Herpes simplex: Initial starke Virusausscheidung lässt innerhalb eines Jahres deutlich nach22. November 2022 Herpes-simplex-Viren. Grafik: Spectral-Design – stock.adobe.com Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) wird laut einer aktuellen Studie nach der ersten Herpes-simplex-Episode in hohem Maße genital ausgeschieden. Im ersten Jahr nach der Infektion geht die Virenausscheidung aber schnell zurück. Um ihre Patienten bezüglich genitaler HSV-1-Übertragung optimal zu informieren, haben US-Ärzte die oralen und genitalen Virusausscheidungsmuster bei Personen mit einer ersten Episode genitaler HSV-1-Infektion untersucht. Außerdem interessierten sie sich für die Entwicklung HSV-spezifischer Antikörper und der entsprechenden T-Zell-Antworten. Christine Johnston und Kollegen von der Universität von Washington in Seattle beobachteten eine prospektive Kohorte von 82 Personen bis zu 2 Jahre lang im Zeitraum von 2013 bis 2018 nachbeobachtet wurden. Die Teilnehmer hatten eine im Labor dokumentierte primäre Episode einer genitalen HSV-1-Infektion. Ausgeschlossen waren Personen mit HIV-Infektion oder aktueller Schwangerschaft. Die Mediziner dokumentieren die genitalen und oralen HSV-1-Ausscheidungs- und -Läsionsraten 2 Monate, 11 Monate und bis zu 2 Jahre nach der primären genitalen HSV-1-Infektion. Die Teilnehmer entnahmen selbst Mund- und Genitalabstriche für HSV-Polymerase-Kettenreaktionstests 30 Tage nach der Diagnose, nach 2 und 11 Monaten und bis zu 2 Jahre nach der Diagnose. Blutproben wurden zu aufeinanderfolgenden Zeitpunkten entnommen, um die Immunantworten auf HSV-1 zu beurteilen. Unter den 82 Teilnehmern betrug das Durchschnittsalter 26 (16–64) Jahre, 54 (65,9%) waren Frauen und 42 (51,2%) hatten eine primäre HSV-1-Infektion. Nach 2 Monaten wurde HSV-1 bei 53 Teilnehmern (64,6%) im Genitaltrakt und bei 24 Teilnehmern (29,3%) im Mund nachgewiesen. Genitale HSV-1-Ausscheidung wurde an 275 von 2264 Tagen (12,1%) nach 2 Monaten festgestellt und ging nach 11 Monaten signifikant auf 122 von 1719 Tagen (7,1%) zurück (im Modell vorhergesagte Rate: 6,2% [95%-KI 4,3–8,9] nach 2 Monaten vs. 3,2% [95%-KI 1,8–5,7] nach 11 Monaten; relatives Risiko: 0,52 [95%-KI 0,29–0,93]). Genitalläsionen waren selten und traten an 65 von 2497 Tagen (2,6%) nach 2 Monaten und an 72 von 1872 Tagen (3,8%) nach 11 Monaten auf. Eine orale HSV-1-Ausscheidung wurde an 88 von 2247 Tagen (3,9%) nach 2 Monaten festgestellt. Personen mit primärer HSV-1-Infektion hatten ein höheres Risiko für eine genitale HSV-Ausscheidung im Vergleich zu Personen, die keine primäre Infektion hatten (vom Modell vorhergesagte Rate 7,9% [95%-KI 5,4–11,7] vs. 2,9% [95%-KI 1,7–5,0]; relatives Risiko 2,75 [95%-KI 1,40–5,44]). Die polyfunktionalen HSV-spezifischen CD4+- und CD8+-T-Zell-Antworten wurden während des Nachbeobachtungszeitraums aufrechterhalten. (ms)
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