Grippeviren sollen Lungenkrebszellen zerstören27. April 2018 Bild: © snyGGG – fotolia.com Masern, Mumps, Grippe und sogar Krebs – Viren verursachen zahlreiche Krankheiten und stellen ein enormes Gesundheitsrisiko dar. In den winzigen Partikeln schlummert jedoch ein gewaltiges Potenzial: Können sie auch für die Krebsmedizin nutzbar gemacht werden? Wissenschaftler des Universitätsklinikums Münster gehen dieser Frage nach. Ihr Ansatz: Influenzaviren gegen Lungentumore einsetzen. Diese onkolytischen Viren befallen die Tumorzellen und zerstören diese. Zusätzlich stimulieren sie das Immunsystem. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsprojekt mit rund 259.000 Euro. Virotherapie: Mit Viren den Krebs bekämpfen „Mit Hilfe gentechnischer Methoden verändern wir Grippeviren so, dass sie in der Lage sind, Tumorzellen bei Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NKLK) anzugreifen und zu zerstören“, erklärt Prof. Stephan Ludwig vom Institut für Molekulare Virologie des Universitätsklini-kums Münster den Kern seiner Forschung. Auch das körpereigene Abwehrsystem hat dem Tumor kaum etwas entgegenzusetzen. Denn dieser hat eine perfide Überlebensstrategie entwickelt: die herbeieilenden Abwehrzellen werden einer Art „Gehirnwäsche“ unterzogen, so dass sie den Tumor nicht mehr angreifen können. Vielmehr zwingt er sie dazu, ihn beim Wachstum und bei der Ausbreitung im Körper zu unterstützen. Sind die Tumorzellen allerdings mit Grippeviren infiziert, löst das eine starke Immunantwort gegen die befallenen Zellen aus. Die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen untersuchen die Wissenschaftler aus Münster nun im Detail. „Gelingt es uns, mit Hilfe der Viren das vom Tumor unterdrückte Immunsystem zu reaktivieren, hätten wir eine wirksame Waffe gegen eine Krebsart, die sich nicht mit konventionellen Mitteln besiegen lässt“, so Ludwig weiter. „Immer mehr Menschen erkranken bedauerlicherweise an Lungenkrebs. Wir brauchen daher innovative Ansätze und wissenschaftliche Strategien, um die Therapie und Versorgung der Patienten zu verbessern. Forschungsprojekte in diesem Sinne zu fördern, ist ein Kernanliegen unserer Organisation“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Projektnummer: 70112333
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