Neuer Ansatz für personalisierte Therapie nach Nierentransplantation15. Juli 2026 Foto: © gpointstudio/stock.adobe.com Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der MedUni Wien (Österreich) hat erstmals einen blutbasierten Biomarker zur individuellen Steuerung der Therapie bei Antikörper-vermittelter Abstoßungsreaktion nach Nierentransplantation eingesetzt [1]. Antikörper-vermittelte Abstoßungsreaktionen zählen zu den wichtigsten Ursachen für den Funktionsverlust transplantierter Nieren, erklären die Wissenschaftler. Bisher erfolgt die Beurteilung der Krankheitsaktivität vor allem mittels Gewebeentnahme aus dem Organ. Der Biomarker dd-cfDNA (donor-derived cell-free DNA) könnte einen neuen und deutlich weniger invasiven Ansatz bieten: Dabei werden DNA-Fragmente gemessen, die aus dem transplantierten Organ stammen und bei Schädigungen vermehrt ins Blut freigesetzt werden. Erhöhte Werte können daher auf eine aktive Abstoßungsreaktion hinweisen, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Die nun vorgelegte Studie knüpft an eine zuvor veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Phase-2-Studie [2] zur Wirksamkeit und Sicherheit des CD38-Antikörpers Felzartamab an. Nachdem sich gezeigt hatte, dass die Abstoßungsaktivität nach Ende der Behandlung mit diesem Wirkstoff häufig wieder zunimmt, untersuchte das Forschungsteam, ob eine längere Therapie und eine Steuerung der Behandlung anhand von dd-cfDNA-Werten zielführend sind. Die neuen Forschungsergebnisse sind im Fachmagazin „The Lancet Regional Health – Europe“ publiziert. Unterschiedlicher Behandlungsbedarf Dazu beobachteten die Forscher elf Patienten mit anhaltender oder wiederkehrender Abstoßungsreaktion über zwölf Monate. Nach einer sechsmonatigen Behandlungsphase mit festem Schema erfolgte die Therapie für weitere sechs Monate individuell anhand monatlicher dd-cfDNA-Messungen. Zusätzliche Felzartamab-Gaben verabreichten die Wissenschaftler nur dann, wenn die Blutwerte bestimmte Schwellen überschritten und damit auf eine erneute Schädigung des Transplantats hindeuteten. Die gemessenen dd-cfDNA-Werte reagierten sensibel auf die Behandlung. Nach der Verabreichung von Felzartamab gingen sie typischerweise zurück und blieben bei vielen Patienten niedrig. Während der biomarkergesteuerten Phase erhielten manche Teilnehmern lediglich zwei zusätzliche Infusionen innerhalb von sechs Monaten, wobei sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Patienten zeigten. Dies deutet laut den Autoren darauf hin, dass der Behandlungsbedarf individuell sehr unterschiedlich sein kann. Gleichzeitig nahm die Entzündung kleiner Blutgefäße im Transplantat, ein wichtiger Marker für Antikörper-vermittelte Abstoßung, deutlich ab. Nach 52 Wochen zeigten sieben von elf Patienten keine entsprechende Entzündungsaktivität mehr. Auch molekulare Analysen des Transplantatgewebes wiesen auf eine deutliche Abnahme der Krankheitsaktivität hin. Die Nierenfunktion blieb während des gesamten Beobachtungszeitraums stabil. Weitere Studien nötig „Unsere Ergebnisse stützen die Annahme, dass Antikörper-vermittelte Abstoßungsreaktionen häufig ein chronischer Prozess sind und von einer längerfristigen Behandlung profitieren könnten“, so Erstautorin Katharina Mayer. „Gleichzeitig zeigt unsere Studie erstmals, dass sich eine Therapie gegen Antikörper-vermittelte Abstoßungsreaktionen anhand eines Biomarkers individualisieren lässt. Die donor-derived cell-free DNA könnte künftig dabei helfen, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und Behandlungen gezielter einzusetzen“, ergänzt Studienleiter Georg A. Böhmig. Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse in größeren kontrollierten Studien bestätigt werden müssen. Die Daten liefern jedoch einen ersten Hinweis auf das Potenzial der donor-derived cell-free DNA für personalisierte Therapiestrategien nach Nierentransplantationen.
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