Hörverlust: Einsamkeit als Risikofaktor

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Einsamkeit erhöht das Risiko für Hörverlust – unabhängig von anderen Risikofaktoren. Deutliche Hinweise darauf liefert eine groß angelegte Kohortenstudie eines chinesischen Teams, das Daten aus der UK Biobank analysiert hat.

Schwerhörigkeit betrifft mehr als 1,5 Milliarden Menschen weltweit. Während physiologische und verhaltensbedingte Risikofaktoren gut dokumentiert sind, wurde die Rolle psychosozialer Faktoren wie Einsamkeit bisher nur wenig erforscht. Mit ihrer Studie wollten die Forschenden der Universität Tianjin, des Shenyang Medical College, des Shengjing Hospital of China Medical University und der Chinese University of Hong Kong untersuchen, ob Einsamkeit nicht nur eine Folge, sondern auch ein Risikofaktor für Hörverlust ist.

Anhand der Daten von 490.865 Teilnehmern der UK Biobank verfolgte das Team Personen über einen durchschnittlichen Zeitraum von 12,3 Jahren. Der Hörverlust wurde anhand elektronischer Gesundheitsdaten ermittelt. Während des Nachverfolgungszeitraums wurde bei 11.596 in die Studie eingeschlossenen Personen Hörverlust diagnostiziert. Die Einsamkeit wurde zu Beginn der Studie durch einen Einzelelement-Selbstbericht gemessen: 18,5 Prozent (90.893) schätzten sich als einsam ein.

Risiko um 24 Prozent höher für einsame Menschen

Wie die Analyse zeigten konnte, hatten einsame Personen ein um 24 Prozent höheres Risiko, einen Hörverlust zu entwickeln als nicht einsame Personen ‒ auch nachdem die Autoren Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, Gesundheitsverhalten, Komorbiditäten, Einnahme von ototoxischen Medikamenten, sozialer Isolation, Depression und genetischer Veranlagung berücksichtigt hatten.

„Wir haben herausgefunden, dass Einsamkeit mit einem erhöhten Risiko für Hörverlust einhergeht, unabhängig von anderen bekannten Risikofaktoren“, fasst Yunlong Song vom Institut für Angewandte Psychologie der Universität Tianjin die Studienergebnisse zusammen. „Dies deutet auf eine potenziell schädliche Rückkopplungsschleife hin, in der Einsamkeit und Hörverlust sich gegenseitig verstärken.“

Zusammenhang deutlicher bei sensorineuralem Hörverlust

Der Zusammenhang war besonders ausgeprägt bei sensorineuralem Hörverlust und Frauen zeigten sich als stärker betroffen als Männer. Interessanterweise erhöhte eine genetische Veranlagung für Hörverlust zwar das Gesamtrisiko, änderte aber nichts an der Wirkung von Einsamkeit. Das deute darauf hin, dass Einsamkeit über verschiedene Wege wirkt, so die Einschätzung der Autoren.

Sie schlagen mehrere Mechanismen zur Erklärung dieses Zusammenhangs vor, etwa einsamkeitsbedingte Entzündungen, erhöhter Blutdruck, neuroendokrine Stressreaktionen und damit verbundene chronische Krankheiten sowie ungesunde Verhaltensweisen. Die Ergebnisse blieben auch bei Sensitivitätsanalysen stabil, einschließlich Modellen, die frühe Fälle ausschließen und selbstberichtete Hördaten einbeziehen.

„Unser nächster Schritt besteht darin, die verhaltensbezogenen, psychologischen und physiologischen Mechanismen zu untersuchen, die erklären könnten, wie Einsamkeit zu Hörverlust beiträgt“, so Co-Autor Bin Yu. „Letztendlich wollen wir Interventionsstudien durchführen, um zu testen, ob die Linderung von Einsamkeit das Risiko von Hörverlusten verringern kann.