Herzinfarkt-Zahlen in Deutschland: Positiver Trend setzt sich fort18. Mai 2026 Aktuelle Daten des AOK-Gesundheitsatlas zeigen für Deutschland einen positiven Trend bei den Herzinfarkten, aber eine bedenkliche Entwicklung bei Typ-2-Diabetes und Hypertonie.(Symbolfoto: ©Candemir Photography/stock.adobe.com= Seit 2017 hat sich die Zahl von stationär behandelten Herzinfarkten in Deutschland um 14 Prozent reduziert. Das zeigt eine aktuelle Hochrechnung von Krankenkassendaten der AOK. Bei zwei Risikofaktoren ist jedoch ein Anstieg der Erkrankungsfälle zu beobachten. Nach den aktuellen Ergebnissen des Gesundheitsatlas Deutschland wurden in den deutschen Krankenhäusern im Jahr 2024 rund 185.400 Herzinfarktfälle dokumentiert. Dies entspricht einer Rate von 320 Fällen je 100.000 Personen ab dem 30. Lebensjahr. Im Jahr 2017 waren es noch 215.600 Fälle – eine Rate von 380 Fällen je 100.000 Personen. Somit hat sich die Zahl der Herzinfarktfälle im beobachteten Zeitraum von 2017 bis 2024 um etwa 30.000 reduziert. Das entspricht einem Minus von 14 Prozent. Der Gesundheitsatlas Deutschland stellt Zahlen zu insgesamt 26 Erkrankungen dar. Er basiert auf Krankenkassen-Routinedaten von mehr als 27 Millionen AOK-Versicherten. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) berechnet auf deren Grundlage und mit einem alters-, geschlechts- und morbiditätsadjustierenden Verfahren die Erkrankungsfälle für die gesamte Wohnbevölkerung in den Regionen Deutschlands. Anstieg bei Typ-2-Diabetes und Hypertonie „Der positive Trend dürfte mit Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und einer verbesserten medizinischen Behandlung der Risikofaktoren für Herzinfarkte zusammenhängen“, erläutert Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO, die Beobachtungen der neuesten Bewertung für das Jahr 2024. „Gleichzeitig sehen wir in den Daten allerdings negative Entwicklungen bei Erkrankungen, die als wichtige Risikofaktoren für das Auftreten von Herzinfarkten gelten.“ So zeigt der Gesundheitsatlas einen Anstieg bei den Diabetes-Erkrankungen. Der Anteil der Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 an der Gesamtbevölkerung ab 20 Jahren ist von 10,6 Prozent im Jahr 2017 auf 11,2 Prozent im Jahr 2024 gestiegen (plus 0,6 Prozentpunkte). Auch beim Risikofaktor Bluthochdruck ist ein Anstieg zu verzeichnen. Hier wuchs der Anteil der betroffenen Menschen an der Gesamtbevölkerung ab 20 Jahren von 28,8 Prozent im Jahr 2017 auf zuletzt 29,9 Prozent im Jahr 2024 – ein Plus von 1,1 Prozentpunkten. „Durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend körperlicher Aktivität und Rauchverzicht kann das Risiko für Herzinfarkte, aber auch für Diabetes mellitus Typ 2 oder Hypertonie gesenkt werden“, so Schröder. Unterschiede nach Altersgruppen und Geschlecht Der Gesundheitsatlas schlüsselt die Daten zur Herzinfarkthäufigkeit auch nach Alter und Geschlecht auf. Nicht überraschend steigend die Herzinfarkt-Raten mit dem Alter deutlich an. Allerdings gibt es dabei einen deutlichen Geschlechterunterschied: In allen Altersgruppen sind Herzinfarkte bei Männern deutlich häufiger dokumentiert als bei Frauen. So lag die Herzinfarkt-Rate in der Gruppe der 85- bis 89-Jährigen bei 1240 je 100.000 Männer. Hingegen waren nur 720 je 100.000 Frauen betroffen. „Für diese Unterschiede können nicht nur Lebensstilfaktoren oder biologische Faktoren verantwortlich sein, sondern auch Unterschiede in der Art und Intensität der Symptome. Sie führen oft dazu, dass ein Herzinfarkt bei Frauen nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wird“, vermutet Schröder. Höchste Herzinfarkt-Rate in Thüringen Auch zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Herzinfarkt-Raten. An der Spitze steht Thüringen mit einer Rate von 370 Fällen je 100.000 Personen ab 30 Jahren. In Hamburg liegt die Rate dagegen bei 270 Fällen je 100.000 Personen ab 30 Jahren – also fast ein Drittel geringer. „Im Vergleich zu 2017 hat sich die Spanne zwischen den Bundesländern allerdings leicht verringert“, sagt Schröder. Ein großer Teil der Unterschiede sei auf Alters- und Geschlechtsunterschiede in der jeweiligen Bevölkerung zurückzuführen. Werden diese Unterschiede rechnerisch bereinigt, nähern sich die Werte deutlich an: Die Fallraten je 100.000 Personen liegen dann bei 340 in Thüringen und 300 in Hamburg. In diesem alters- und geschlechtsstandardisierten Vergleich ist Bremen mit einer Rate von 370 je 100.000 Personen der Spitzenreiter, während die Rate in Sachsen mit 270 je 100.000 am niedrigsten ist. Weitere Erkenntnisse aus dem Gesundheitsatlas Deutschland: Fast jede vierte hochaltrige Frau von Osteoporose betroffen Weniger COPD-Patienten: Gesundheitsatlas zeigt anhaltenden Rückgang
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