Gezüchteter Knorpel: Wann er eine schonende Alternative für ein Kunstgelenk ist30. August 2018 Foto: ©staras – Fotolia.com Endlich schmerzfrei: Für einige Rheumapatienten, ist dies nur mit einem Kunstgelenk zu erreichen. Zunehmend wird jedoch versucht, patienteneigene Knorpelzellen im Labor zu transplantierbarem Ersatzknorpel heranzuzüchten und so den Gelenkersatz hinauszuzögern oder zu umgehen. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass bei der Behandlung verschlissener Knie- oder Hüftgelenke das Kunstgelenk bislang das unangefochtene Mittel der Wahl ist. „Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 400.000 Endoprothesen eingesetzt“, sagt Prof. Kolja Gelse, Leitender Oberarzt in der Unfallchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Dem gegenüber stehen nur 1.700 registrierte Eingriffe, bei denen versucht wird, den Knorpel im Gelenk zu rekonstruieren. Der Grund hierfür ist, dass die seit der Jahrtausendwende etablierte Technik bislang nur dann als aussichtsreich gilt, wenn es um die Reparatur eng umgrenzter, von gesundem Knorpelgewebe umgebener Defekte geht. „Solche begrenzten Läsionen liegen bei chronisch-entzündlichen Krankheiten wie Rheuma meist nicht vor“, erläutert Gelse. Doch werde zunehmend versucht, das Anwendungsspektrum für die Knorpelreparatur auch auf solche degenerativen Schäden auszuweiten. Bei kleineren Läsionen seien in Studien auch schon gute Erfolge erzielt worden. Eine größere Herausforderung stellen großflächige degenerative Knorpeldefekte dar. „Derzeit wird in der Forschung und Wissenschaft intensiv daran gearbeitet, auch solche arthrotischen Läsionen mit Ersatzknorpel behandeln zu können“, sagt Gelse. Neue Techniken erlaubten es inzwischen, auch größere und dreidimensionale Knorpelkonstrukte in guter Qualität herzustellen. Allerdings weist der Experte auch auf einen Nachteil dieser Transplantate hin: Je stabiler und belastbarer sie sind – messbar an einem hohen Proteoglykangehalt –, desto weniger leicht verbinden sie sich mit dem umgebenden Knorpel und dem darunterliegenden Knochen. Wie sich auch solche Konstrukte gut verankern lassen, wird derzeit noch wissenschaftlich ausgelotet. Viel grundlegender ist allerdings das Problem, dass der neue Knorpel in dieselbe Umgebung verpflanzt wird, die den alten Knorpel zerstört hat. „Die zugrundeliegenden mechanischen und biologischen Faktoren müssen dringend berücksichtigt und mit therapiert werden“, betont Prof. Bernd Swoboda, Tagungspräsident seitens der DGORh und Chefarzt der Orthopädisch-Rheumatologische Abteilung in der Orthopädischen Universitätsklinik im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien, Erlangen. So müssten bei Bedarf etwa die Beinachse korrigiert und mögliche Schäden an Meniskus oder Bändern behoben werden. Außerdem sei es notwendig, entzündliche oder andere schädliche Prozesse therapeutisch zu unterdrücken. Denn ohne solche Anpassungen werde kein noch so guter Ersatzknorpel langfristig intakt bleiben.
Mehr erfahren zu: "Oberschenkelfraktur im Alter: Neue Leitlinie verbindet OP und Begleiterkrankungen" Oberschenkelfraktur im Alter: Neue Leitlinie verbindet OP und Begleiterkrankungen Die Behandlung von älteren Menschen mit einem hüftgelenknahen Oberschenkelbruch wird weiter verbessert. Grundlage dafür ist die neue S3-Leitlinie „Pertrochantäre Oberschenkelfrakturen“. Darauf hat die DGOU hingewiesen.
Mehr erfahren zu: "Die Vorbereitung auf den Ernstfall – eine „immense Herausforderung“" Die Vorbereitung auf den Ernstfall – eine „immense Herausforderung“ Das Thema „Katastrophen, Krisen, Krieg“ (3K) ist inzwischen die neue Normalität, die auch auf O&U-Kongressen abgebildet wird. In Baden-Baden wurde ein Rückblick, Update und Ausblick zur zivil-militärischen Zusammenarbeit geboten.
Mehr erfahren zu: "Weiterbildung in Deutschland und Österreich: „Gipfeltreffen“ auf dem VSOU-Kongress" Weiterbildung in Deutschland und Österreich: „Gipfeltreffen“ auf dem VSOU-Kongress In Deutschland wird zum Facharzt weitergebildet, in Österreich ausgebildet. Beides dauert 72 Monate. Wo die wichtigsten Gemeinsamkeiten, Unterschiede und jeweiligen Herausforderungen bei der Weiterbildung liegen, war Thema auf dem VSOU-Kongress.