HFpEF: Fettgewebe rückt als Therapieziel in den Fokus27. Juli 2026 KI-generiertes Symbolbild: ©Muhammed/stock.adobe.com In einem Mausmodell verbesserte der ATGL-Hemmer Atglistatin die Herzfunktion, systemische Entzündung und kardiales Remodelling stärker als eine Kalorienrestriktion. Die Ergebnisse weisen auf einen neuen Ansatz zur Behandlung der HFpEF hin. Übergewicht und Adipositas spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Wissenschaftler von der Medizinischen Universität Graz (Österreich) entdeckten nun im Mausmodell, dass die Hemmung der Lipolyse im Fettgewebe die mit Adipositas assoziierte systemische Entzündung, das kardiale Remodelling und die Herzfunktionsstörung bei HFpEF abschwächen kann. Die Erkenntnis könnte zu neuen therapeutischen Optionen für die Behandlung der HFpEF führen. HFpEF ist mehr als eine Herzerkrankung HFpEF ist eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte von Patienten über 65 Jahre. Die Erkrankung stellt eine erhebliche Herausforderung dar, da es nur begrenzte Therapiemöglichkeiten gibt. HFpEF ist aber nicht „nur“ eine Herzerkrankung. Vielmehr handelt es sich um eine systemische Erkrankung, die den gesamten Organismus betrifft, wie der Kardiologe und Assistenzprofessor Simon Sedej von der Medizinischen Universität Graz (Österreich) erläutert. „Sie entsteht vor allem durch die Wechselwirkung von Alterung, Bewegungsmangel und begleitenden Stoffwechselstörungen wie Übergewicht bzw. Adipositas, Bluthochdruck und dem metabolischen Syndrom. Diese Erkrankungen, die zu den größten Risikofaktoren für HFpEF gehören, führen zu einem Teufelskreis aus entgleistem Stoffwechsel und einer zunehmenden Beeinträchtigung der Herzfunktion“, so Sedej, Letztautor der im Journal „Circulation Research“ veröffentlichten Publikation. Fettgewebe als therapeutisches Ziel Die Studie untersucht die Bedeutung des Fettgewebes als therapeutisches Ziel bei HFpEF. „Tatsächlich spielt das Fettgewebe eine zentrale Rolle in der HFpEF, indem es zur Entwicklung einer chronischen systemischen Entzündung beiträgt. Trotz der maßgeblichen Bedeutung des Fettgewebes im Krankheitsverlauf gibt es derzeit noch keinen Beleg dafür, dass die direkte Modulation des Fettgewebestoffwechsels allein ausreicht, um die Adipositas-assoziierte HFpEF zu behandeln“, verdeutlicht Erstautorin Alina Stockner den Hintergrund der Untersuchung. Zwar stellen Kalorienrestriktion und inkretinbasierte Therapien wie die GLP-1-Rezeptoragonisten wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Adipositas dar, die sich auch bei der Behandlung von HFpEF bereits als vielversprechend erwiesen haben. Bislang gibt es jedoch keine Therapien, die den Fettstoffwechsel direkt ins Visier nehmen. Nach Ansicht der Forschenden aus Graz kann die gezielte Beeinflussung des Fettgewebes jedoch eine selektivere und potenziell sicherere alternative Behandlungsoption darstellen. Atglistatin verbessert Herzfunktion im Mausmodell Im Zentrum ihrer Forschung stand daher der experimentelle Wirkstoff Atglistatin. Er hemmt spezifisch die Adipozyten-Triglyzeridlipase (ATGL), das geschwindigkeitsbestimmende Enzym der Lipolyse in Fettzellen. Anhand ihrer Untersuchungen konnten Stockner und Kollegen zeigen, dass der Einsatz von Atglistatin die Herzfunktion in einem HFpEF-Mausmodell stärker verbesserte als eine reine Kalorienrestriktion. Gleichzeitig verringerte der Wirkstoff die Konzentration entzündungsfördernder Mediatoren wie Interleukin-1β, die das Fortschreiten einer Herzinsuffizienz begünstigen. Nach Ansicht der Forschenden beruht dieser Effekt darauf, dass die Hemmung der Lipolyse die entzündungsfördernde Aktivität des Fettgewebes abschwächt. Die dadurch reduzierte systemische Entzündung könnte das kardiale Remodelling begrenzen und so die diastolische Herzfunktion verbessern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ergebnisse dazu beitragen werden, weitere Studien zur Hemmung der Lipolyse bei HFpEF zu initiieren und damit die Behandlung von adipösen Patientinnen und Patienten verbessern könnten. Stockner erklärt: „In der vorliegenden Arbeit liefern wir überzeugende Evidenz dafür, dass die genetische beziehungsweise pharmakologische Hemmung der Lipolyse spezifisch im Fettgewebe ausreicht, um ubergewichtsassoziierter HFpEF vorzubeugen beziehungsweise sie zu behandeln.“
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