Gestillte Babys schlafen besser1. Juli 2026 Stillen fördert die Entwicklung einer gesunden Schlafdauer.(Foto: © WH_Pics – stock.adobe.com) Die Annahme, dass gestillte Babys weniger schlafen, weil Muttermild schneller verdaut wird, ist wet verbreitet. Nun deutet eine neue Studie darauf hin, dass Kinder, die in den ersten sechs Lebensmonaten Muttermilch erhalten, im Alter von einem Jahr seltener eine kurze Schlafdauer zeigen als ausschließlich mit Formulanahrung ernährte Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten aufgrund der zahlreichen nachgewiesenen Vorteile, darunter der Schutz vor Infektionen und die Förderung einer gesunden langfristigen Entwicklung. Dennoch ist unter Eltern und Betreuungspersonen nach wie vor die Auffassung verbreitet, dass gestillte Säuglinge weniger schlafen oder häufiger gefüttert werden müssen als mit Säuglingsnahrung ernährte Kinder. Eine kurze Schlafdauer im Säuglingsalter wurde wiederum mit Adipositas, Verhaltensauffälligkeiten und einer schlechteren kognitiven Leistungsfähigkeit im späteren Leben in Verbindung gebracht. Daher wird ausreichender Schlaf in dieser Phase als wichtig für eine gesunde körperliche und psychische Entwicklung angesehen. Um den Zusammenhang zwischen der Ernährung von Säuglingen und deren Schlaf besser zu verstehen, analysierten Yuri Nakagawa, Doktorandin an der Universität Toyama in Japan, und Kollegen Daten aus der landesweiten „Japan Environment and Children’s Study“ (JECS), einer großen Geburtskohortenstudie. Die Studie untersuchte 82.918 Mutter-Säuglings-Paare, um zu ermitteln, ob die Ernährungspraktiken während der ersten sechs Lebensmonate mit der Schlafdauer im Alter von einem Jahr in Zusammenhang standen. Mindestens elf Stunden Schlaf pro Tag für eine gesunde Entwicklung „Die WHO wirbt umfassend für das Stillen, und den meisten Menschen sind die vielfältigen gesundheitlichen Vorteile bewusst, die es mit sich bringt. Dennoch ist die Auffassung, dass gestillte Säuglinge weniger schlafen oder dass mit Säuglingsnahrung ernährte Säuglinge länger schlafen, nach wie vor weit verbreitet. Wir wollten fundierte Belege liefern, um dieses Missverständnis auszuräumen“, erklärt Nakagawa, die Erstautorin der Studie. Mithilfe von Fragebögen wurden die Mütter zunächst zu den Ernährungspraktiken befragt, die sie in den ersten sechs Monaten bei ihren Babys angewandt hatten. Auf Basis dieser Informationen teilten die Forschenden die Kinder in vier Gruppen ein: (1) Säuglinge, die ausschließlich mit Säuglingsnahrung ernährt wurden, (2) Säuglinge, die weniger als sechs Monate lang gestillt wurden, (3) Säuglinge, die während des gesamten Sechsmonatszeitraums gestillt wurden und gleichzeitig eine Zufütterung mit Säuglingsnahrung erhielten sowie (4) Säuglinge, die sechs Monate lang ausschließlich gestillt wurden. Als die Kinder ein Jahr alt wurden, füllten die Eltern einen weiteren Fragebogen zur Schlafdauer ihres Kindes aus. Kinder, die weniger als elf Stunden pro Tag schliefen, galten gemäß den Empfehlungen der US-amerikanischen National Sleep Foundation als unterversorgt mit Schlaf. Längere Stilldauer, mehr Schlaf Alle Gruppen, die Muttermilch erhielten, wiesen im Vergleich zu ausschließlich mit Säuglingsnahrung ernährten Säuglingen ein geringeres Risiko für Schlafmangel auf. Während bei Säuglingen, die in den ersten sechs Monaten ausschließlich Säuglingsnahrung erhielten, das Risiko für Schlafmangel bei 12,2 Prozent lag, betrug das Risiko bei Säuglingen, die weniger als sechs Monate gestillt wurden, nur 10,2 Prozent. Bei Säuglingen, die während des gesamten Zeitraums von sechs Monaten gestillt und zusätzlich mit Säuglingsnahrung ernährt wurden, sank das Risiko weiter auf 9,7 Prozent. Das geringste Risiko für unzureichenden Schlaf im Alter von einem Jahr wiesen Säuglinge auf, die in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillt wurden; hier lag das Risiko bei 8,8 Prozent. Nach Bereinigung um eine Vielzahl von mütterlichen, kindlichen und umweltbedingten Faktoren wiesen Säuglinge, die sechs Monate lang ausschließlich gestillt wurden, im Vergleich zu denen, die ausschließlich mit Säuglingsnahrung ernährt wurden, eine um 23 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für eine kurze Schlafdauer auf. Die Ergebnisse zeigten zudem einen graduellen Zusammenhang: Eine längere Stilldauer ging mit einer zunehmend geringeren Wahrscheinlichkeit für kurzen Schlaf einher. „Diese Studie widerlegt die weit verbreitete Annahme, dass gestillte Säuglinge weniger schlafen, weil Muttermilch schneller verdaut wird“, erklärt Nakagawa. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass solche Bedenken Eltern nicht davon abhalten sollten, das Stillen und seine vielen nachweislichen Vorteile in Betracht zu ziehen“, fügt sie hinzu. Zugrunde liegender Mechanismus noch unklar Die Forscher schlagen mehrere mögliche Erklärungen vor. Während die Nährstoffzusammensetzung von Säuglingsnahrung relativ konstant bleibt, passt sich die der Muttermilch den sich ändernden Bedürfnissen des Säuglings an. Um die innere Uhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus des Babys zu etablieren und zu regulieren, wird nachts Melatonin – ein Hormon, das das Einschlafen fördert und die Schlafqualität verbessert – in die Muttermilch ausgeschüttet. Da Neugeborene nur geringe Mengen an eigenem Melatonin produzieren, kann das aus der Muttermilch stammende Melatonin dazu beitragen, die Entwicklung gesunder Schlafrhythmen zu unterstützen. Darüber hinaus enthält Muttermilch Tryptophan, eine Aminosäure, die zur Produktion von Melatonin benötigt wird. Interessanterweise wurde festgestellt, dass die Tryptophan-Konzentrationen in der Muttermilch nachts ebenfalls höher sind. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit sehen die Forschenden in der Darm-Hirn-Achse. Es ist bekannt, dass Stillen die Entwicklung eines gesunden Darmmikrobioms beim Säugling positiv beeinflusst. Dies könnte ebenfalls zur Entwicklung gesunder Schlaf-Wach-Muster und einer guten Schlafqualität beitragen.
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