Übergewicht in der Kindheit erhöht Wahrscheinlichkeit für Kinderlosigkeit im Erwachsenenalter20. August 2026 Bildquelle: miss irine/stock.adobe.com Eine Untersuchung an fast 61.000 Frauen aus Dänemark deutet darauf hin, dass ein höherer BMI im Kindesalter mit einem höheren Risiko für Kinderlosigkeit im Erwachsenenalter assoziiert ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Kindheit eine kritische Phase für die Etablierung der reproduktiven Kapazität darstellt. Die im Fachjournal „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie zeigt, dass Frauen, deren Body-Mass-Index (BMI) zwischen dem 6. und 15. Lebensjahr in Richtung Übergewicht oder Adipositas tendierte, seltener Kinder bekamen als Frauen mit einem normalen Gewichtsverlauf. Dieser Effekt war bereits ab einem Alter von Mitte 20 deutlich erkennbar. „Wenn Frauen ihre 30er Jahre erreichen – ein Alter, in dem viele versuchen, schwanger zu werden und Fruchtbarkeitsprobleme oft offensichtlich werden –, könnten die Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit bereits manifestiert sein“, erläutert Erstautorin Dr. Dorthe C. Pedersen vom Universitätsklinikum Kopenhagen. Kinderlosigkeit in den meisten Fällen ungewollt In Westeuropa haben rund 20 Prozent der Frauen, die 1965 geboren wurden, keine Kinder. Schätzungen zufolge wollen etwa fünf Prozent der europäischen Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren keine Kinder bekommen. Demnach ist die Kinderlosigkeit der meisten Frauen ungewollt. Dass ein höherer BMI die reproduktive Kapazität von Frauen maßgeblich beeinflussen kann, ist hinreichend bekannt. Inwiefern jedoch bereits ein zu hoher BMI im Kindesalter zur Unfruchtbarkeit beiträgt, wurde bislang kaum untersucht. Das Forschungsteam um Pedersen analysierte deshalb die Daten von 60.864 dänischen Frauen, die zwischen 1950 und 1989 geboren wurden und in Kopenhagen zur Schule gegangen waren. Alle Frauen waren im Alter von sechs bis 15 Jahren bei jährlichen Schuluntersuchungen gemessen und gewogen worden. Anhand dieser Daten gruppierten die Forschenden die Frauen in fünf verschiedene BMI-Verlaufskategorien: unterdurchschnittlich (13.460; 22 %) durchschnittlich (22.608; 37 %) überdurchschnittlich (15431; 25 %) übergewichtig (7060; 12 %) fettleibig (2305; 4 %) Langfristige Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit? Mithilfe des dänischen Geburtenregisters identifizierten die Forschenden anschließend, dass 78 Prozent (47.669) dieser Frauen Kinder zur Welt brachten; umgekehrt blieben 22 Prozent der Frauen kinderlos. Nach einer Bereinigung für verschiedene Einflussfaktoren, ergab die Analyse, dass Frauen mit einem übergewichtigen oder adipösen BMI-Verlauf im Kindesalter dabei mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit kinderlos blieben. So hatten Frauen mit adipösem Kindheits-BMI im Alter zwischen 30 und 34 Jahren eine um 42 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu gebären, als Frauen mit durchschnittlichem Kindheits-BMI. Bei Frauen mit Übergewicht lag diese Wahrscheinlichkeit in derselben Altersgruppe um 26 Prozent niedriger. Laut Pedersen ist das zunehmende Alter zwar ein wesentlicher Faktor für Kinderlosigkeit – wobei das Hinauszögern der Elternschaft eine bedeutende Rolle spielt –, doch scheinen Übergewicht und Adipositas dieses Risiko über physiologische und soziale Mechanismen weiter zu erhöhen. Dazu zählen beispielsweise eine verminderte Eizellqualität oder hormonelle Störungen. „Umso beunruhigender ist es, dass derzeit etwa jedes dritte Schulmädchen in Europa übergewichtig oder fettleibig ist“, betont Pedersen. Prävention muss frühzeitig ansetzen „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die reproduktive Gesundheit viel früher unter Druck gerät, als bislang angenommen. Wir müssen Unfruchtbarkeit als eine kumulative physische und soziale Erfahrung betrachten, deren Ursprung viele Jahre vor dem eigentlichen Kinderwunsch liegen kann“, ergänzt Dr. Jennifer Baker, Seniorautorin und designierte Präsidentin der European Association for the Study of Obesity (EASO). Die Autor:innen räumen ein, dass es sich bei den Ergebnissen lediglich um Assoziationen handelt und keinen kausalen Nachweis zwischen dem BMI-Verlauf in der Kindheit und Kinderlosigkeit. So müsse zusätzlich der BMI im Erwachsenenalter analysiert werden, um die Bedeutung von Übergewicht und Adipositas bei der Realisierung eines Kinderwunsches zu verstehen. Auch ist unklar, ob sich die Ergebnisse über weiße Bevölkerungsgruppen hinaus und auf jüngere Kohorten übertragen lassen, denen neuere Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen. (mkl/BIERMANN) Das könnte Sie auch interessieren: Neue S3-Leitlinie schließt Versorgungslücke bei Adipositas im Jugendalter Zusammenhang zwischen Übergewicht bei Eltern und Kindern ist vor allem genetisch bedingt
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