Herzstillstand: Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt mit jeder Minute bis zum ersten Schock5. November 2024 Symbolfoto: ©pixelaway/stock.adobe.com Bei einem außerklinischen Herzstillstand ist schnelles Handeln gefragt. Nun bezifferten Forscher aus den Niederlanden, wie wichtig die rasche Schockgabe mit einem externen Defibrillator ist. Forscher des University Medical Center (UMC) in Amsterdam (Nierderlande) analysierten die Daten von 3723 Patienten, die außerhalb des Krankenhauses einen Herzstillstand erlitten hatten. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass die Überlebenswahrscheinlich mit jeder Minute, die bis zur Verabreichung des ersten Defibrillatorschocks vergeht, um sechs Prozent sinkt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden jüngst in der internationalen Fachzeitschrift „Circulation“ veröffentlicht. Seit 2005 werden im Rahmen der ARREST-Studie (Amsterdam REsuscitation STudies) in Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten und Krankenhäusern detaillierte Daten über Wiederbelebungsmaßnahmen in Nordholland gesammelt. Für die aktuelle Untersuchung erhoben die Studienverantwortlichen die Daten von Personen, die in Anwesenheit eines Zeugen einen Herzstillstand erlitten hatten, der durch Kammerflimmern verursacht wurde. Auf diese Weise konnte die Zeit zwischen dem Notruf und dem ersten Schock sehr genau bestimmt und somit die Auswirkungen der Zeit bis zum ersten Schock analysiert werden. „Unsere Untersuchung zeigt, dass jede Minute Verzögerung bei der Verabreichung des ersten Schocks große Auswirkungen hat. Wenn der erste Schock innerhalb von sechs Minuten verabreicht wurde, war es in 93 Prozent der Fälle möglich, das Kammerflimmern zu beenden. Wurde der erste Schock verzögert und zum Beispiel erst nach mehr als 16 Minuten verabreicht, sank dieser Prozentsatz auf 75 Prozent“, sagt Remy Stieglis, Forscher am UMC Amsterdam. Nach Berechnungen der Forscher zeigt die Studie außerdem, dass jede Minute Verzögerung bis zum ersten Schock die Überlebenschance bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus um sechs Prozent verringert. „In unserer Studie führte eine kürzere Verzögerung bis zum ersten Schock auch häufiger zu einem normalen eigenen Herzrhythmus. Nach einem erfolgreichen Schock kann Kammerflimmern erneut auftreten und einen weiteren Schock erfordern. Die Wahrscheinlichkeit dafür nahm mit einer kürzeren Zeit bis zum ersten Schock ebenfalls ab“, erläutert Christian van der Werf, Kardiologe und Forscher am Amsterdam UMC. Das Fazit der Studienatuoren: Durch Investitionen in die gesamte Rettungskette – mit dem Ziel, die Zeit zwischen dem Notruf und dem ersten Schock zu verkürzen – könnten die Ergebnisse nach einem Herzstillstand verbessert werden. „In den Niederlanden wird viel getan, um einen schnellen Erstschock durch den Einsatz von Ersthelfern (z. B. über HeartbeatNu, Polizei und/oder Feuerwehr) und viele verfügbare automatisierte externe Defibrillatoren (AEDs) zu erreichen, aber bei drei von vier Wiederbelebungen in unserer Studie haben wir diese sechs Minuten nicht erreicht. Um dieses Ziel bei allen Wiederbelebungen zu erreichen, bedarf es einer stärkeren zentralen Kontrolle mit konkreten Maßnahmen und weiterer Forschung. Auch im Ausland sollte dem mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, um die Zeit bis zum ersten Schock so kurz wie möglich zu halten. Unsere Daten zeigen, dass sich das auszahlt“, sagt Hans van Schuppen, Anästhesist und Leiter der ARREST-Wiederbelebungsstudie. (ah)
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