Leserbrief Hausärztemangel und Gesundheitsversorgung – ein strukturelles Versagen mit Ansage16. März 2026 Bild: Zerbor – stock.adobe.com Ein Leserbrief von Dr. med. Ulrich Frohberger, Münster, zum Bericht „Mehr Praxisärzte – aber auch mehr Patientenzeit?” vom 12. März. Sehr geehrte Damen und Herren, Ihr Bericht benennt zutreffend, was in der ambulanten Medizin seit Jahren unübersehbar ist: sinkende Arztdichte, steigendes Durchschnittsalter der Niedergelassenen, wachsende Teilzeitquoten – und das bei einer rapide alternden Bevölkerung mit entsprechend komplexer Morbidität. Was Ihr Artikel jedoch allenfalls andeutet, verdient deutlichere Worte: Wir steuern mit gesundheitspolitischem Vollgas in ein selbst verschuldetes Versorgungsdesaster. Die Ursachen sind bekannt und seit Langem dokumentiert: Das Honorarsystem der gesetzlichen Krankenversicherung entkoppelt Leistung systematisch von Vergütung. Budgetierung, Regresse und ein bürokratischer Aufwand, der in keinem vernünftigen Verhältnis zum medizinischen Nutzen steht, vergrämen exakt jene Ärzte, die man dringend braucht. Das wirtschaftliche Risiko einer Praxisgründung – bei gleichzeitig stagnierenden oder sinkenden Fallpauschalen – lässt sich jungen Kolleginnen und Kollegen kaum noch erklären. Ein konkretes, symptomatisches Beispiel: Die DXA-Knochendichtemessung ist ein klinisch unverzichtbares Instrument zur Früherkennung und Verlaufskontrolle der Osteoporose – einer Erkrankung, die in Deutschland nach konservativen Schätzungen über sechs Millionen Menschen betrifft und jährlich mehr als 300.000 osteoporotische Frakturen mit enormen Folgekosten verursacht. Die aktuelle Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) vergütet diese Untersuchung mit 48 Euro. Ein modernes DXA-Gerät kostet rund 48.000 Euro – von Wartung, Raumkosten und Personalaufwand ganz abgesehen. Nun soll diese Vergütung auf 24 Euro halbiert werden. Das ist nicht Sparmaßnahme – das ist die gezielte Zerstörung einer präventivmedizinischen Infrastruktur. Dabei ist es eine Binsenweisheit der Gesundheitsökonomie: Prävention rechnet sich. Jeder Euro, der in evidenzbasierte Vorsorge investiert wird – von der Früherkennung im Kindes- und Schulalter bis hin zur Begleitung chronisch erkrankter Erwachsener –, spart ein Mehrfaches an Behandlungskosten. Stattdessen kürzt die Politik an den Stellschrauben, die noch funktionieren, und wundert sich über das Systemversagen. Was fehlt, ist kein weiteres Strategiepapier, sondern politischer Wille: ein Honorarsystem, das qualifizierte ärztlich initiierte (Prävention belohnt statt bestraft; eine Bürokratieentlastung, die diesen Namen verdient; und die Bereitschaft, medizinische Fachkompetenz – also die Fähigkeit zur frühzeitigen Diagnose und leitliniengerechten Behandlung – als gesellschaftliche Infrastruktur zu begreifen und entsprechend zu finanzieren. Solange das nicht geschieht, werden Berichte wie der Ihre leider nicht seltener werden. Sie werden nur dringlicher. Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Ulrich Frohberger
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