Höhere Kindersterblichkeitsraten stehen im Zusammenhang mit restriktiven Abtreibungsgesetzen in den USA

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Neue Forschungsergebnisse belegen, dass in US-Staaten mit den restriktivsten Abtreibungsgesetzen im Zeitraum 2014 bis 2018 insgesamt 16 Prozent mehr Säuglinge starben als in solchen US-Staaten, die Zugang zu umfassender reproduktiver Gesundheitsversorgung bieten.

US-Bundesstaaten mit den restriktivsten Gesetzen (11–12 Gesetze) weisen im Vergleich zu US-Staaten mit der geringsten Anzahl restriktiver Abtreibungsgesetze (1–5 Gesetze) eine um 16 Prozent erhöhte Säuglingssterblichkeitsrate (IMR) auf. Das ist das Ergebnnis einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift „American Journal of Preventive Medicine“, von Elsevier veröffentlicht wurde.

Die leitende Forscherin Lois Lee, tätig am Boston Children’s Hospital und an der Harvard Medical School, USA, kommentiert: „Als Kinderärzte und Geburtshelfer sind wir besorgt darüber, wie sich die Bedrohung einer umfassenden reproduktiven Versorgung auf unsere Patienten und ihre Kinder auswirkt. In Anbetracht der sich derzeit ändernden Rechtslage in den USA in Bezug auf die reproduktive Gesundheitspolitik ist es wichtig, dass wir die umfassenderen Auswirkungen einer Einschränkung des Zugangs zur Abtreibung nicht nur auf die Gebärenden, sondern auch auf die Geburten von Säuglingen berücksichtigen.“

Um den Zusammenhang zwischen dem Zugang zum Schwangerschaftsabbruch und den Geburten zu untersuchen, führte das Forschungsteam in den USA eine nationale ökologische Studie durch, bei der die Daten des National Center for Health Statistics zur Säuglingssterblichkeit auf Kreisebene verwendet wurden (Verknüpfung von Mütter- und Säuglingsdaten). Während frühere Studien in erster Linie die Säuglingssterblichkeitsraten auf Ebene der US-Bundesstaaten untersucht hatten, sind diese Daten neu, da sie eine detailliertere Analyse der Säuglingssterblichkeit auf US-Bezirksebene enthalten.

Die Forscher kategorisierten 48 US-Bundesstaaten (ohne Hawaii und Alaska) nach der Anzahl der restriktiven Abtreibungsgesetze und berücksichtigten die Entfernung zu einer Abtreibungseinrichtung, wichtige demografische Merkmale und den Status der staatlichen Medicaid-Erweiterung (Gesundheitsfürsorgeprogramm in den USA).

Zusätzlich zu den Auswirkungen restriktiver Abtreibungsgesetze wurden demografische Merkmale wie die „Ethnie“ des gebärenden Elternteils, ein Schulabschluss oder weniger, Rauchen während der Schwangerschaft und unzureichende Schwangerschaftsvorsorge mit einer erhöhten IMR in Verbindung gebracht.

Die Forscher waren überrascht, dass eine größere Entfernung zu einer Abtreibungseinrichtung statistisch nicht mit einer erhöhten IMR auf US-Bezirksebene verbunden war, wie in früheren Studien festgestellt worden war. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Zugang zur Schwangerenvorsorge stärker zur Säuglingssterblichkeit beiträgt als der Zugang zu Abtreibungseinrichtungen.

Die Forscher betonten, dass der zunehmend eingeschränkte Zugang schwangerer Frauen mit begrenzten finanziellen Mitteln zu umfassender reproduktiver Gesundheitsfürsorge, einschließlich Empfängnisverhütung und Verhütungsplanung, die langfristigen Ergebnisse in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden dieser Personen und ihrer Kinder beeinflussen kann.

Lee erläutert: „Die Gesundheit von Müttern hat einen direkten Einfluss auf die Gesundheit von Säuglingen und Kindern – und letztlich auf die Gesundheit der Bevölkerung. Aus den Ergebnissen unserer Studie geht hervor, dass die Einschränkung des Zugangs zum Schwangerschaftsabbruch als Teil einer umfassenden reproduktiven Versorgung nicht nur die Gebärenden selbst, sondern auch deren Kinder betrifft. Ohne einen gerechteren Zugang zu einer umfassenden reproduktiven Versorgung wird es weiterhin Ungleichheiten beim Zugang zur Versorgung und bei den Gesundheitsergebnissen geben, die vor allem je nach geografischer Lage in den USA variieren.“

Und sie fügt hinzu: „Wir befürchten, dass weitere Einschränkungen bei der umfassenden reproduktiven Versorgung diese Ungleichheiten noch verschärfen werden, insbesondere bei Menschen mit geringem Einkommen.“