Aus PCOS wird PMOS: Häufige Hormonstörung bekommt neuen Namen18. Mai 2026 Symbolbild © AyaLinesDesign/stock.adobe.com Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) heißt ab sofort „Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom“ (PMOS). Der neue Name beschreibt die multisystemische Natur der Erkrankung und soll die Diagnose und Behandlung von Betroffenen verbessern. Weltweit sind mehr als 170 Millionen Menschen von der Hormonstörung PMOS, ehemals PCOS, betroffen. Die offizielle Umbenennung erfolgte im Rahmen einer in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten globalen Konsensusstudie. Der neue Name trägt der Erkenntnis Rechnung, dass es sich bei der Erkrankung nicht primär um eine gynäkologische Störung handelt. Stattdessen handelt es sich um ein komplexes multisystemisches Krankheitsbild, das endokrine, metabolische, reproduktive, dermatologische sowie psychische Aspekte der Gesundheit umfasst. „Die Umbenennung dieser Erkrankung ist mehr als bloße Semantik; es geht darum, endlich die volle Realität dessen anzuerkennen, was die Patienten erleben“, erklärt Dr. Melanie Cree, Kinderendokrinologin an der University of Colorado Anschutz und an diesem internationalen Projekt beteiligt. „Viel zu lange hat die eng gefasste Definition des PCOS dessen metabolische und hormonelle Komplexität außer Acht gelassen. Dadurch blieben viele Patient:innen ohne Diagnose oder fühlten sich missverstanden.“ Metabolische und hormonelle Komplexität widerspiegeln Seit Jahrzehnten gilt der Begriff „Polyzystisches Ovarialsyndrom“ weithin als unzutreffend und einschränkend. Denn trotz des Namens weisen viele Patient:innen keine Zysten in den Eierstöcken auf – ein Umstand, der die umfassenderen gesundheitlichen Auswirkungen der Erkrankung lange Zeit verschleiert hat. Die Fehlbezeichnung hatte spürbare Folgen: verzögerte Diagnosen, fragmentierte Versorgung, Stigmatisierung sowie verpasste Gelegenheiten für frühzeitige Interventionen bei metabolischen und kardiovaskulären Risiken wie Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes. Der neu eingeführte Name des „Polyendokrinen Metabolischen Ovarialsyndroms“ (PMOS) begegnet diesen Mängeln nun direkt, indem er die hormonelle (polyendokrine) Komplexität der Erkrankung widerspiegelt, ihre metabolischen und kardiometabolischen Auswirkungen anerkennt und die Rolle der Eierstöcke weiterhin betont, ohne dabei die reproduktiven Aspekte überzubetonen. „Sprache ist in der Medizin von entscheidender Bedeutung“, ergänzt Cree. „Der frühere Name führte häufig zu Missverständnissen und Stigmatisierung – insbesondere im Hinblick auf die Fruchtbarkeit. Diese Namensänderung trägt dazu bei, den Fokus der Diskussion stärker auf die allgemeine Gesundheit zu richten, anstatt ihn auf einen einzelnen Aspekt der Erkrankung zu beschränken.“ Bessere Diagnostik und Versorgung weltweit Darüber hinaus zieht die Neukategorisierung auch die Aktualisierungen klinischer Leitlinien, der medizinischen Ausbildung sowie internationaler Klassifikationssysteme für Krankheiten nach sich. So soll weltweit eine einheitliche Übernahme der neuen Terminologie gewährleistet werden. Experten zufolge wird dadurch die Art und Weise, wie die Erkrankung weltweit diagnostiziert, behandelt und erforscht wird, grundlegend neu gestaltet. Durch die Abkehr von einer rein auf die Reproduktion ausgerichteten Sichtweise bewirkt die Namensänderung zu PMOS eine Förderung früherer und präziserer Diagnosen, die Unterstützung einer ganzheitlicheren und patientenzentrierten Versorgung, den Abbau von Stigmata, die mit einer rein auf Fruchtbarkeit fokussierten Terminologie verbunden sind sowie die Ausweitung der Forschung zu den metabolischen und systemischen Auswirkungen. Die Implementierung des neuen Namens soll somit für mehr Bewusstsein, gezieltere Forschung und bessere Behandlungsergebnisse für Millionen von Patient:innen sorgen. Dieser Meilenstein spiegelt eine weltweit wachsende Erkenntnis wider: Die präzise Benennung einer Erkrankung bildet das Fundament für ihr Verständnis und die richtige Versorgung von Betroffenen. „Was diese Initiative besonders wirkungsvoll macht, ist die Tatsache, dass sie die Stimmen Tausender Patient:innen und Ärzt:innen aus aller Welt widerspiegelt“, betont Cree. „Diese Umbenennung legt den Grundstein für einen tiefgreifenden Wandel – von der medizinischen Ausbildung über klinische Leitlinien bis hin zum öffentlichen Bewusstsein – und führt letztlich zu besseren Ergebnissen in der Patientenversorgung.“ Bis die Änderung überall angekommen ist, dürfte es allerdings eine Weile dauern. (mkl/BIERMANN) Das könnte Sie außerdem interessieren: PCOS: Umfassende S2k-Leitlinie erstmals veröffentlicht Vier Subtypen des Polyzystischen Ovarialsyndroms identifiziert
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