Gastrointestinale Krebserkrankungen: Projektionen gehen von einer Verdoppelung der Fälle bis 2050 aus13. März 2026 Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs erwarten die Autoren einer aktuellen Datenanalyse bis zum Jahr 2025 die stärksten Anstiege im Hinblick auf Diagnosen. (Abbildung: © Crystal light/stock.adobe.com) Berechnungen auf der Basis von Daten aus dem Jahr 2022 haben ergeben, dass sich die Zahl der gastrointestinalen Krebserkrankungen bis zum Jahr 2050 weltweit mutmaßlich verdoppeln wird. Die stärksten Anstiege erwarten Forschende vom Cedars-Sinai Medical Center (USA) bei Pankreaskarzinom-Diagnosen und Todesfällen im Zusammenhang mit Darmkrebs. Auch bei Krebs der Speiseröhre und der Leber gehen die Autoren einer neuen Studie von einer Zunahme aus. „Diese steigenden Krebsraten werden weltweit erwartet“, sagt Dr. Ju Dong Yang, einer der korrespondierenden Verfasser der neuen Publikation im Journal „Cancer“. „Umfassende Maßnahmen im großen Stil werden nötig sein, um Menschen zu einer Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten zu ermuntern und um Screening-Programme zu entwickeln, die helfen, die Zahlen zu senken.“ Projektionen im Einzelnen Die Wissenschaftler gehen in ihrer Auswertung der GLOBOCAN Daten davon aus, dass die weltweite Belastung durch gastrointestinale Tumore im Jahr 2050 voraussichtlich 9,06 Millionen Neuerkrankungen (+85%) und 6,42 Millionen Todesfälle (+93%) gegenüber 2022 erreichen wird. In die Analyse wurden 158 Länder eingeschlossen. Erwartet wird ein Anstieg der Neuerkrankungen sowohl bei Frauen (+87%) als auch bei Männern (+83%), ebenso wie ein Anstieg der Sterblichkeit bei beiden Geschlechtern (+97%). Während die Westpazifikregion laut den Berechnungen mit 3,88 Millionen Neuerkrankungen und 2,79 Millionen Todesfällen die höchste absolute Belastung aufweisen wird, ist mit dem größten relativen Anstieg der Fälle von Krebs des Gastrointestinaltraktes in Afrika zu rechnen, bei einer Zunahme der Neuerkrankungen und Todesfälle um 157 beziehungsweise 160 Prozent. Gemessen am Human Development Index (HDI) gehen die Forschenden von den stärksten Anstiegen in Ländern mit niedrigem HDI (+151% Neuerkrankungen; +152% Todesfälle) und mittlerem (+112% Neuerkrankungen; +114% Todesfälle) HDI aus. Insgesamt sehen sie eine Zunahme aller Arten von Krebs aus, die im Magen-Darm-Trakt auftreten können: Allen voran Bauchspeicheldrüsenkrebs bei der Inzidenz (+95%) und Darmkrebs bei den Todesfällen (+103%). Leberkrebs Laut Yang könnten bis zu 70 Prozent aller Fälle von Krebs die Leber betreffend durch solche Veränderungen des Lebensstils vermieden werden. Denn: Hepatitis B und C waren zwar früher die führenden Ursachen für Leberkrebs in den USA, werden aber inzwischen in den Schatten gestellt – durch die Stoffwechseldysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD). „Die MASLD wird immer mehr zur wichtigsten Ursache von Leberkrebs in den Ländern der westlichen Welt, auch in den USA“, unterstreicht Yang. Er betont auch, dass in den USA nur etwa 20 Prozent der Personen, die wegen einer Hepatitis an einer Zirrhose oder an anderen chronischen Lebererkrankungen leiden, ein Leberkrebs-Screening erhalten. Und: Nur etwa 30 Prozent aller Fälle von Leberkrebs werden in einem Stadium erkannt, in dem eine Heilung noch erreicht werden kann. Krebserkrankungen des Magens und des Ösophagus Lebensstilfaktoren und zu wenig Screening kommen auch bei den Risiken für Krebserkrankungen des Magens und der Speiseröhre ins Spiel. Darauf macht Dr. Alexandra Gangi aufmerksam, die die Abteilung für chirurgische Onkologie am Cedars-Sinai Medical Center leitet. „Diese Tumore verursachen nur wenig Symptome, bevor sie metastasieren – und sie metastasieren tendenziell rasch. Um das Risiko zu senken, sollte man sich auch vermeidbare Faktoren konzentrieren – wie Adipositas, Tabak- und Alkoholkonsum sowie die Ernährung. Liegen andere Risikofaktoren wie ein chronischer Säurereflux, Gastritis oder solche Krebserkrankungen in der Familienanamnese vor, sollte ein Screening erörtert werden.