Hirnmetastasen nach HER2-positivem Brustkrebs: Neues Medikament laut Studie vielversprechend2. Oktober 2024 Foto: © Shisu_ka/stock.adobe.com Ein internationales Team von Forschenden unter Co-Federführung der LMU Klinikum München hat ein neues Medikament für Patientinnen mit fortgeschrittenem HER2-positiven Brustkrebs in einer klinischen Studie getestet. Die moderne Medizin teilt Brusttumoren, abhängig von bestimmten biochemischen Merkmalen des Krebsgewebes, in verschiedene Typen ein. Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs und dem Gewebemerkmal HER2 leiden zu 50 Prozent an Metastasen im Gehirn, die mit Medikamenten bislang nicht behandelbar sind. Denn die Blut-Hirn-Schranke verhindert oft, dass Wirkstoffe in das Denk- und Gefühlsorgan eindringen können. Neue Medikamente sind also dringend gefragt. Einer dieser Wirkstoffe ist ein Antikörper-Konjugat namens „Trastuzumab Deruxtecan“. Trastuzumab ist ein Antikörper, der, einmal in den Körper gespritzt, zielgenau am HER2-Protein andockt. Im Gepäck hat er den Wirkstoff Deruxtecan, der Krebszellen tötet und nur im Tumorgewebe aktiv ist – und kaum im restlichen Körper. „Aus diesem Grund können wir diesen Wirkstoff überhaupt verwenden“, erklärt Univ.-Prof. Nadia Harbeck von der LMU München, „sonst wäre er viel zu giftig“, fährt sie fort. Die Studienergebnisse wurden im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlicht. 17 Monate ohne Fortschreiten der Erkrankung Um den Nutzen des Antikörper-Konjugats bei HER2-positivem Brustkrebs zu ermitteln, startete die Münchner Medizinerin als eine der beiden Leiterinnen die „DESTINY-Breast12-Studie“. Teilgenommen haben mehr als 500 Patientinnen mit und ohne Hirnmetastasen aus 78 Krebszentren in Westeuropa, Japan, Australien und den USA. Das Ergebnis: Im Schnitt überlebten die Patientinnen auch mit Hirnmetastasen über 17 Monate ohne ein Fortschreiten der Krebserkrankung. Mehr als 60 Prozent der Patientinnen überlebten zwölf Monate ohne weiteres Tumorwachstum. Bei mehr als 70 Prozent der Teilnehmerinnen konnten die Forschenden einen Rückgang des Krebses im Gehirn nachweisen. Neunzig Prozent aller Patientinnen waren ein Jahr nach Beginn der Behandlung noch am Leben. „Diese Ergebnisse“, sagt Nadia Harbeck, „machen den Patientinnen gerade mit Hirnmetastasen Hoffnung.“ Das Medikament ist bereits für den Einsatz in der Regelversorgung zugelassen. Insgesamt attestiert die Krebsmedizinerin den Antikörper-Konjugaten ein „großes Potenzial in der Therapie von Brusttumoren“. Beispiel: Seit etwa einem Jahr läuft auf Initiative der westdeutschen Studiengruppe eine große Studie für Patientinnen mit frühem, nichtmetastasierten HER2-positiven Brustkrebs in Deutschland. Sie bekommen das Antikörper-Konjugat dabei nur viermal vor der Operation gespritzt, was die Therapie deutlich erleichtert und verkürzt. Insgesamt sind derzeit drei Antikörper-Konjugate bei Brustkrebs in Deutschland zugelassen – „und ich denke“, erklärt Harbeck, „dass da noch viele mehr kommen“.
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