Hepatitis E: Bei bestehender Leberzirrhose sind schwerwiegende Folgen möglich28. Juli 2026 Abbildung: MQ-Illustrations/stock.adobe.com Für Menschen mit einer vorgeschädigten Leber können Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) schwerwiegende Folgen haben. Eine neue Studie zeigt, dass HEV-Infektionen bei Leberzirrhose in der Hälfte der Fälle zu akutem Leberversagen führen. Der zusätzliche Haken daran: HEV-Infektionen sind unterdiagnostiziert. Um die Infektionen rechtzeitig zu entdecken und mit antiviralen Therapien in den Griff zu bekommen, wünschen sich die Autoren der aktuellen Arbeit im Journal „Liver International“ ein größeres Bewusstsein für HEV-Infektionen beim medizinischen Personal sowie mehr Routinetests. Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) sind in Europa mit jährlich mehr als zwei Millionen Fällen sehr häufig. Allein in Deutschland stecken sich in diesem Zeitraum bis zu 400.000 Menschen mit genetisch leicht unterschiedlichen HEV-Stämmen an, oft über den Verzehr von infiziertem Schweinefleisch. Passgenaue Wirkstoffe gegen das Virus gibt es nicht. Meist bleiben die Infektionen unbemerkt, weil sie keine Symptome verursachen, und die Leberentzündung heilt folgenlos aus. Für Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem oder einer vorgeschädigten Leber kann sie jedoch gefährlich werden. Ein Forschungsteam aus der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat nun untersucht, wie sich eine HEV-Infektion auf Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose auswirkt. Das Ergebnis: Etwa die Hälfte entwickelte ein akutes Leberversagen auf chronischer Grundlage (ACLF). In jedem zweiten Fall waren diese Folgen entweder tödlich oder die Betroffenen benötigten eine Lebertransplantation. HEV-Infektion ist unterdiagnostiziert HEV-Infektionen sind weltweit die häufigste Ursache für eine akute Virushepatitis. „Dennoch sind sie selbst in Kliniken der Maximalversorgung häufig unterdiagnostiziert und laufen unter dem Radar“, so die Einschätzung von Dr. Katja Dinkelborg, Erstautorin der Studie. Der Grund: An HEV-Infektionen werde häufig schlichtweg nicht gedacht und die Diagnostik ist nicht überall einfach verfügbar. Als zusätzlicher Infekt können sie die Leber jedoch schwer belasten. Für Betroffene mit fortgeschrittener Leberzirrhose kann eine solche Infektion besonders schwerwiegende Folgen haben. In ihrer Studie untersuchten die Forschenden unter anderem 249 Blutproben von Patientinnen und Patienten, die stationär an der MHH behandelt wurden. Dabei analysierten sie, wie HEV den Krankheitsverlauf beeinflusst. Neben einer ACLF fanden die Forschenden auch Fälle akuter Leberdekompensation. HEV-Infektion ist unterdiagnostiziert „Unsere Beobachtungen deuten darauf hin, dass HEV eine klinische Verschlechterung bei Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose auslösen kann“, stellt Dinkelborg fest. „An der MHH haben wir daher HEV im Blick und testen bei Verdacht auf eine Infektion das Blut auf Virus-RNA.“ Doch selbst ein negativer Befund muss nicht bedeuten, dass keine HEV-Infektion vorliegt. Denn mitunter sind die Betroffenen erst in der Klinik, wenn die Virus-RNA in ihrem Blut nicht mehr nachweisbar ist, die Schädigung der Leber wird aber dann erst sichtbar. Auch diese Beobachtung spricht nach Ansicht der Ärztin dafür, dass HEV häufig unterdiagnostiziert ist. Fehlende HEV-Immunabwehr Haben Blutproben von Leberzirrhose-Erkrankten auf Hepatitis-E-Viren und virusspezifische Antikörper untersucht: Katja Dinkelborg, PHD (re.) und Birgit Bremer, Medizinische Technologin für Laboratoriumsanalytik. (Copyright: Karin Kaiser/MHH) In einem weiteren Schritt haben die Forschenden untersucht, wie es um die Virusabwehr der Leberzirrhose-Betroffenen bestellt ist. Dafür testeten sie das Blutserum der Erkrankten auf einen virusspezifischen Antikörper. Nur ein Drittel der Getesteten verfügte über die passende Immunantwort. Zwei Drittel dagegen hatten keine HEV-Antikörper im Blut. „Diese Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose bleiben anfällig für eine Infektion“, betont Dinkelborg. Sie wünscht sich daher ein größeres Bewusstsein für das Risiko von HEV-Infektionen sowohl bei behandelnden Ärztinnen und Ärzten als auch bei den Betroffenen. Dies würde helfen, lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden und zusätzlich neue vorbeugende und therapeutische Ansätze zu entwickeln. Neuer Behandlungsansatz mit neutralisierenden Antikörpern An der MHH und am TWINCORE, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, arbeiten die Forschenden zudem an einem neuen Behandlungsansatz. In einer früheren Arbeit konnten sie zeigen, dass neutralisierende Antikörper aus dem Blut von Geheilten helfen könnten. Diese Antikörper ließen sich präventiv und therapeutisch einsetzen, um schwere Verläufe bei lebensbedrohlichen Leberentzündungen durch HEV zu verhindern. „Die Ergebnisse aus unserer aktuellen Studie zeigen, dass ein Bedarf für diese passive Immunisierung besteht, um die Betroffenen besser vor einer HEV-Infektion zu schützen“, sagt Dinkelborg. Die neutralisierenden Antikörper müssen jedoch erst weiterentwickelt werden, bevor sie dann irgendwann in der Klinik eingesetzt werden können.
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