidend, Jugendliche frühzeitig im bewussten Umgang mit Medien zu schulen und auf die damit verbundenen Risiken aufmerksam zu machen, um negativen Folgen wie Kontrollverlust und Vereinsamung entgegen zu wirken“, betont die Leiterin der BZgA, Dr. Heidrun Thaiss. „Für Schulen bietet die BZgA bundesweit mit den ‚Net-Piloten‘ eine Möglichkeit, das medienkompetente Miteinander unter Jugendlichen zu fördern, ganz ohne ‚erhobenen‘ Zeigefinger und mit einem Konzept der Prävention auf Augenhöhe.“ Im Rahmen des BZgA-Präventionsprogramms „Ins Netz gehen“ werden Jugendliche im Alter ab 12 Jahren sowie ihre Bezugspersonen in Elternhaus und Schule angesprochen. Für Schulen wurde das Programm „Net-Piloten“ entwickelt. Bei dem auf dem Peer-Ansatz beruhenden „Net-Piloten“-Konzept werden Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren zur eigenverantwortlichen, maßvollen Nutzung von Computer und Internet geschult, um dann als Multiplikatoren ihr Wissen in Workshops für jüngere Jahrgänge weiterzugeben. Dabei werden sie inhaltlich von Lehrkräften und Fachkräften der Suchtprävention vor Ort unterstützt. Begleitend werden die Familien der Jugendlichen durch themenspezifische Elternabende in das Projekt eingebunden. Exzessives Nutzungsverhalten zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene Probleme haben, ihre Internetnutzung zu kontrollieren und unruhig oder gereizt reagieren, wenn sie nicht online sein können. Für Menschen, die bereits ein problematisches Online-Nutzungsverhalten entwickelt haben, bietet zum Beispiel die LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum seit dem vergangenen Jahr den Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige (OASIS) an. Der Initiator Dr. Bert te Wildt sagt: „Für Internetsüchtige ist die Hemmschwelle, sich im Netz selbst Hilfe zu holen, offenbar niedriger, als sich direkt an eine Beratungsstelle zu wenden. Mehr als 10.000 Nutzer haben bereits auf dem ‚OASIS‘-Portal den Selbsttest gemacht, um herauszufinden, ob sie oder ein Angehöriger unter Internetsucht leiden. Das Internet birgt zwar eine Suchtgefahr, aber es kann andererseits auch sinnvoll therapeutisch nutzbar gemacht werden.” Auf der gamescom 2017 sind die BZgA mit den „Net-Piloten“ und „OASIS“ gemeinsam an einem Stand in Halle 10.2 vor Ort. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
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