Grünlandflächen: Forschung gegen das Artensterben19. November 2021 Blumenwiesen und renaturierte Grünflächen sind für Insekten wichtig. Foto: © Capri23auto – pixabay.com Das Projekt Grassworks untersucht, welche Faktoren in der Renaturierung von Grünland zum Erfolg führen. Dabei werden sowohl ökologische als auch sozial-ökologische und ökonomische Facetten in einer Gesamtanalyse beleuchtet. Der Bestand an artenreichen Grünlandflächen nimmt seit Jahren ab. Dr. Vicky Temperton, Professorin für Ecosystem Functioning & Services an der Leuphana Universität Lüneburg, beschäftigt sich gemeinsam mit einem Team von ForscherInnen und PraktikerInnen in einem Verbundprojekt mit der Frage, wie sich diese ökologisch besonders wertvolle Landschaft wiederherstellen lässt. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert jetzt die Untersuchung von 90 ausgewählten Renaturierungsflächen aus ökologischer, sozioökonomischer und sozial-ökologischer Perspektive über 3 Jahre mit gut 3 Millionen Euro, rund 1,2 Millionen davon für das Team der Leuphana. Global gesehen zählt Grünland zu den artenreichsten Ökosystemen. Einige Grünlandtypen können es kleinräumig sogar mit der Biodiversität tropischer Regenwälder aufnehmen. Sie sind Hauptnahrungsquellen für viele Insekten, unter ihnen vor allem auch Bestäuber, die aber zeitgleich mit dem Grünland verschwinden. Grünland ist außerdem besonders widerstandsfähig gegenüber Extremwetterereignissen und speichert Kohlenstoff sicher über lange Zeit im Boden. Grünlandnaturschutz und -renaturierung sollten gerade angesichts der Klima-und Biodiversitätskrise als besonders erfolgversprechende Maßnahmen hohe Priorität genießen. Das ist aber bisher nicht der Fall, denn In den vergangenen Jahrzehnten sind die meisten ökologisch wertvollen Grünlandflächen zu Bauland, Acker oder Wald geworden und die verbleibenden Wiesen und Weiden sind durch eine intensive Nutzung immer gleichförmiger und artenärmer geworden. In Niedersachsen beispielsweise ist fast die Hälfte der Grünlandflächen verschwunden. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt Grassworks, welche Faktoren in der Renaturierung von Grünland in Deutschland zum Erfolg führen. Dabei werden sowohl ökologische als auch sozial-ökologische und ökonomische Facetten in einer Gesamtanalyse beleuchtet. „Mit den Ergebnissen wollen wir einen signifikanten Beitrag zu der Frage leisten, wie Wiesen und Weiden so bewirtschaftet werden können, dass ökologisch hochwertige Ökosysteme entstehen und erhalten werden und gleichzeitig Landwirte für diese Gemeinwohlleistungen fair honoriert werden“, beschreibt Vicky Temperton das Ziel des Vorhabens. Für das Projekt wurden drei Modellregionen in Nord-, Mittel- und Süddeutschland ausgewählt. In jeder Projektregion werden, zusätzlich zu der Untersuchung von 30 schon renaturierten Flächen, sogenannte Reallabore eingerichtet, in denen in Zusammenarbeit mit lokalen AkteurInnen wie LandwirtInnen oder Biosphärenreservats-Verwaltungen konkrete Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt werden. Die Reallabore sollen als Leuchtturmprojekte einen Bewusstseinswandel befördern, damit nicht noch mehr Grünland zerstört, sondern vorhandenes Grünland flächendeckend und erfolgreicher als bisher aufgewertet wird. Das vom BMBF geförderte Projekt Grassworks unter der Leitung von Vicky Temperton und Prof. Anita Kirmer von der Hochschule Anhalt (Bernburg) findet an der Leuphana in Kooperation mit der Hochschule Anhalt-Bernburg, der TU München, dem Thünen Institut für Biodiversität Braunschweig, der Universität Greifswald, und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) als wichtigem Praxispartner statt.
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