Gebärmutterhalskrebs-Screening: Bundesweite Krebsregisterdaten zeigen erste positive Effekte21. August 2026 Bildquelle: Rabizo Anatolii/stock.adobe.com Eine neue Analyse der deutschen Krebsregister deutet darauf hin, dass das Gebärmutterhalskrebs-Screening Wirkung zeigt: In den Daten zeichnen sich eine verbesserte Früherkennung und ein Rückgang invasiver Adenokarzinome ab. Das im Jahr 2020 eingeführte organisierte Gebärmutterhalskrebs-Screening zeigt erste positive Auswirkungen: Eine bundesweite Auswertung der deutschen Krebsregister weist darauf hin, dass Vorstufen von Adenokarzinomen des Gebärmutterhalses seit Einführung des kombinierten HPV- und Pap-Tests deutlich häufiger erkannt werden. Gleichzeitig deuten die Daten auf einen Rückgang invasiver Adenokarzinome bei Frauen ab 35 Jahren hin. Die Ergebnisse wurden im „Deutschen Ärzteblatt International‟ veröffentlicht. Die Studie basiert auf bundesweiten Daten der deutschen Krebsregister und wurde von Forschenden der Universitätsmedizin Mainz gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Krebsregister durchgeführt. Erstmals konnte anhand bevölkerungsbezogener Krebsregisterdaten untersucht werden, wie sich die Einführung des kombinierten Screenings auf die Erkrankungshäufigkeit dieser Tumorform auswirkt. Schwieriger zu erkennen als andere Formen des Gebärmutterhalskrebses Adenokarzinome machen etwa ein Fünftel aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen aus. Im Gegensatz zu den häufigeren Plattenepithelkarzinomen konnten ihre Erkrankungszahlen durch das bisherige zytologische Screening über viele Jahre kaum gesenkt werden. Als Ursache gilt unter anderem, dass Vorstufen dieser Tumoren mit der alleinigen zytologischen Untersuchung schwieriger zu erkennen sind. Mit der Einführung des organisierten Früherkennungsprogramms erhalten Frauen ab 35 Jahren deshalb alle drei Jahre eine kombinierte Untersuchung aus HPV-Test und zytologischer Untersuchung (Co-Testing). Ziel ist es, Vorstufen frühzeitig zu erkennen und die Entstehung invasiver Tumoren zu verhindern. Mehr erkannte Vorstufen – erste Hinweise auf weniger invasive Erkrankungen Für die Analyse wurden bundesweit die Daten von 4.128 Frauen mit einem Adenocarcinoma in situ (ACIS), einer gut behandelbaren Vorstufe des Adenokarzinoms, sowie 6.244 Frauen mit invasivem Adenokarzinom ausgewertet, die zwischen 2016 und 2022 diagnostiziert wurden. Besonders deutlich zeigte sich der Effekt in der Zielgruppe des kombinierten Screenings: Bei Frauen zwischen 35 und 64 Jahren stieg die Zahl diagnostizierter ACIS nach Einführung des Programms deutlich an. Gleichzeitig beobachteten die Forschenden ab 2021 einen Rückgang invasiver Adenokarzinome. Auch bei Frauen ab 65 Jahren wurden mehr Vorstufen diagnostiziert, während die Zahl invasiver Erkrankungen leicht zurückging. Inzidenzraten invasiver Adenokarzinome des Gebärmutterhalses in Deutschland in drei Altersgruppen, 2016–2022. Copyright: Deutsche Krebsregister; Daten nach Schwab et al., Deutsches Ärzteblatt International 2026. Bei Frauen unter 35 Jahren, für die weiterhin die jährliche zytologische Früherkennung empfohlen wird, war ebenfalls ein Rückgang invasiver Adenokarzinome zu beobachten. Die Autorinnen und Autoren diskutieren hierfür unter anderem mögliche Effekte der HPV-Impfung. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das kombinierte Screening die Früherkennung von Vorstufen glandulärer Tumoren verbessern kann. Gleichzeitig sehen wir erste Hinweise darauf, dass sich dies auch in einem Rückgang invasiver Adenokarzinome niederschlägt“, sagt PD Dr. Roxana Schwab, Erstautorin der Studie und Oberärztin an der Universitätsmedizin Mainz. „Um diese Entwicklungen langfristig beurteilen zu können, sind weitere Beobachtungsjahre erforderlich.“ Krebsregister ermöglichen die Evaluation von Krebsfrüherkennung Die Studie unterstreicht zugleich die Bedeutung der deutschen Krebsregister für die Evaluation von Krebsfrüherkennungsprogrammen. Durch die flächendeckende Erfassung von Krebserkrankungen können Veränderungen der Erkrankungshäufigkeit über viele Jahre beobachtet und gesundheitspolitische Maßnahmen wissenschaftlich bewertet werden. „Die deutschen Krebsregister liefern eine einzigartige Datengrundlage, um die Wirkung von Präventions- und Früherkennungsmaßnahmen in der Bevölkerung zu untersuchen“, sagt Prof. Alexander Katalinic, Zweiter Vorsitzender des Deutschen Krebsregister und Leiter des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck. „Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, welchen Beitrag registerbasierte Forschung für die Weiterentwicklung der Krebsprävention leisten kann.“ Da das organisierte Screening erst 2020 eingeführt wurde, lässt sich seine langfristige Wirkung noch nicht abschließend beurteilen. Die Autorinnen und Autoren betonen daher die Notwendigkeit weiterer Auswertungen der Krebsregisterdaten in den kommenden Jahren.
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