Glukosesenkende Medikamente: Kein Einfluss auf die Nierenfunktion6. Dezember 2023 © SewcreamStudio – stock.adobe.com (Symbolbild) In den USA ist die häufigste Ursache für eine Nierenerkrankung ein Typ-2-Diabetes (T2D). Bislang ist aber nicht bekannt, ob sich verschiedene glukosesenkende Medikamente auf die Nierenfunktion auswirken. Mit diesem Thema beschäftigten sich nun Forscher der Harvard Medical School, Boston, USA. Bei der „Glycemia Reduction Approaches in Diabetes: A Comparative Effectiveness (GRADE)“ handelte es sich um eine randomisierte klinische Studie, die an 36 Standorten in den USA durchgeführt wurde. Zu den Teilnehmern gehörten Erwachsene, die seit <10 Jahren an einem T2D litten und mit Metformin behandelt wurden. Ihr Hämoglobin-A1c(HbA1c)-Wert lag zwischen 6,8% und 8,5% und die eGFR bei ≥60 ml/min/1,73 m². Die Wissenschaftler nahmen insgesamt 5047 Teilnehmer (3210 [63,6%] Männer) in die Studie auf und beobachteten sie im Durchschnitt 5 Jahre lang nach. Zur Basistherapie mit Metformin erhielten die Patienten Insulin glargin, Glimepirid (Sulfonylharnstoff), Liraglutid (Glucagonlike-Peptid-1-Rezeptor-Agonist) oder Sitagliptin (Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer). Diese Medikamentenkombination setzten die Forscher so lange fort, bis der HbA1c-Wert >7,5% lag, danach fügten sie Insulin hinzu. Als Hauptergebnis untersuchten die Experten die eGFR-Steigung (Änderung der eGFR zwischen Jahr 1 und Studienende) und das Outcome für das Fortschreiten der Nierenerkrankung (Albuminurie, Dialyse, Transplantation oder Tod aufgrund einer Nierenerkrankung). Zu den sekundären Endpunkten gehörten eine eGFR < 60 ml/min/1,73 m², ein Rückgang der eGFR um 40% auf <60 ml/min/1,73 m², eine Verdopplung des Albumin-Kreatinin-Verhältnisses im Urin (UACR) auf ≥30 mg/g sowie ein Fortschreiten der Nierenerkrankung. Zu Beginn der Studie betrug der HbA1c 7,5% (Standardabweichung [SD] 0,5%), Diabetesdauer 4,2 Jahre (SD 2,7), Body-Mass-Index 34,3 (SD 6,8), Blutdruck 128/77 mmHg (SD 14/9), eGFR 94,9 ml/min/1,73 m² (SD 16,8) und mediane UACR 6,4 mg/g (Interquartilsabstand [IQR] 3,1–16,9). Es erhielten 2933 (58,1%) eine Behandlung mit Renin-Angiotensin-Aldosteron-Hemmern. Die mittlere eGFR-Änderung betrug −2,03 ml/min/1,73 m²/Jahr (95%-KI −2,20 bis −1,86) bei Patienten, die Sitagliptin erhielten. Bei Glimepirid −1,92 ml/min/1,73 m²/Jahr (95%-KI −2,08 bis −1,75), Liraglutid −2,08 ml/min/1,73 m²/Jahr (95%-KI −2,26 bis −1,90) und Insulin glargin −2,02 ml/min/1,73 m²/Jahr (95%-KI −2,19 bis −1,84; p=0,61). Ein mittleres Fortschreiten der Nierenerkrankung trat bei 135 (10,6%) Patienten auf, die Sitagliptin, bei 155 (12,4%), die Glimepirid, bei 152 (12,0%), die Liraglutid und bei 150 (11,9%), die Insulin glargin erhielten (p=0,56). Der größte Teil des zusammengesetzten Outcomes war auf eine Progression der Albuminurie zurückzuführen (98,4%). Bei den sekundären Endpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Unerwünschten Nierenereignisse, die auf die Medikamentenzuweisung zurückzuführen waren, traten nicht auf. Fazit Glukosesenkende Medikamente hatten in der Untersuchung keinen signifikanten Einfluss auf die Nierenoutcomes von Personen mit T2D. (jh) Autoren: Wexler DJ et al. Korrespondenz: Deborah J. Wexler; [email protected] Studie: Comparative Effects of Glucose-Lowering Medications on Kidney Outcomes in Type 2 Diabetes: The GRADE Randomized Clinical Trial Quelle: JAMA Intern Med 2023;183(7):705–714. Web: https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2023.1487
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