Hoher Blutzucker in der Pubertät verdreifacht das Risiko vorzeitiger Herzschäden

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Eine neue Studie zeigt, dass dauerhaft hoher Blutzucker und Insulinresistenz das Risiko für eine Verschlechterung funktioneller und struktureller Herzschäden während des Wachstums von der Adoleszenz bis zum jungen Erwachsenenalter deutlich erhöhen.

Frühere Studien an Erwachsenen haben gezeigt, dass ein hoher Blutzuckerspiegel und Insulinresistenz im jugendlichen Alter ein starker Prädiktor für das Risiko für Typ-2-Diabetes mellitus bei Menschen Mitte fünfzig sind. Zudem ist bekannt, dass die Komplikationen – wenn sie unbehandelt bleiben – umso schwerwiegender und schneller auftreten können, je früher Typ-2-Diabetes diagnostiziert wird. Allerdings hat bisher keine Studie die frühesten Auswirkungen von hohem Blutzucker und Insulinresistenz auf das Herz untersucht. Dies liegt an der Seltenheit wiederholter Echokardiographie-Untersuchungen des Herzens bei einer großen Population gesunder Jugendlicher, erklären die Autoren der aktuellen Studie.

Dabei handelt es sich nach Angaben der Wissenschaftler um die weltweit umfangreichste und längste Nachuntersuchung der Glukosekonzentration mit wiederholten Echokardiographie-Untersuchungen an einer relativ gesunden jungen Bevölkerung. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht.

Risiko für Linksherzhypertrophie erhöht

In der neuen Studie wurden 1595 Jugendliche aus der Kohorte „Children of the 90s“ der Universität Bristol, Großbritannien, beobachtet. Der Nüchternblutzucker und der Insulinspiegel der Teilnehmer sowie ihre ihre Herzstruktur und -funktion per Echokardiographie wurden im Alter von 17 und 24 Jahren gemessen. Die Forscher berechneten die Insulinresistenz anhand der Nüchternblutzucker- und Insulinwerte. In anderen Nüchternblutproben bestimmten sie außerdem wiederholt LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride und hochsensitives C-reaktives Protein. Sie bezogen in ihre Analysen Blutdruck, Herzfrequenz, sozioökonomischen Status, Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie, Raucherverhalten, Beschleunigungsmessungen von sitzender Tätigkeit und körperlicher Aktivität sowie mittels dualer Röntgenabsorptiometrie gemessene Fettmasse und Magermasse ein.

Um die Prävalenz von Prädiabetes zu bestimmen, verwendeten sie zwei alternative Grenzwerte: erstens ein strengerer Grenzwert von ≥ 5,6 mmol/l und zweitens ein Grenzwert von ≥ 6,1 mmol/l. Insgesamt wiesen 6,2 Prozent der 17-jährigen Jugendlichen einen Nüchternblutzuckerwert von ≥ 5,6 mmol/l auf. Dieser Wert stieg bis zum Alter von 24 Jahren fast um das Fünffache auf 26,9 Prozent. Nur 1,1 Prozent der Jugendlichen wiesen einen Wert von ≥ 6,1 mmol/l auf, doch auch hier verfünffachte sich die Prävalenz bis zum Alter von 24 Jahren auf 5,6 Prozent. Die Prävalenz einer linksventrikulären Hypertrophie verdreifachte sich von 2,4 Prozent im Alter von 17 Jahren auf 7,1 Prozent im Alter von 24 Jahren, während die Prävalenz von Herzfunktionsstörungen von 9,2 Prozent in der Adoleszenz auf 15,8 Prozent im jungen Erwachsenenalter anstieg.

Ein dauerhafter Nüchternblutzuckerwert von ≥5,6 mmol/l im Alter von 17 bis 24 Jahren war mit einem um 46 Prozent erhöhten Risiko für eine Linksherzhypertrophie verbunden. Bei einem dauerhaften Nüchternblutzuckerwert von ≥6,1 mmol/l war das Risiko dreifach erhöht. Hoher Blutzucker verringerte zudem die Herzmuskelentspannung, veränderte die normale Herzfunktion und erhöhte den Druck des Blutrückflusses zum Herzen übermäßig. Eine anhaltende Insulinresistenz war mit einem um zehn Prozent erhöhten Risiko für vorzeitige und sich verschlimmernde Herzschäden verbunden. Während der 7-jährigen Wachstumsphase trugen erhöhte Blutzuckerwerte bei Frauen mit 0,57 g/m2,7 zur Zunahme der Herzmasse bei, bei Männern mit 0,11 g/m2,7.

Sich verstärkender Teufelskreis

„Überraschenderweise stellten wir fest, dass hoher Blutzucker das Herz von Frauen fünfmal schneller schädigen kann als das von Männern. Daher sollte Mädchen in der Prävention besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden“, kommentiert Erstautor Andrew Agbaje.

Er fügt hinzu: „Eine sich verschlechternde Insulinresistenz und eine erhöhte Fettmasse führen zu einem sich gegenseitig verstärkenden Teufelskreis. In der neuen Studie stellten wir fest, dass zwei Drittel des Effekts der Insulinresistenz auf die linksventrikuläre Hypertrophie auf eine Zunahme des Körperfetts zurückzuführen sind. Die Verfünffachung der Prävalenz von Prädiabetes innerhalb von sieben Jahren des Wachstums von der Adoleszenz zum jungen Erwachsenenalter unterstreicht die entscheidende Bedeutung von Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, insbesondere nachdem Jugendliche von ihrer Familie unabhängig geworden sind.“