Höherer Body-Mass-Index bei Kindern von Müttern mit Typ-1-Diabetes26. Juli 2018 Foto: © gamelover – Fotolia.com Das Risiko für Übergewicht und Insulinresistenz ist bei Kindern von Müttern mit Typ-1-Diabetes signifikant erhöht. Das berichten Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum München und und der Technischen Universität München. Typ-1-Diabetes gilt als die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Doch welche Rolle spielt die Krankheit, wenn die Betroffenen selber einmal Kinder bekommen? Bislang ist bekannt, dass das Risiko für Typ-1-Diabetes bei Kindern von betroffenen Eltern weit höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. „Zudem gab es vereinzelte Hinweise aus Vorgängerstudien, dass Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes zusätzlich ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom tragen, da die zeitweise hohen Blutzuckerwerte im Mutterleib langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Körpergewicht der Nachkommen zu haben scheinen“, erklärte PD Dr. Andreas Beyerlein. „Wir wollten diese Diskussion nun auf eine solide Datengrundlage stellen“, so der Statistiker und Epidemiologe weiter, der die Studie gemeinsam mit Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München, leitete. Fast 2800 Kinder über 18 Jahre hinweg untersucht Ausgangspunkt der Arbeit waren drei große Studien, die die Entstehungsmechanismen von Typ-1-Diabetes aufklären sollen (TEENDIAB, BABYDIAB und BABYDIET*). „Insgesamt haben wir die Daten von knapp 2800 Kindern untersucht, die einen erstgradigen Verwandten mit Typ-1-Diabetes hatten“, erklärt Erstautorin Anitha Pitchika. „Sie wurden bis zu ihrem 18. Lebensjahr hinsichtlich Stoffwechsel und Körpergewicht untersucht.“ Anette-Gabriele Ziegler ergänzt: „Diese Auswertungen waren in dieser Form erst mit unseren Datensätzen möglich, die eine ausreichend große Anzahl von Müttern mit Typ-1-Diabetes enthalten, denen noch vor einigen Jahrzehnten aufgrund von damals hohen Geburtsrisiken oft von einem Kinderwunsch abgeraten wurde.“ Dabei fiel den Wissenschaftlern auf, dass Kinder, deren Mütter vor der Schwangerschaft an Typ-1-Diabetes erkrankt waren, einen signifikant höheren Body-Mass-Index aufwiesen als Kinder von stoffwechselgesunden Müttern. „Bei den Teilnehmern der TEENDIAB-Studie“, erklärte Beyerlein, „war das Risiko für ein späteres Übergewicht mehr als doppelt so hoch.“ Auch weitere Werte wie Hüftumfang, Nüchternglukosespiegel oder das Risiko für Insulinresistenz waren signifikant erhöht, wenn die Mutter Typ-1-Diabetes hatte. Zuvor hatten die Wissenschaftler bereits mögliche Störfaktoren wie beispielsweise sozioökonomischen Status der Mutter oder ein höheres Geburtsgewicht herausgerechnet. Um herauszufinden, inwiefern die Unterschiede durch grundlegende Änderungen im kindlichen Stoffwechsel verursacht wurden, erhoben die Forscher von 500 Teilnehmern der TEENDIAB-Studie sogenannte Metabolomics-Daten. Tatsächlich konnten sie aber keine durch mütterlichen Typ-1-Diabetes bedingten signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Stoffwechselprodukte und -wege aufdecken. „Unsere Studie belegt, dass Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes nicht nur ein signifikant höheres Risiko für die Krankheit selbst haben, sondern auch für Übergewicht und Insulinresistenz“, fasste Ziegler zusammen. „Daher wäre es ratsam, dass Kinder- und Jugendmediziner diesen Zusammenhang künftig im Kopf haben und frühzeitig auf entsprechende Warnsignale bei den betroffenen Kindern achten.“
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