Herzinsuffizienz: Neue Methode trainiert Herzmuskel mit Mikrostrom16. Juli 2019 Bild: © Alex White – Adobe/Stock An der MedUni Wien bzw. im AKH Wien wurde ein neuartiges Gerät zur Stärkung des geschwächten Herzmuskels bei Kardiomyopathie-Patienten erstmals weltweit im Rahmen einer Studie erfolgreich eingesetzt. Ein implantierter Impulsgeber trainiert den Herzmuskel mit Mikrostrom und führt so zur Regeneration geschädigter Herzmuskulatur. Den Betroffenen kann so im Idealfall eine Herztransplantation erspart oder diese zumindest hinausgezögert werden. In Europa sind derzeit rund 20 Millionen Menschen (2-3% der erwachsenen Bevölkerung) von einer systolischen Herzinsuffizienz betroffen. Während allein an der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien/AKH Wien jährlich etwa 400 PatientInnen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz chronisch betreut werden, können an der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien/AKH Wien zur Versorgung des gesamten ostösterreichischen Raumes jährlich rund 40-50 Herztransplantationen und ebenso viele Implantationen von herzunterstützenden Pumpen durchgeführt werden. Daher besteht ein dringlicher Bedarf an erweiterten Therapieformen. Der neu entwickelte Mikrostromapplikator wurde nun erstmals an der von Prof. Günther Laufer geleiteten Klinischen Abteilung für Herzchirurgie der MedUni Wien/AKH Wien in Zusammenarbeit mit der Klinischen Abteilung für Kardiologie (Leitung: Prof. Christian Hengstenberg) im Rahmen einer Studie erfolgreich einem Menschen eingesetzt. Stromfeld regt Zellen zur Regeneration an Die OP-Methode erfolgt minimal-invasiv. Mit zwei kleinen Schnitten wird das Gerät unter Vollnarkose implantiert. Eine Elektrode liegt als Patch großflächig außen am Herzmuskel an, die andere Elektrode sitzt in der Herzkammer. Ein kleines vollimplantiertes Gerät gibt dann Mikrostrom ab, stimuliert die betroffenen Herzmuskelzellen und regt diese zur Regeneration an. „Es geht darum, die Pumpfunktion des Herzens so zu verbessern, sodass wir den Patientinnen und Patienten eine Transplantation ersparen oder zumindest möglichst lange hinauszögern können“, erklärt Studienleiter PD Dr. Dominik Wiedemann von der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie. Diese Methode ist für Menschen gedacht, bei denen die medikamentösen und sonstigen apparativen Therapieoptionen ausgereizt sind, die aber noch nicht dringend eine herzunterstützende Pumpe oder eine Transplantation benötigen. Erfolgreiches Beispiel für translationale Medizin Das Gerät wurde an der Abteilung für Biomedizinische Forschung der MedUni Wien unter der Leitung von Prof. Bruno Podesser gemeinsam mit der Firma Berlin Heals GmbH in einer Reihe von vorklinischen Studien entwickelt und getestet. Die nun erfolgte Übertragung in klinische Studien am Menschen innerhalb des gleichen Hauses beschleunigt den Entwicklungs- und Zulassungsprozess. Der erste damit behandelte Patient zeigt nach drei Monaten erste Anzeichen für eine gute Regeneration, und es wird untersucht, ob diese eine ausreichende klinische Relevanz zeigt. Derzeit werden zusätzlichen ProbandInnen für diese Studie gemeinsam mit Dr. Martin Hülsmann von der Klinischen Abteilung für Kardiologie rekrutiert. „Die ersten Ergebnisse geben uns wirklich Hoffnung für Kardiomyopathiepatienten“, sagt Wiedemann, „Die Mikrostromregeneration könnte uns dem Traum der Regeneration geschädigter Organe einen Schritt näherbringen. Abgesehen von Herzersatzverfahren gibt es derzeit kaum wirksame Therapien. Gerade in Zeiten der Spenderorganknappheit ist es notwendig neue effektive Therapieverfahren zu entwickeln auch um den Patienten größere Eingriffe wie Herztransplantationen mit anschließender Immunsuppression möglichst zu ersparen.“ .
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