Gewalterfahrungen in Teenagerbeziehungen wirken sich langfristig negativ aus25. Mai 2023 Die erste Liebe – für viele Menschen eine prägende Erfahrung. Wird diese von Gewalt überschattet, hat dies langfristig negative Auswirkungen auf die Betroffenen. (Foto: © oneinchpunch – stock.adobe.com) Das Risiko, schon in der Jugend aktiv oder passiv Erfahrungen mit Gewalt in Beziehungen zu machen, ist hoch: rund 20 Prozent für körperliche und rund neun Prozent für sexuelle Gewalt. Eine systematische Review-Studie zeigt nun, dass Jugendliche, die Beziehungsgewalt erleben oder begehen, ein höheres Risiko tragen, über Ähnliches im Erwachsenenalter zu berichten. „Muss man schon als Jugendlicher Gewalt in der Partnerschaft erleben, kann dies ein Risikofaktor für ein breites Spektrum von Langzeitfolgen sein“, fasst Antonio Piolanti, Postdoc-Assistent an der Abteilung für Gesundheitspsychologie an der Universität Klagenfurt, die Ergebnisse zusammen. Für den Review-Beitrag in „Pediatrics“ zu den langfristigen Zusammenhängen zwischen Gewalterfahrungen in Teenagerbeziehungen und späteren Folgen haben Piolanti, Franziska Waller, Iason E. Schmid und Heather M. Foran 38 Artikel identifiziert und deren Charakteristika und Erkenntnisse einer systematischen Analyse unterzogen. Der überwiegende Teil der Studien wurde nach 2010 und in den USA durchgeführt. Die teilnehmenden Personen waren zwischen 13 und 18 Jahre alt und die Follow-up-Erhebungen reichen von einem Jahr bis zu 35 Jahren. Untersucht wurden vier Typen von Beziehungsgewalt: physische Gewalt, psychische bzw. emotionale Gewalt, sexuelle Gewalt und Cyber-Missbrauch. „Der Zusammenhang zwischen Gewalt in Teenagerbeziehungen und ähnlichen Erfahrungen im Erwachsenenalter war am deutlichsten erkennbar. Das deutet darauf hin, dass Gewalt in Beziehungen Teil eines Kontinuums sein kann, das schon früh beginnt“, erklärte Piolanti. Von den negativen Langzeitfolgen von Gewalt in Teenager-Beziehungen sind laut den Analysen Frauen stärker betroffen als Männer. Darüber hinaus zeigten sich einige Zusammenhänge zwischen früher Beziehungsgewalt und einem gesteigerten Risikoverhalten, wie Piolanti erklärt: „Wir sehen, dass die Mehrheit der Studien zum Ergebnis kommt, dass Gewalterfahrungen in Teenagerbeziehungen mit späterem Zigaretten-, Alkohol- und Marihuanakonsum einhergehen.“ Auffällig sei auch die Verbindung zu gesteigertem sexuellen Risikoverhalten, beispielsweise ungeschütztem Sex oder Geschlechtsverkehr unter Alkoholeinfluss. Auch Zusammenhänge mit einer schlechteren psychischen Verfassung lassen sich bei den von Gewalterfahrungen Berichtenden feststellen. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass die langfristigen Folgen von Gewalt in Teenagerbeziehungen gravierend sein können. Präventionsprogramme sind also sehr wichtig, zumal diese in anderen Untersuchungen schon unter Beweis stellen konnten, dass sie effizient wirken“, folgert Piolanti.
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