HCV-Infektion: Unerwartete provirale Funktion des Guanylat-bindenden Proteins 1 entdeckt27. März 2024 Foto: © valiantsin/stock.adobe.com Ein Forschungsteam des Paul-Ehrlich-Institutes hat wichtige Erkenntnisse über die Rolle des menschlichen Guanylat-bindenden Proteins 1 (GBP1) bei der Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) gewonnen. Es hat gezeigt, dass GBP1 eine bislang unbekannte Funktion als pro-viraler Faktor während des HCV-Lebenszyklus übernimmt. Anders als zuvor angenommen hemmt das Protein damit nicht die Infektion, sondern begünstigt sie. Da GBP1 durch Behandlung mit Interferonen induziert wird, weisen die in „PLOS Pathogens” veröffentlichten Forschungsergebnisse darauf hin, dass bei Interferon basierten Therapien die unterschiedliche Wirkungsweise von immunregulatorischen Faktoren berücksichtigt werden sollten. Die HCV-Infektion löst unter anderem die Produktion von Interferonen (IFN) vom Typ I und III des menschlichen Immunsystems aus. Die Interferone vermitteln in der Folge antivirale und immunregulatorische Aktivitäten. Durch IFN werden anderem GBP induziert, zu denen auch GBP1 gehört. Es gibt eine Vielzahl von Berichten, die eine antivirale Wirkung der IFN-induzierbaren GBPs auf verschiedene Viren beschreiben. Bedeutung des menschlichen Proteins GBP1 bei der HCV-Infektion Die Arbeitsgruppe um Dr. Daniela Bender im Team von Prof. Eberhard Hildt, Leiter der Abteilung Virologie des Paul-Ehrlich-Institutes, befasste sich in ihren aktuellen Arbeiten mit der Rolle von GBP1 bei der HCV-Infektion. Hierzu führten die Forschenden eine Reihe von Experimenten durch, darunter quantitative Echtzeit-Polymerase-Kettenreaktion (PCR), Western-Blot-Analysen, konfokale Fluoreszenzmikroskopie (CLSM), hochauflösende STED(Stimulated Emission Depletion)-Mikroskopie sowie Virus-Titration und Reportergen-Assays. Das Team beobachtete, dass durch HCV die Expression von GBP1 induziert wird. GBP1 begünstigt die HCV-Infektion Darüber hinaus stellte das Forschungsteam fest, dass – entgegen bisheriger Annahmen – die verstärkte Bildung von GBP1 die virale Replikation und Freisetzung des HCV begünstigt. Mithilfe von CLSM- und STED-Analysen entdeckten sie, dass GBP1 zusammen mit dem viralen Strukturprotein HCV Core in der Nähe des Zellkerns in einem Netzwerk aus Membranen und Lipidtröpfchen zu finden ist. Das Ganze ist Teil eines Membrannetzwerks, das ein typisches Merkmal HCV infizierter Zellen darstellt. GBP1 findet sich zusammen mit HCV Core an der Oberfläche der Lipidtröpfchen, wo es Faktoren bindet, die an der Ausbildung von HCV-Partikeln beteiligt sind. Dadurch begünstigt GBP1 den viralen Zusammenbau und die Freisetzung der Hepatitis-C-Viren. Diese Forschungsergebnisse werfen ein neues Licht auf das Verständnis der Interaktion zwischen HCV und dem menschlichen Wirtsfaktor GBP1. Sie könnten potenziell zu neuen Therapieansätzen zur Behandlung von HCV-Infektionen führen, die gezielt in die Wechselwirkungen zwischen GBP1 und dem Virus eingreifen. Insbesondere sollten die Erkenntnisse bei der Anwendung Interferon-basierter Therapien berücksichtigt werden.
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