Herzinfarkte folgen keinem Hollywood-Skript15. August 2025 Symbolfoto: ©Jari Hindström/stock.adobe.com Hollywood hat die Vorstellung vieler Menschen von einem Herzinfarkt geprägt: Jemand, der sich die Brust umklammert und dramatisch zusammenbricht. Diese irreführende Darstellung kann dazu führen, dass weniger offensichtliche Symptome ignoriert werden und medizinische Hilfe zu spät kommt. „Wir haben uns in den 1980er- und 1990er-Jahren mit dem sogenannten ‚Hollywood-Herzinfarkt‘ einen Bärendienst erwiesen“, sagt Ann Eckhardt, Professorin für Krankenpflege und Forscherin an der University of Texas in Arlington (USA). „Das entspricht leider nicht der Realität. Es ist nicht immer so dramatisch. Manchmal handelt es sich nur um ein unangenehmes Gefühl, das nicht ganz normal ist, sodass die Menschen dazu neigen, mit dem Arztbesuch zu warten. Je länger man wartet, desto wahrscheinlicher sind negative Folgen nach einem Herzinfarkt.“ Hollywood-Klischees verfälschen das Bild vom Herzinfarkt Eckhardt und ihre Kollegen arbeiten daran, dies zu korrigieren. Dazu wollen sie zunächst verstehen, wie die Öffentlichkeit Brustschmerzen wahrnimmt. Für ihren kürzlich erschienenen Artikel in „Heart & Lung“ untersuchten sie die verbreiteten Missverständnisse über Herzinfarktsymptome. Denn: Viele Patienten erleben keinen dramatischen Herzinfarkt, wie man ihn aus Filmen kennt. Stattdessen können die Symptome komplex und sogar mild sein. Ihre Studie verdeutlicht aber, dass die Wahrnehmung in der Bevölkerung anders ist. Um herauszufinden, wie normale Menschen Herzinfarkte wahrnehmen, verwendeten die Forscher einen Fragebogen zum Verständnis von Brustschmerzen – den sogenannten Chest Pain Conception Questionnaire. Damit befragten sie knapp 600 Menschen aus den USA im Alter von durchschnittlich 54 Jahren. Studie zeigt Missverständnisse in der Bevölkerung Die Studie ergab, dass fast 75 Prozent der Befragten Informationen über Herzinfarkte aus Quellen wie Fernsehen oder Filmen bezogen hatten, was die Notwendigkeit klarerer und genauerer Aufklärungsmaterialien über Brustschmerzen und damit verbundene Symptome deutlich mache, erklären die Forscher. Ein Großteil der Teilnehmer glaubte, dass Herzinfarkt-bedingte Brustschmerzen plötzlich auftreten, überwältigend sein und in der linken Brust auftreten würden. „Wir sagen den Menschen oft, dass Brustschmerzen ein Symptom für einen Herzinfarkt sind, aber wir sagen ihnen nicht, was sie tatsächlich fühlen könnten“, verdeutlicht Eckhardt. „Für viele Menschen sind es keine Schmerzen im herkömmlichen Sinne. Es ist eher ein Unwohlsein, ein Druckgefühl, ein Engegefühl. Sie fühlen sich einfach nicht ganz wohl, können aber nicht genau sagen, woran es liegt.“ Diese Unsicherheit führt ihr zufolge oft dazu, dass Menschen die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe hinauszögerten. Auch bei Frauen steht der Brustschmerz im Vordergrund Ein weiterer weit verbreiteter Mythos, so die Forscher, sei, dass Herzinfarkte bei Männern und Frauen drastisch unterschiedlich aussehen. „Früher haben wir gesagt, dass Männer typische Symptome und Frauen atypische Symptome haben“, erläutert Eckhardt. „Wir bemühen uns sehr, diese Sprache jetzt zu vermeiden. Das häufigste Symptom bei Männern und Frauen ist Brustschmerzen. Wir haben Verwirrung gestiftet, indem wir gesagt haben, dass Frauen irgendwie völlig anders sind.“ „Wenn wir also herausfinden können, wie sich die Menschen einen Herzinfarkt vorstellen, können wir vielleicht der medizinischen Fachwelt helfen, besser zu triagieren und Fragen zu stellen. Es geht nicht nur um die Frage ‚Haben Sie Brustschmerzen?‘, sondern auch um ‚Haben Sie Beschwerden, Druck, Engegefühl, Beklemmung?“, hebt Eckhardt hervor. (ah/BIERMANN)
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