PCOS: Umfassende S2k-Leitlinie erstmals veröffentlicht30. Juli 2025 Foto: © wladimir1804/stock.adobe.com Erstmal liegt für das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) eine umfassende S2k-Leitlinie vor, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) entstanden ist. „Es handelt sich [bei PCOS] um ein komplexes endokrinologisch, gynäkologisch und internistisches Krankheitsbild mit bisher unklarer Ursache“, erklärt Dr. Cornelia Jaursch-Hancke, leitende Endokrinologin an der DKD HELIOS Klinik Wiesbaden und Koordinatorin der Leitlinie. „PCOS bleibt häufig unerkannt. Neben Zyklusstörungen, erhöhten männlichen Hormonen und unerfülltem Kinderwunsch steigt bei betroffenen Frauen auch das Risiko für weitere Erkrankungen: Typ 2 Diabetes, Schwangerschaftsdiabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Daher ist eine frühe Diagnose entscheidend“, ergänzt Prof. Susanne Reger-Tan, Direktorin der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie am Herz- und Diabetes-Zentrum NRW, Universitätsklinikum Ruhr-Universität Bochum und Mitkoordinatorin der Leitlinie. Überarbeitete Diagnosekriterien Die Leitlinie präzisiert die Diagnostik gemäß den Rotterdam-Kriterien. Demnach liegt ein PCOS vor, wenn mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind: klinischer Hyperandrogenismus (nicht zwingend erhöhte männliche Hormone, aber sichtbare Symptome wie beispielsweise vermehrte Behaarung/Akne) und/oder biochemischer Hyperandrogenismus (erhöhte männliche Hormone) Ovulatorische Dysfunktion: Störung der normalen Eizellreifung und/oder ein ausbleibender/unregelmäßiger Eisprung Polyzystische Ovarmorphologie (PCOM), eine Veränderung der Eierstöcke, und/oder eine hohe Konzentration des Anti-Müller-Hormons (AMH), das in den Eierstöcken produziert wird und Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen „Die Symptome bei PCOS sind sehr ähnlich zu anderen Erkrankungen, beispielsweise der Schilddrüse, Tumoren oder des Cushing-Syndroms. Bei der Diagnose müssen behandelnde Ärzt*innen daher andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausschließen. Nur dann können wir die Diagnose PCOS zweifelsfrei sicherstellen“, so Jaursch-Hancke. Regelmäßige Kontrollen empfohlen Die Leitlinie empfiehlt regelmäßige Untersuchungen auf Risikofaktoren und Begleiterkrankungen ausdrücklich: „Besonders wichtig ist die Überprüfung des Zuckerstoffwechsels beispielsweise mit einem oralen Glukosetoleranztest, da Frauen mit PCOS unabhängig vom Alter ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2 und Schwangerschaftsdiabetes haben. Dafür räumt die Leitlinie mit der weit verbreiteten Annahme auf, dass die Messung der sogenannten Insulinresistenz eine zentrale Bedeutung für Therapieentscheidungen hat. Es sollten außerdem regelmäßige Kontrollen von Gewicht, Blutdruck und Fettstoffwechsel durchgeführt werden, um rechtzeitig präventive und therapeutische Maßnahmen einzuleiten“, so Reger-Tan. Ärzte sollten ebenso auf psychische Belastungen wie Depressionen, Angststörungen oder ein negatives Körperbild achten und dies frühzeitig in die Behandlungen einbeziehen. Fundament für eine vernetzte PCOS-Versorgung Zur Behandlung des PCOS empfiehlt die Leitlinie eine multimodale und individuelle Therapie. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Lebensstiländerungen wie regelmäßige körperliche Aktivität, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und gesunde Ernährung. „Es ist wichtig, die Betroffenen erst einmal dort zu unterstützen, wo sie selbst aktiv werden können. Je nach Symptomprofil und Kinderwunsch lassen sich diese Maßnahmen gezielt mit medikamentösen Therapien wie orale Kontrazeptiva, Metformin oder antiandrogene Medikamente ergänzen“, erklärt Jaursch-Hancke. Damit dieser Ansatz greift, müsse die Behandlung fachübergreifend erfolgen. „Nur im Team aus Endokrinologie, Gynäkologie, Diabetologie und Psychologie können wir Frauen mit PCOS optimal behandeln und Komplikationen vorbeugen.“ „Medizinische Leitlinien haben eine große Bedeutung für die Gesundheitsversorgung. Ärzt*innen, aber auch Patient*innen und Angehörige anderer Gesundheitsberufe erhalten so eine praxisrelevante, allgemein zugängliche Leitlinie auf aktuellem Stand der Wissenschaft. Mit der neuen PCOS-Leitlinie liefern wir einen klaren Handlungsrahmen für die behandelnden Ärzt*innen und verbessern so langfristig die Lebensqualität der Betroffenen“, erklären die beiden Koordinatorinnen der Leitlinie abschließend. Eine Leitlinie, die sich an Patientinnen richtet, ist derzeit in Arbeit und wird noch in diesem Jahr veröffentlicht, betonen die Fachgesellschaften.
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