Stoffwechselgesundheit nach Adipositas-Chirurgie: Darmmikrobiota spielt eine Rolle

Darstellung Darmmikrobiom. (Abbildung/KI-generiert: Anat art/stock.adobe.com)

Ein Wandel der Darmmikrobiota nach bariatrischen Eingriffen stehen in einem engen Zusammenhang mit Veränderungen bezüglich der Stoffwechselgesundheit der Betroffenen. Auch eine dauerhafte Besserung eines Typ-2-Diabetes ist damit assoziiert. Das berichten aktuell Forschende aus Schweden.

Die Adipositas-Chirurgie stellt eine wirksame Behandlungsmethode bei Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes dar. Allerdings variieren die Behandlungserfolge von Patient zu Patient stark. Eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Göteborg lässt vermuten, dass diese Unterschiede teilweise durch die Art und Weise erklärt werden können, wie sich die Gesamtheit der Darmbakterien in ihrer Zusammensetzung nach dem Eingriff verändert. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in „Nature Metabolism“ veröffentlicht.

Durch die Analyse der Darmmikrobiota vor und nach den beiden gängigsten Verfahren – dem Magenbypass und der Schlauchmagenbildung – identifizierte das Forscherteam mikrobielle Merkmale, die mit einem verbesserten Glukosestoffwechsel assoziiert sind. Die Studie illustriert Veränderungen der glykämischen Kontrolle, die über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren nach der Operation zu beobachten sind.

Konkret zeigt die Studie, dass Veränderungen in der Zusammensetzung und Funktion der Darmbakterien – und nicht allein der Gewichtsverlust – mit signifikanten stoffwechselbezogenen Verbesserungen einhergehen. Hierzu zählen unter anderem die Insulinfreisetzung und die Blutzuckerregulation.

Darm-Ökosystem wird neu geformt

Patienten mit Typ-2-Diabetes, bei denen eine bessere glykämische Kontrolle erreicht wurde, wiesen eine höhere mikrobielle Genvielfalt sowie eine gesteigerte Kapazität für Fermentationsprozesse auf – einschließlich der Produktion von Buttersäure.

Studienautoren Fredrik Bäckhed und Valentina Tremaroli. (Foto: Johan Wingborg, Malin Arnesson)

„Die bariatrische Chirurgie gestaltet das Darm-Ökosystem auf vielfältige Weise um. Führt dieser Umbau zu einer größeren bakteriellen Vielfalt, so geht dies häufig mit einer verbesserten Stoffwechselgesundheit einher. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die mikrobielle Ökologie bei der Bewertung des Therapieerfolgs zu berücksichtigen.“

Der Einsatz hochauflösender metagenomischer Verfahren in Kombination mit einer integrativen Datenanalyse ermöglicht laut den Wissenschaftlern robustere und umfassendere Erkenntnisse: So können die Forschenden spezifische mikrobielle Gene identifizieren, die mit einer Diabetes-Remission in Verbindung stehen. „Diese Methoden gehen über rein beschreibende Analysen hinaus“, macht Lisa Olsson, Bioinformatikerin und Forscherin an der Universität Göteborg, deutlich. „Sie decken reproduzierbare Muster in der genetischen Zusammensetzung der Darmmikrobiota auf, die als Grundlage für künftige Strategien der Präzisionsmedizin dienen können.“

Hinweis auf eine aktive Rolle der Darmbakterien

Magenbypass und der Schlauchmagenbildung führten im Großen und Ganzen zu ähnlichen Veränderungen – es zeigten sich jedoch auch Unterschiede. Der Magenbypass führte zu gleichmäßigeren Veränderungen im Darmmikrobiom, während die Schlauchmagenbildung eine stärker individualisierte Reaktion hervorrief.

Fredrik Bäckhed von der Universität Göteborg fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das Darmmikrobiom nicht bloß ein passiver Beobachter ist, sondern aktiv zur Diabetesremission nach bariatrischen Eingriffen beitragen kann. Wichtig ist dabei auch der Hinweis, dass eine gezielte Beeinflussung des Mikrobioms – etwa durch Ernährung, Probiotika oder andere Interventionen – potenziell dazu beitragen könnte, einige der positiven metabolischen Effekte der Operation zu verstärken oder sogar nachzubilden.“ (ac)