“ Kolorektalkarzinom Für ein Darmkrebs-Screening im Alter von 45 Jahren – ein einer entsprechenden familiären Vorgeschichte früher – spricht sich Dr. Alessio Pigazzi aus. Er leitet die Abteilung Kolorektalchirurgie am Cedars-Sinai Medical Center. „Eine späte Diagnose macht Darmkrebs in hohem Maße lethal, während eine frühe Diagnose zu sehr hohen Heilungsraten führt. Er empfiehlt zur Senkung des Risikos eine vollwertige Ernährung – ballaststoffreich, zuckerarm und wenig tierische Fette. Geraten wird auch zu regelmäßiger Bewegung, die Teilnahme an Screenings und die Beachtung von Darmkrebssymptomen (häufige rektale Blutungen oder unerklärliche Veränderungen beim Stuhlgang). Bauchspeicheldrüsenkrebs Auch Pankreaskarzinom werden meist erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Laut Dr. Arsen Osipov, medizinischer Leiter der Abteilung für Bauchspeicheldrüsenkrebs und multidisziplinäre Programme und Integration am Cedars-Sinai Medical Center erklärt, dass sich bei 50 Prozent der Betroffenen die Krankheit bereits ausgebreitet hat. „In letzter Zeit wurden Fortschritte bei der Früherkennung und Behandlung erzielt, darunter blutbasierte Flüssigbiopsien und strukturierte Screening-Programme für Menschen mit einem hohen genetischen Risiko“, erläutert Osipov. „Multidisziplinäre Kliniken, wie die am Cedars-Sinai Medical Center entwickelte, tragen dazu bei, die Diagnose und Behandlungsplanung zu beschleunigen und den Zugang zu klinischen Studien sowie die Behandlungsergebnisse für die Patienten zu verbessern.“ Um das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs zu senken, empfiehtl Osipov, auf veränderbare Lebensstilfaktoren zu achten, ähnlich wie bei anderen Krebsarten des Magen-Darm-Traktes. Er rät außerdem Menschen mit chronischer Pankreatitis oder einer familiären Vorbelastung für Bauchspeicheldrüsenkrebs eine genetische Beratung in Anspruch zu nehmen und sich in ein Hochrisiko-Überwachungsprogramm einschreiben zu lassen. Was in nächster Zukunft zu erwarten ist Blutbasierte Biomarker wie zirkulierende Tumor-DNA verbessern die Früherkennung und ermöglichen personalisierte Therapien sowie eine bessere Erkennung von Rezidiven bei Darmkrebs – und werden nun auch für andere Bereiche des Magen-Darm-Trakts eingesetzt, erklärt Dr. Katelyn Atkins, kommissarische Leiterin und medizinische Direktorin der Strahlentherapie am Cedars-Sinai Medical Center.. „Fortschritte in der Strahlentherapie ermöglichen es uns, die Therapie präziser durchzuführen und benachbarte Organe besser zu schützen. Dadurch wird eine intensivere und effektivere Behandlung sicherer“, sagt Atkins. „Zudem wird die Strahlentherapie zunehmend als Alternative zur radikalen Operation bei Rektum-, Speiseröhren- und gastroösophagealen Karzinomen eingesetzt.“ Biomarkerbasierte Therapien verbesserten zudem die Integration der Strahlentherapie in Behandlungsschemata, die auch Operation, Chemotherapie und Immuntherapie umfassen. „Dieser Wandel hin zu personalisierten, biologisch fundierten Behandlungsansätzen hilft uns, das Überleben zu verlängern und die Lebensqualität von Patienten mit gastrointestinalen Tumoren zu erhalten“, sagte Dr. Robert Figlin, kommissarischer Direktor des Cedars-Sinai Cancer Center. „Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern und die Krebsinzidenz in unserer Region zu senken.“ Mehr Aktuelles zu gastrointestinalen Krebserkrankungen: Alkoholkonsum und Krebs: Neue Studie bestätigt den Zusammenhang Neue Strategien gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs Darmkrebs: Frauen und Männer erkranken unterschiedlich
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