GLP-1-Rezeptoragonisten mit geringerer Inzidenz für Brustkrebs assoziiert24. Juni 2026 Symbolbild © Kateryna/stock.adobe.com Eine retrospektive Analyse von mehr als 110.000 Frauen im Alter zwischen 45 und 80 Jahren ergab, dass Frauen, die GLP-1-Rezeptoragonisten einnahmen, ein um etwa 30 Prozent geringeres Risiko hatten, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen ohne GLP-1-Therapie. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Jahrestagung 2026 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) von Dr. Elizabeth McDonald vorgestellt. Sie ist Professorin für Radiologie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania und praktizierende Brustradiologin am Abramson Cancer Center der Penn. Die Ergebnisse wurden zudem in der Fachzeitschrift „JCO Oncology Practice“ veröffentlicht. „Obwohl es sich bei unserer Studie um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen endgültigen Beweis für einen Zusammenhang zwischen GLP-1-Medikamenten und einer verringerten Brustkrebsinzidenz liefert, untermauert sie die wachsende Zahl von Hinweisen darauf, dass es sich lohnt, diese Medikamente zur Gewichtsreduktion als potenzielle Mittel zur Krebsprävention zu untersuchen“, sagte McDonald. GLP-1-Rezeptoragonisten gehören zu einer Wirkstoffklasse, die das körpereigene Hormon Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) nachahmt, das den Blutzuckerspiegel und den Appetit reguliert. Ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt, werden GLP-1-Medikamente heute auch häufig zur Gewichtskontrolle verwendet. Einige neuere Beobachtungsstudien haben GLP-1-Präparate mit einem geringeren Krebsrisiko und/oder besseren Behandlungsergebnissen bei Krebsüberlebenden in Verbindung gebracht; es fehlen jedoch prospektive Studiendaten. Derzeit arbeiten McDonald und ihr Team aktiv daran, eine multizentrische klinische Studie auf den Weg zu bringen, um zu untersuchen, ob GLP-1-Medikamente die Brustkrebsinzidenz bei Hochrisikofrauen – einschließlich solcher mit einer Brustkrebserkrankung in der Vorgeschichte – senken können. „Aus Sicht der Krebsforschung sind GLP-1-Medikamente besonders interessant, da sie zwar nicht für die Krebstherapie entwickelt wurden, aber auf zahlreiche Zielstrukturen und Signalwege einwirken, die mit der Krebsentstehung in Zusammenhang stehen. Daher sind wir sehr daran interessiert, sie in diesem Kontext zu erforschen“, so McDonald. Geringere Brustkrebsinzidenz in mehreren Kohorten Für diese Analyse untersuchten die Forschenden Gesundheitsdaten von 111.646 Frauen im Alter von 45 bis 80 Jahren mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder höher, bei denen zwischen Januar 2022 und Juni 2025 bildgebende Untersuchungen der Brust durchgeführt wurden und für die ein dokumentierter Befund vorlag. Von diesen Frauen hatten 15.264 (13,7 Prozent) dokumentierte Verschreibungen für GLP-1-Medikamente erhalten, während bei 96.382 (86,3 Prozent) keine Anwendung von GLP-1-Medikamenten dokumentiert war. Anschließend untersuchten die Forschenden, ob bei den Frauen neu Brustkrebs diagnostiziert wurde. Dies geschah in zwei verschiedenen Kohorten: der Gesamtgruppe von 111.646 Frauen sowie einer kleineren Kohorte von 30.528 Frauen. Letztere umfasste für jeden der 15.264 Fälle mit GLP-1-Anwendung jeweils eine Kontrollperson, wobei die Gruppen hinsichtlich Alter, ethnischer Zugehörigkeit, BMI, Brustdichte und Diabetes-Status abgeglichen wurden, um Verzerrungen und potenzielle Störfaktoren zu minimieren. In beiden Kohorten zeigte sich eine geringere Brustkrebsinzidenz: Die Wahrscheinlichkeit war in der Gesamtanalyse um 35,1 Prozent und in der gematchten Kohorte um 30,5 Prozent niedriger. Die Studie berücksichtigte weder die Art des GLP-1-Medikaments noch die Dauer der Anwendung, genetische Risikofaktoren oder das Stadium beziehungsweise den Typ des Tumors zum Zeitpunkt der Diagnose. Weitere Analysen sind geplant, um einige dieser Variablen zu untersuchen. Bedarf an besseren Strategien zur Brustkrebsprävention GLP-1-Medikamente unterstützen Menschen sehr effektiv bei der Gewichtsabnahme. Da Übergewicht oder Adipositas – insbesondere nach der Menopause – bekannte Risikofaktoren für Brustkrebs darstellen, wird die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts schon lange als Bestandteil von Präventionsstrategien empfohlen. Zudem vermuten Forschende seit Langem, dass niedriggradige Entzündungsprozesse bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen könnten. GLP-1-Präparate reduzieren systemische Entzündungen über verschiedene Mechanismen und weisen weitere metabolische sowie epigenetische Effekte auf, die das Tumorwachstum hemmen könnten. Die Forschenden gehen derzeit davon aus, dass diese vielfältigen Wirkungen der GLP-1-Medikamente der Entstehung von Brustkrebs entgegenwirken. Abgesehen von der Brustkrebsfrüherkennung mittels Mammografie oder MRT sind medizinische oder chirurgische Maßnahmen zur Senkung des Brustkrebsrisikos begrenzt und können das Leben der Betroffenen tiefgreifend verändern. Eine prophylaktische Mastektomie wird für bestimmte Personen mit genetischen Mutationen empfohlen, die das lebenslange Brustkrebsrisiko erheblich erhöhen. Und obwohl Tamoxifen bei Hochrisikopatientinnen sehr wirksam ist, um die Inzidenz von Brustkrebs zu senken, wird es aufgrund der bekannten Nebenwirkungen nur von einem Teil der infrage kommenden Patientinnen tatsächlich eingenommen. Unterdessen werden GLP-1-Medikamente bereits von Millionen von Menschen angewendet. „Letztendlich wollen wir bessere Möglichkeiten zur Vorbeugung von Brustkrebs finden“, sagte McDonald. „Es ist erfreulich zu sehen, dass sich die Überlebensraten bei Brustkrebs in den letzten Jahrzehnten verbessert haben, und wir hoffen, künftig ähnliche Fortschritte auch bei der Prävention zu erzielen.“ (lj/BIERMANN) Auch interessant: ASCO 2026: Neue Therapie-Option bei metastasiertem triple-negativen Brustkrebs Langsam wachsende Brustkrebszellen könnten späte Rezidive auslösen
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