Prostatakrebs: Wiener Urologie prüft neue Technik zur Teilentfernung der Prostata3. Juni 2026 Das Wiener Expertenteam: Nicolai Hübner, Mesut Remzi, Christian Seitz, Mani Menon, Shahrokh Shariat, Wooju Jeong (v.l.). Foto: slk_photo.at/Sebastian Kreuzberger Bei einem neuartigen chirurgischen Ansatz bei Prostatakrebs wird nur ein Teil der Prostata roboterassistiert entfernt. Die Universitätsklinik für Urologie von MedUni Wien und AKH Wien (Österreich) wendet als erstes Zentrum in Europa die neue Technik an. Im Rahmen einer Studie führen die Wiener Urologen bei ausgewählten Patienten das neue Verfahren zur gezielten Tumorentfernung durch. Ziele sind dabei laut einer aktuellen Mitteilung der Klinik neben Tumorkontrolle und onkologischer Sicherheit insbesondere der Erhalt der Kontinenz, der sexuellen Funktion und der Lebensqualität. Möglich wurde dieser Ansatz durch mehrere Fortschritte der vergangenen Jahre: Prostatakrebs wird heute häufiger früher erkannt. Moderne anatomische und funktionelle Bildgebung erlaubt eine wesentlich präzisere Darstellung von Lage und Ausdehnung des Tumors. Eine verbesserte molekulare und klinische Risikostratifizierung soll den Wiener Urologen helfen, jene Patienten zu identifizieren, bei denen ein funktionserhaltendes Vorgehen onkologisch sinnvoll und sicher vertretbar wäre. Was früher technisch und konzeptionell kaum möglich war, könne heute bei sorgfältig ausgewählten Patienten geprüft und umgesetzt werden, erklärt die Wiener Uniklinik. „Wir erleben hier einen echten Wandel in der Prostatakrebschirurgie. Über Jahrzehnte hinweg war die radikale Entfernung der gesamten Prostata der Standard. Mit der neuen Präzisionsoperation können wir bei sorgfältig ausgewählten Patienten einen anderen Weg gehen: Wir behandeln den Tumor mit einem Sicherheitsrand und versuchen gleichzeitig, möglichst viel gesundes Gewebe und möglichst viele Funktionen zu erhalten. Das ist patientenzentrierte Krebschirurgie“, sagt Shahrokh F. Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie sowie des Comprehensive Cancer Centers von MedUni Wien und AKH Wien. Mesut Remzi, stellvertretender Klinikleiter in Wien, ergänzt: „Dieses Verfahren steht für eine neue chirurgische Präzision. Entscheidend sind die sehr sorgfältige Auswahl geeigneter Patienten, die exakte präoperative Bildgebung und die technisch hochpräzise robotisch unterstützte Umsetzung im Operationssaal.“ Entwicklung wie bei Brustkrebs Die neue präzise, prostataerhaltende Operation bei Prostatakrebs folgt einem Paradigmenwechsel, der bereits aus der Brustkrebstherapie bekannt ist: weg von maximaler Radikalität hin zu gezielten, funktionserhaltenden Eingriffen. Vergleichbar ist dies mit der Entwicklung von der vollständigen Brustentfernung (radikale Mastektomie) zur sogenannten Lumpektomie, bei der nur der Tumor mit einem Sicherheitsrand entfernt wird und die Brust erhalten bleibt. „Bei Brustkrebs hat sich die Behandlung von der radikalen Mastektomie über die Mastektomie hin zur Lumpektomie entwickelt. Genau das tun wir jetzt mit der Prostata“, erklärt Shariat. Die der Methode zugrunde liegende Technik wurde in New York (USA) entwickelt. Ein spezialisiertes Team um Shariat, Remzi, Christian Seitz und Nicolas Hübner wendet das neue Vorgehen jetzt an der Wiener Universitätsklinik für Urologie an und entwickelt es weiter. Zur Unterstützung bei der Implementierung dieses Ansatzes besucht ein spezialisiertes Team aus New York unter der Leitung von Mani Menon die Wiener Klinik. Gemeinsam wollen die Experten die Einführung der Methode wissenschaftlich evaluieren. (ms/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Roboterassistierte radikale Prostatektomie bei ausgewählten älteren Patienten nicht mit höherem Inkontinenzrisiko verbunden AUA und ASTRO präsentieren aktualisierte Leitlinie zu lokalisiertem Prostatakrebs
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