Glaukom: Kälte kann den Augeninnendruck erhöhen16. Oktober 2026 Symbolbild einer Augeninnendruckmessung.Foto:© Prof. Krzizok/Augenpraxisklinik Esslingen Niedrigere Lufttemperaturen können mit einem Anstieg des Augeninnendrucks einhergehen und sollten bei der Behandlung von Patienten mit dieser Erkrankung berücksichtigt werden. Das legt eine neue Studie nahe. Die Ergebnisse der Untersuchung deuten zudem darauf hin, dass Menschen mit einem schwereren Glaukom anfälliger für die Auswirkungen der Umgebungstemperatur zu sein scheinen. Die Forschenden haben ihre Ergebnisse im Fachjournal „British Journal of Ophthalmology“ veröffentlicht. Bisherige Studien haben den möglichen Zusammenhang zwischen Augeninnendruck und klimatischen Faktoren in der Allgemeinbevölkerung untersucht. Unklar blieb jedoch, ob diese Faktoren den Augeninnendruck auch bei behandelten Menschen mit stabilem Glaukom beeinflussen. Daten von 77 Glaukom-Patienten über rund fünf Jahre analysiert Um dies herauszufinden, werteten die Forschenden Krankenakten von 77 Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom aus, die zwischen Januar 2012 und Dezember 2023 an einem Universitätsklinikum in Japan behandelt wurden. In die Studie wurden nur Patienten im Alter von über 40 Jahren einbezogen, die in ihrer Vorgeschichte keine Augenoperationen hatten. Gleichzeitig mussten die Patienten über mindestens drei Jahre drei oder mehr Kliniktermine pro Jahr wahrgenommen haben. Um die Auswirkungen etwaiger Behandlungsänderungen auszuschließen, durften sich die Therapie und Dosierung der Studienteilnehmer während des gesamten Studienzeitraums nicht verändern. Konkret mussten sie täglich ein bis vier Antiglaukom-Augentropfen in beide Augen angewendet haben, und zwar ohne jegliche Anpassung. Bei jedem Patienten wurden der Augeninnendruck, der Blutdruck und die Herzfrequenz gemessen. Zudem wurden Hornhautmessungen durchgeführt. Da eine dünne Hornhaut einen eigenständigen Risikofaktor für ein schnelleres Fortschreiten der Erkrankung darstellt. In die abschließende Analyse flossen insgesamt 2655 Augeninnendruckmessungen von 154 Augen bei 77 Patienten ein. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug 65 Jahre. Die Beobachtungszeit betrug durchschnittlich etwa fünf Jahre. Die Klimadaten für den Untersuchungszeitraum wurden von der japanischen Wetterbehörde bereitgestellt. Diese umfassten neben der Lufttemperatur und -feuchtigkeit auch die Windgeschwindigkeit, Niederschlag sowie Sonnenscheindauer. Die Forschenden bereinigten die Daten um weitere Einflussgrößen, um sicherzustellen, dass die Veränderung des Augendrucks tatsächlich mit dem Wetter zusammenhing und nicht mit Faktoren wie Alter, Geschlecht oder der zentralen Hornhautdicke. Niedrigere Temperaturen gehen mit höherem Augeninnendruck einher Die Analyse der Ergebnisse zeigte, dass die Lufttemperatur signifikant und unabhängig mit den Augendruckwerten assoziiert war. Eine niedrigere Umgebungstemperatur ging mit einem signifikanten Anstieg des Augeninnendrucks einher. Ein Rückgang der Umgebungstemperatur um 35 °C war mit einem Anstieg des Augeninnendrucks um 1 mmHg verbunden. Auch stand den Erwartungen der Forschenden zufolge ein höherer Blutdruck in Zusammenhang mit einem höheren Augeninnendruck. Bei einer weiteren Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass die Lufttemperatur nur bei Patienten mit schwerem Glaukom oder bei Patienten, die mehrere Augentropfen verwendeten, signifikant mit dem Augeninnendruck assoziiert war. Kälte als Faktor in der Glaukom-Behandlung berücksichtigen Nach Einschätzung der Autoren sind jedoch weitere Untersuchungen mit größeren Personengruppen erforderlich. Dabei soll insbesondere geklärt werden, ob die Lufttemperatur auch bei Menschen mit leichtem Glaukom oder bei Personen, die nur eine Art von Augentropfen verwenden, eine Rolle spielen könnte. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich zudem keine kausalen Zusammenhänge nachweisen. Die Forscher räumen deshalb ein, dass potenziell wichtige Lebensstilfaktoren wie körperliche Aktivität und Adipositas nicht berücksichtigt wurden. Auch Patienten mit schlecht eingestelltem Augeninnendruck wurden nicht in die Studie einbezogen. Dennoch empfehlen die Studienautoren, den Zusammenhang zwischen Augeninnendruck und Umgebungstemperatur bei Patienten mit stabilem primärem Offenwinkelglaukom unter medikamentöser Behandlung im Rahmen einer umfassenden Behandlungsstrategie zu berücksichtigen.
Mehr erfahren zu: "Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent" Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent Der GKV-Schätzerkreis hat seine Prognosen für die finanziellen Rahmenbedingungen für 2027 abgegeben. Der Bundesgesundheitsminister wertet es als Erfolg des GKV-Spargesetzes, die KBV übt daran weiter Kritik.
Mehr erfahren zu: "„Tag der Überlastung im Gesundheitswesen“ immer früher" „Tag der Überlastung im Gesundheitswesen“ immer früher Der Tag, an dem die Einnahmen aus dem allgemeinen Beitragssatz der Gesetzlichen Krankenversicherung rechnerisch nicht mehr ausreichen, um die Ausgaben für das gesamte Jahr zu finanzieren, ist in diesem Jahr […]
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Notfallreform" Bundestag beschließt Notfallreform Das Gesetz zur Reform der Notfallversorgung wurde nach 2./3. Lesung mit den Stimmen der Koalition und der Grünen beschlossen. AfD und Linke enthielten sich. Ziel der Reform ist es, Patienten im […]