Gefährlich: Hantaviren programmieren gesunde Zellen für sich um7. August 2025 In Deutschland werden Hantaviren zumeist von Rötelmäusen übertragen. (Symbolbild) Foto: © Bernd Wolter – stock.adobe.com Hantaviren breiten sich aus – doch Therapien fehlen. Forschende der Universitäten Duisburg-Essen und Potsdam wollen im Zuge eines DFG-Forschungsprojekts entschlüsseln, wie diese gefährlichen Viren Zellen kapern, um sich zu vermehren. Dabei rücken Veränderungen am zellulären Stützgerüst in den Fokus. Ziel ist, neue Schwachstellen des Virus zu enttarnen. Hantaviren rücken verstärkt in den Fokus der Medizinforschung: Die Erreger gelten als gefährlich und breiten sich in Teilen Deutschlands zunehmend aus. Es gibt aber bislang weder Impfstoffe noch antivirale Therapien gegen eine Infektion durch Hantaviren. Ein neues, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt soll nun Wissenslücken schließen. Dafür kooperieren Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Instituts für Biologie und Biochemie der Universität Potsdam. Die DFG unterstützt das Vorhaben mit 434.775 Euro, davon fließen 242.475 Euro an den Forschungsstandort Essen.Einige Hantavirus-Varianten gelten als besonders aggressiv. Sie lösen grippeähnliche Symptome aus bis hin zu schweren Nieren- oder Lungenproblemen. Hantaviren werden durch Nagetiere, vor allem Mäuse, auf den Menschen übertragen. Eine Infektion erfolgt meist über das Einatmen von Staub, der mit Ausscheidungen infizierter Tiere verunreinigt ist.Hantaviren zählen zu den „Emerging Viruses“, die erhebliches Potential besitzen, große und gefährliche Ausbrüche auszulösen. „Diese Viren und ihr Verhalten sind weiterhin noch zu wenig erforscht“, sagt Dr. Roland Schwarzer vom Institut für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen am Universitätsklinikum Essen. „Und das Problem wird in Zukunft noch kritischer, weil sich in den vergangen Jahren einige renommierte Hantavirus-Fachleute in den Ruhestand zurückgezogen haben.“Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Salvatore Chiantia von der Universität Potsdam untersucht das Essener Team um Dr. Roland Schwarzer und Dr. Hannah Schwarzer-Sperber, wie Hantaviren gesunde Zellen reprogrammieren, um sich darin zu vermehren. „Die Viren verändern gezielt das Zytoskelett – eine Art Stützgerüst der Zelle. Das möchten wir besser verstehen, um neue Schwachstellen des Virus‘ zu entdecken“, sagt Dr. Schwarzer. Ziel ist, Angriffspunkte für künftige Therapien zu identifizieren. Das Essener Forschungsteam (v. l. n. r.): Dr. Roland Schwarzer, Dr. Hannah S. Schwarzer-Sperber und Doktorandin Tina Dluzak von der Arbeitsgruppe Schwarzer des Instituts für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen. Foto: © Dr. Roland Schwarzer Verstärkung erhält das Essener Team seit Mai 2025 durch Nachwuchsforscherin Tina Dluzak, die projektbegleitend ihre Doktorarbeit schreibt. Sie widmet sich den zellulären Mechanismen, die eine Hantavirus-Infektion ermöglichen – und sie hofft, durch neue wissenschaftliche Impulse zur Entwicklung besserer Behandlungsstrategien beitragen zu können.
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