Gedächtniszellen in der Mundschleimhaut schützen vor Viren23. Juni 2026 Foto: Alessandro Grandini/stock.adobe.com Die Mundschleimhaut ist mehr als eine mechanische Barriere: Lokale Immunzellen sichern langfristig die Abwehrbereitschaft gegen Viren, wie eine aktuelle Studie zeigen konnte. Die Mundschleimhaut ist ein wichtiger Kontaktpunkt für Viren. Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien hat nun gezeigt, dass dort spezialisierte Gedächtniszellen des Immunsystems erhalten bleiben und von benachbarten Zellen unterstützt werden. Diese lokalen Zellnetzwerke könnten eine wichtige Rolle für den langfristigen Schutz vor erneuten Infektionen spielen. Die Ergebnisse wurden aktuell im Journal „Mucosal Immunology“ veröffentlicht. Entscheidend für die Immunabwehr gegen Viren und andere Pathogene sind nicht nur Antikörper im Blut, sondern auch Immunzellen direkt vor Ort – in diesem Fall in der Mundschleimhaut. Eine zentrale Rolle spielen Gewebe-residente Gedächtnis-T-Zellen. Nachweis virusspezifische Gedächtnis-T-Zellen in der Mundschleimhaut Das Team von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien untersuchte Blut- und Mundschleimhautproben von gesunden Personen, die kurz zuvor eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten. Mithilfe moderner Einzelzellanalysen und räumlicher Untersuchungen wurde sichtbar, welche Immunzellen in der Mundschleimhaut vorhanden sind und mit welchen Nachbarzellen sie in Kontakt stehen. Die Studie zeigt: Vor allem bei T-Zellen, die mit SARS-CoV-2 und dem Epstein-Barr-Virus in Verbindung gebracht wurden, fanden sich viele Gedächtniszellen direkt in der Mundschleimhaut. Diese Zellen lagen nicht zufällig im Gewebe, sondern standen in enger räumlicher Beziehung zu Fibroblasten und dendritischen Zellen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Mundschleimhaut nicht nur eine mechanische Barriere ist. Sie ist auch ein aktiver Immunraum, in dem Gedächtniszellen langfristig erhalten werden können“, sagt Studienautor Florian Winkler von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien. Nachbarzellen liefern wichtige Signale Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass die Nachbarzellen den Gedächtnis-T-Zellen wichtige Signale liefern. Diese könnten dazu beitragen, dass die Zellen im Gewebe bleiben und dort funktionsfähig bleiben. Das ist besonders relevant, weil solche Zellen bei einer erneuten Infektion rasch reagieren könnten. „Für künftige Impfstrategien ist es wichtig zu verstehen, wie stabile Immunität direkt an Schleimhäuten entsteht. Unsere Studie liefert dafür neue Hinweise am Beispiel der Mundschleimhaut“, sagt Studienleiterin Johanna Strobl von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien. Das Autorenteam weist darauf hin, dass die Studie mit einer kleinen Zahl an Personen durchgeführt wurde. Weitere Untersuchungen sind daher notwendig, um die beschriebenen Mechanismen zu bestätigen. Die Ergebnisse liefern dennoch wichtige Einblicke in die Frage, wie langfristige Immunabwehr an Eintrittsstellen von Viren aufgebaut und erhalten werden kann.
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