Gerhard-Domagk-Preis 2018 für die leichtere Klassifizierung von Hirntumoren

Der Neuropathologe Prof. David Capper von der Berliner Charité ist der diesjährige Träger des Domagk-Preises (Foto: FZ/S. Marschalkowski)

Für seine Forschung zur Klassifikation von Hirntumoren hat der Neuropathologe Prof. David Capper von der Berliner Charité den mit 10.000 Euro dotierten Forschungspreis der Gerhard-Domagk-Stiftung und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) erhalten.

Bisher werden anhand von Gewebemerkmalen ungefähr 100 Arten von ZNS-Tumoren unterschieden. In Zusammenarbeit mit Kollegen des Deutschen Krebsforschungsinstituts (DKFZ), des Kindertumorzentrums (KiTZ) und der Neuropathologie am Universitätsklinikum Heidelberg hat Prof. David Capper ein computerbasiertes Diagnoseverfahren entwickelt, durch das sich Hirntumoren auf molekularer Ebene unterscheiden lassen.

Dabei analysieren die Forscher die DNA-Methylierung der Tumoren, anhand derer sich molekulare Profile der Tumoren erstellen lassen. Diese Profile wurden mit 2800 bereits klassifizierten Profilen anderer Referenzproben verglichen. Durch einen von den Forschern entwickelten Algorithmus lassen sich nun 82 Arten von ZNS-Tumoren anhand ihrer Methylierungsmuster bestimmen. Besonders hilfreich ist das Verfahren bei Hirntumoren, die durch die bloße Betrachtung durch das Mikroskop nicht zu unterscheiden sind.

Ihre Ergebnisse zur DNA-methylierungsbasierten Klassifikation von Hirntumoren veröffentlichte die von Capper geleitete Arbeitsgruppe im Frühjahr 2018 im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Um einen breiten Einsatz des Verfahrens zu ermöglichen, entwickelte das Forschungsteam zudem eine kostenlose Website, auf der sowohl der Algorithmus als auch die 2800 Referenzprofile zur Verfügung stehen (www.molecularneuropathology.org).

Die Vorsitzende der Domagk-Stiftung und Direktorin des münsterschen Gerhard-Domagk-Instituts für Pathologie, Prof. Eva Wardelmann, würdigte Cappers Leistung bei der Preisübergabe als „bahnbrechend“: „Möglicherweise werden diese Ergebnisse künftig auch die Einteilung der Tumoren im restlichen Körper außerhalb des Gehirns beeinflussen oder sogar leiten“.

Capper erhielt 2017 die Professur für Molekulare Neuropathologie an der Charité und leitet zudem die Arbeitsgruppe Molekulare Neuropathologie am Berliner Standort des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK). Vor seiner Berufung nach Berlin war der heute 39-jährige Oberarzt für Neuropathologie am Universitätsklinikum Heidelberg sowie Mitarbeiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuropathologie des DKFZ tätig. Sein Medizinstudium absolvierte der gebürtige Stuttgarter an der Universität Tübingen, wo er auch promoviert wurde.