Glaukom-Früherkennung: Tabletbasierte Multistimulus-Perimetrie zeigt hohe Genauigkeit

Patientin unterzieht sich einer Gesichtsfelduntersuchung am Perimetrie-Gerät.(Symbolbild.)Bild:©Rabizo Anatolii-stock.adobe.com

Eine aktuelle Studie aus Japan zeigt, dass ein tabletbasiertes Perimetriegerät das Potenzial hat, die Glaukomversorgung als praktisches Screening- und ergänzendes Beurteilungsinstrument zu unterstützen.

Diese Studie wurde zur Bewertung des „Multi-Stimulus Vision Tester for a single eye“ (MVT-s), eines tabletbasierten Perimetriegeräts zur Erkennung von glaukomatösen Gesichtsfeldausfällen, durchgeführt. Ihr Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachjournal „Graefe’s Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology“.

MVT-s verwendet ein Mehrpunkt-Stimulationsparadigma mit flackernden Reizen

In die Untersuchungen wurden 42 Augen von 42 Patienten mit Glaukom eingeschlossen. Auf Grundlage der mit dem imo-Perimeter gemessenen mittleren Abweichung (MD) teilten die Forschenden die Teilnehmer in drei Stadien ein. Das frühe Stadium umfasste zwölf Augen, das mittlere Stadium 19 und das fortgeschrittene Stadium elf. Der Gesamtmedian der MD lag bei -8,5 dB (IQR: -13,2 bis -5,2). Zusätzlich wurden 39 Augen von 39 normal-sehenden Personen als Kontrollgruppe einbezogen.

Alle Teilnehmer wurden mit dem MVT-s sowie mittels Standard-Autoperimetrie unter Verwendung des imo-Perimeters untersucht. Der MVT-s verwendete ein Mehrpunkt-Stimulationsparadigma mit flackernden Reizen, wobei bis zu drei Testpunkte gleichzeitig präsentiert wurden. Die Antworten der Teilnehmer wurden durch direktes Berühren der Reizpositionen auf dem Bildschirm erfasst. Der MVT-s-Test wurde bei jedem Teilnehmer dreimal am selben Tag durchgeführt.

MVT-s zeigt hohe diagnostische Genauigkeit und Reproduzierbarkeit bei glaukomatösen Gesichtfeldausfällen

Die Wissenschaftler bewerteten den Zusammenhang zwischen der Anzahl der vom MVT-s erkannten abnormalen Punkte sowie der mit dem imo ermittelten MD. Zudem beurteilten sie die diagnostische Genauigkeit anhand von Sensitivität und Spezifität. Darüber hinaus analysierten sie die Empfänger-Operations-Charakteristik-Kurve. Aber auch die kurzfristige Test-Retest-Reproduzierbarkeit unter Verwendung des Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICC) und die Untersuchungsdauer wurden von den Forschenden eingeschätzt.

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass die Anzahl der abnormalen Punkte mit zunehmendem Schweregrad der Erkrankung anstieg. Der Median betrug 7,5, 17,0 und 22,0 bei frühem, mittelschwerem und fortgeschrittenem Glaukom (p < 0,001). Außerdem korrelierte die Anzahl der abnormalen Punkte mit der MD (ρ = -0,84). Dabei war die Unterscheidungskraft hoch (AUC 0,93).

Bei Cutoff-Werten von ≥ 3, ≥ 4 und ≥ 5 auffälligen Punkten betrugen die Sensitivitäten 92,9, 92,9 sowie 90,5 Prozent. Die Spezifitäten lagen bei 79,5, 82,1 sowie 84,6 Prozent. Die Reproduzierbarkeit bei Wiederholungsuntersuchungen kann den Forschenden zufolge mit ICC-Werten von 0,95 insgesamt bewertet werden. Außerdem lag der ICC-Wert bei 0,82 bei normalen Augen und bei 0,93 bei Augen mit Glaukom. Somit kann die Reproduzierbarkeit den Forschenden zufolge als gut bewertet werden.

Das MVT-s zeigte eine hohe diagnostische Genauigkeit und Reproduzierbarkeit bei der Erkennung von glaukomatösen Gesichtsfeldausfällen bei relativ kurzer Untersuchungsdauer. Nach Meinung der Studienautoren birgt das tabletbasierte Perimetriegerät Potenzial als praktisches Screening- und ergänzendes Beurteilungsinstrument in der Glaukomversorgung.

(sas/BIERMANN)