Genetischer Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck3. März 2026 Forschende haben einen genetischen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck aufgedeckt. Symbolbild: Lensburg/peopleimages.com/stock.adobe.com Zwischen Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck besteht offenbar ein genetischer Zusammenhang, wie eine neue Studie zeigt. Dennoch liegen den Komorbiditäten keine einheitlichen Mechanismen zugrunde. Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck treten häufig gemeinsam auf. Die Ergebnisse einer groß angelegten Studie der Universitäten in Surrey (Großbritannien) und Lille (Frankreich) zeigen nun, dass es tatsächlich eine genetische Verbindung zwischen den beiden Erkrankungen gibt. Das Verständnis dieses genetischen Zusammenhangs könnte langfristig eine frühere Identifizierung von Risikopatient:innen ermöglichen und zu personalisierteren Ansätzen in Prävention und Behandlung führen. „Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck werden üblicherweise als Teil desselben allgemeinen Gesundheitsrisikos betrachtet. Wir haben jedoch herausgefunden, dass sie sich aus verschiedenen biologischen Gründen gemeinsam entwickeln können. Und dass manche Menschen genetische Faktoren tragen, die ihr Risiko für beide Erkrankungen erhöhen“, erklärt Studienleiterin Prof. Inga Prokopenko von der Universität Surrey. Mechanistische Unterschiede trotz genetischer Gemeinsamkeit Das Team analysierte mehr als 1.300 genetische Varianten, die mit Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck in Verbindung stehen. Dabei identifizierten sie vier Cluster von DNA-Varianten, die mit dem metabolischen Syndrom, einer eingeschränkten Funktion der Betazellen, einer höheren allgemeinen Adipositas sowie Gefäßfunktionsstörungen zusammenhängen. Ein weiteres Cluster zeigte ein inverses Muster des Diabetes- und Blutdruckrisikos. Auf Grundlage der Cluster entwickelten die Forschenden differenzierte polygene Risikoscores (partitioned polygenic scores). Diese wendeten sie anschließend auf Daten von mehr als 450.000 Teilnehmenden der UK Biobank an und fanden heraus: Personen mit hohen Scores in Bezug auf Gene des metabolischen Syndroms und eine reduzierte Betazellfunktion weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck auf. Dieses Komorbiditätsrisiko könne bereits bei der Erstdiagnose von Diabetes oder Bluthochdruck erkannt werden, sind sich die Forschenden sicher. Das würde eine frühe und individuellere Behandlung ermöglichen. Potenzial für frühe Identifikation von Risikopatient:innen Kardiometabolische Komorbiditäten müssten demnach als mechanistisch heterogen betrachtet werden, so die Autoren. Die Genetik könne dabei helfen, diese Komplexität zu entschlüsseln. Denn die aktuelle Arbeit zeige, dass Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes zwar eine gemeinsame genetische Architektur aufweisen, die gemeinsame Komponente aber nicht einheitlich sei. Ein differenzierter Ansatz wie die neuen Risikoscores könnten bestehende klinische Instrumente ergänzen, um eine frühzeitige Risikostratifizierung und verbesserte Prävention und Behandlung zu ermöglichen. „Im Gegensatz zu vielen klinischen Risikofaktoren, die sich mit dem Alter oder dem Lebensstil verändern, ist das genetische Risiko erblich und bleibt lebenslang stabil. Genetische Informationen könnten in präzisionsmedizinische Ansätze integriert werden und Ärzt:innen bei der Erstdiagnose von Diabetes oder Bluthochdruck helfen, zukünftige Komorbiditäten vorherzusehen und die Überwachung entsprechend anzupassen“, kommentiert Erstautor Dr. Vincent Pascat von der Universität Lille die Ergebnisse. (mkl/BIERMANN)
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