Hauptlieferanten von Erythropoetin im menschlichen Körper identifiziert28. April 2023 Erythropoetin-Molekül. Bild: ©molekuul.be – stock.adobe.com Ein internationales Forschungsteam mit UZH-Beteiligung konnte jetzt den Hauptproduzenten von Erythropoetin identifizieren: Es handelt sich um Norn-Zellen, eine Untergruppe von Nierenzellen. Sie könnten den Grundstein für die Entwicklung neuer Therapien legen. Das körpereigene Erythropoetin wird hauptsächlich von den Nieren produziert. Es bindet sich an Vorläuferzellen im Knochenmark und fördert deren Vermehrung. Obwohl Erythropoetin schon vor Jahrzehnten entdeckt wurde, blieb die Identität der Nierenzellen, die das Hormon hauptsächlich produzieren, bis heute unbekannt.Norn-Zellen haben großes medizinisches PotenzialEin internationales Team mit Forschenden der Universität Zürich sowie aus Israel, Dänemark und Deutschland hat nun eine seltene Untergruppe von Nierenzellen als die Hauptproduzenten von Erythropoetin im menschlichen Körper identifiziert. Die Zellen wurden von den Forschenden Norn-Zellen getauft und haben großes medizinisches Potenzial: Mehr als 10 Prozent der Bevölkerung leiden an chronischen Nierenerkrankungen, die häufig zu einer Beeinträchtigung der Erythropoetin-Produktion und damit zu Anämie führen und in schweren Fällen tödlich sein können. „Diese Norn-Zellen werden es ermöglichen, besser zu verstehen, wie die derzeitigen Behandlungen funktionieren”, sagt Roland Wenger, Professor am Institut für Physiologie der Universität Zürich. Er und sein Co-Letztautor Ido Amit, Professor am Weizmann Institute of Science in Israel, vergleichen die Entdeckung der Norn-Zellen mit der Entdeckung der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse und deren Auswirkungen auf Diabetes in den 1950er Jahren.Identifizierung der Zellen endlich geklärtIm Gegensatz zu Insulin und anderen wichtigen Proteinhormonen wird Erythropoetin jedoch nicht in den Zellen gespeichert und erst bei einem entsprechenden Stimulus freigesetzt, sondern als Reaktion auf Sauerstoffmangel neu produziert und sofort freigesetzt. „Die Produktion in Norn-Zellen steigt stark an und nimmt schnell wieder ab. Dies ist der Hauptgrund, warum die Identifizierung dieser Zellen so schwierig war”, erklärt Wenger, der den Erythropoetin-Produktionsprozess seit 30 Jahren erforscht. Im Tiermodell, bei dem sich die Erythropoetin produzierenden Zellen rot färben, konnte er den spezifischen Bereich in den Nieren eingrenzen , in dem sich die entsprechenden Zellen befinden. Durch die Anreicherungen dieser markierten Zellen konnte nun endlich ihr molekulares Muster entschlüsselt werden.Grundstein für neue TherapienDie Herausforderung bestand allerdings darin, diese Zellen auch im Menschen zu finden. Die Forschenden untersuchten dafür die Nieren von Opfern von Hausbränden, die mit einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben waren und eine starke Induktion der Erythropoetin-Produktion aufwiesen. Anhand dieser Proben konnten sie die lange gesuchten Erythropoetin-produzierenden Norn-Zellen beim Menschen ebenfalls identifizieren. Es zeigte sich, dass es sich um dieselben Zellen handelt, die auch bei den Mäusen gefunden worden waren.„Die Entdeckung eines neuen Zelltyps ist kein alltägliches Ereignis und die Identifizierung der Norn-Zellen bietet nun die Möglichkeit, Techniken zu entwickeln, die diese Zellen dazu anregen, mehr Erythopoetin zu produzieren. Damit lassen sich die Erythrozytenmenge und Lebensqualität der Patienten verbessern, ohne künstliches Erythopoetin verabreichen zu müssen”, erklärt Wenger. Die Norn-Zellen können also den Grundstein für die Entwicklung neuer Therapien legen.
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