Gespenster-Szenario Bürgerversicherung

Zu der erneut aufgekommenen Diskussion um die “Bürgerversicherung” meldet sich jetzt auch die nordrheinische Uro-GmbH zu Wort. Für die urologische Managementgesellschaft handelt es sich um eine “Gespensterdebatte”, bei der die Private Krankenversicherung (PKV) zu Unrecht für Probleme der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verantwortlich gemacht werde.

Der ärztliche Geschäftsführer der Uro-GmbH, Dr. Michael Stephan-Odenthal, findet deutliche Worte: “Die Unterstellung, dass die zehn Prozent PKV-Versicherten in Deutschland für die angebliche Misere der 90 Prozent GKV-Versicherten verantwortlich sind, weil geldgierige deutsche Fachärzte sich nur den PKV-Patienten zuwenden, ekelt uns mittlerweile an.“ Das Honorargefälle zwischen PKV und GKV sei Folge einer seit über 20 Jahren andauernden Budgetierung und “Auspressung der ärztlichen Leistung” im GKV-Bereich.

Stephan-Odenthal erinnert daran, dass die Bürgerversicherung im Wahlkampf “nur noch bei der Linkspartei und bei Herrn Prof. Lauterbach” eine Rolle gespielt hätte. „Nun aber nutzen Gesundheitspolitiker und Kassenvertreter die Gelegenheit, über diese Pseudogerechtigkeitsdebatte vor allem die niedergelassenen Ärzte in die Zange zu nehmen.“ Anders kann laut Stephan-Odenthal der Vorstoß, die Versorgungsplanung der Selbstverwaltung aus der Hand zu nehmen und die Sätze für die ärztliche Vergütung für PKV- und GKV-Patienten zu vereinheitlichen, nicht verstanden werden. Suggeriert werde das alte Vorurteil, dass GKV-Patienten gegenüber den privat versicherten unterversorgt seien. Dies habe aber bisher keine wissenschaftliche Erhebung und keine kassenunabhängige Auswertung bestätigen können. “Vielmehr zeigen internationale Studien, wie die der OECD, eine sehr gute Versorgung der gesamten Bevölkerung in Deutschland. Sie stellen sogar den ungehinderten Zugang zum Facharzt in Deutschland als besonders positiv heraus”, gibt die Uro-GmbH zu bedenken.

Wenn die Gesundheitsversorgung in den Händen der Krankenkassen läge …

In ihrer akuellen Mitteilung spielt die Uro-GmbH durch, was passieren würde, wenn die Gesundheitsversorgung in die Hände der Krankenkasse gegeben würde. Tatsächlich würde nämlich in der Diskussion verschwiegen, dass nicht die Krankenkassen die Betriebskosten des Gesundheitswesens trügen, sondern die Krankenhausträger und niedergelassenen Ärzte. “Sie bezahlen die Raum- und Personalkosten zur Versorgung der Patienten, tragen die Kostensteigerungen in allen Bereichen und tätigen schließlich Investitionen, die am Ende allen Patienten zugute kommen”, ist die Managementgesellschaft überzeugt. „Die logische Konsequenz einer pseudogerechten Bürgerversicherung wäre es, dass in Zukunft die Kassen die Versorgung in Deutschland übernehmen“, meint der Geschäftsführer. „Dann können die Kassen den Ärzten ein einheitliches Honorar zahlen und bestimmen, wo versorgt werden soll.“ Im Gegenzug müssten sie alle tatsächlichen Betriebskosten und alle Mitarbeiter bezahlen sowie zudem noch alle Investitionen selber tätigen. Außerdem hätten dann alle Ärzte einen Anspruch auf geregelte Arbeitszeiten nach dem Arbeitszeitschutzgesetz, Anspruch auf Krankheitsausfall und Streikrecht, erinnert die Uro-GmbH. “In letzter Konsequenz müssten die Kassen dann die Sicherstellung der Versorgung in Deutschland gewährleisten. Das wären dann allerdings Gespenster für die Kassen, die sie selbst gerufen haben.” Die Konsequenzen wären – damit stimmt die Prognose der Uro-GmbH mit den Bewertungen der Ärzteverbände überein – “erst recht (…) Wartezeiten und Verknappung der medizinischen Leistungen. Wer es sich leisten kann, wird dann in einem zweiten florierenden Gesundheitsmarkt die Verknappung umgehen und über Zusatzversicherungen oder Erspartes private Leistungen in Anspruch nehmen. Dann hätten wir wahrhaft eine Zwei-Klassen-Medizin“, so Stephan-Odenthal.

(ms)

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