Höchste Aufmerksamkeit für die kleinsten Patienten und ihre Familien

Prof. Christian Gille, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neonatologie am UKHD. (Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg)

Seit November 2021 steht die Klinik für Neonatologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg unter neuer Leitung: Prof. Christian Gille, zuvor stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Neonatologie am Universitätsklinikum Tübingen, hat die Nachfolge von Prof. Johannes Pöschl übernommen.

„Wir freuen uns, mit Professor Gille einen Experten sowohl in der modernen entwicklungsfördernden Versorgung Frühgeborener gefunden zu haben, als auch einen engagierten Vertreter der sogenannten evidenzbasierten Medizin, die auf der Umsetzung neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Durchführung von klinischen Studien beruht – angesichts der Patientengruppe eine große Herausforderung“, sagte Prof. Ingo Autenrieth, Leitender Ärztlicher Direktor des UKHD. „Professor Gille erforscht erfolgreich Funktionsweise und Unterstützungsmöglichkeiten des kindlichen Immunsystems und wird mit seinen Projekten und Studien die wissenschaftliche Expertise auf diesem Gebiet in Heidelberg weiter ausbauen und sichtbar machen“, ergänzte Prof. Hans-Georg Kräusslich, Dekan der Medizinischen Fakultät.

Ein erstes wichtiges Projekt des neuen Ärztlichen Direktors steht bereits in den Startlöchern: 2022 wird die Klinik eine „Muttermilchbank“ aufbauen. Dabei handelt es sich um ein bundesweites Verbundprojekt, an dem sich zwölf Zentren beteiligen. Aufgabe einer solchen Einrichtung ist es, Muttermilch insbesondere für frühgeborene Kinder zur Verfügung zu stellen, deren Mütter z. B. durch die deutlich verfrühte Geburt selbst noch keine Milch geben können. „Muttermilch ist nicht zuletzt deswegen die ideale Ernährung für Säuglinge, weil sie einen positiven Effekt auf das kindliche Immunsystem hat. Das ist gerade bei den hochgradig infektionsanfälligen Frühgeborenen eine wertvolle Starthilfe“, sagte der Gille.

Außerdem wird eine Studie zum Einsatz von Probiotika bei Frühgeborenen starten. „Frühgeborene erkranken rund siebenmal häufiger an Infekten als reif geborene Kinder. Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass die Gabe von Probiotika, also nützlicher Keime, in den Nasen-Rachenraum den Befall mit Krankheitserregern verringert und die Infektanfälligkeit senkt.“ Eine weitere zeitnah startende Studie widmet sich dem Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Frühdiagnose von Infektionen bei den äußerst empfindlichen kleinen Patienten.

Die Weiterbildung des gesamten neonatologischen Teams ist ebenfalls ein wichtiges Thema für Gille: „Wenn die Patienten sich nicht mitteilen können, muss man den Blick verfeinern, Signale deuten und die Physiologie genauer beobachten – vieles funktioniert bei Frühgeborenen einfach anders als bei reifen Kindern“, sagt er. Außerdem plant er die Einführung von Simulationstrainings in pädiatrischer Intensivmedizin und Frühgeborenenmedizin, interprofessionell mit Geburtshelferinnen und Geburtshelfern der Universitäts-Frauenklinik im Rahmen des Heidelberger Perinatalzentrums. Die Trainings könnten zudem in neuen Lehrkonzepten des Medizinstudiums zur Anwendung kommen, um den Studierenden die „Welt der Frühgeborenen nahezubringen“.