Hoher Milchkonsum steht bei Frauen im Zusammenhang mit Herzleiden14. November 2024 Symbolfoto: ©luismolinero/stock.adobe.com Ein hoher Konsum von Milch – nicht aber von fermentierten Milchprodukten – scheint bei Frauen mit einem höheren Risiko für Herzerkrankungen einherzugehen, wie eine aktuelle Studie aus Schweden zeigt. Frauen, die viel Milch trinken, haben ein höheres Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken. Diesen Zusammenhang stellen schwedische Forschende her, die zwei schwedische prospektive Kohortenstudien auswerteten, bei denen mehr als 100.000 Frauen und Männer über 33 Jahre wiederholt an Messungen von Ernährungs- und Lebensstilfaktoren sowie Blutmessungen teilnahmen. Für fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir konnten sie diesen Zusammenhang nicht herstellen. Ihre Ergebnisse erschienen kürzlich im Fachjournal „BMC Medicine“. Die 100.000 Männer und Frauen, die Karl Michaëlsson und seine Kolleginnen und Kollegen in ihrer Studie untersuchten, litten zu Beginn der Studie 1987 weder an Herzinsuffizienz noch an Krebs. Während der 33-jährigen Nachbeobachtungszeit traten in der Studiengruppe 17.896 Fälle von ischämischer Herzkrankheit auf, darunter 10.714 Herzinfarkte. Die Teilnehmenden wurden wiederholt auf Faktoren wie Alkoholkonsum, Raucherstatus und andere Gesundheitszustände wie Diabetes untersucht und gaben an, wie viel fermentierte und nichtfermentierte Milch sie durchschnittlich pro Tag zu sich nehmen. Bei Frauen war der Verzehr von mehr als 300 Milliliter Milch pro Tag mit einem erhöhten Risiko für ischämische Herzkrankheiten verbunden, wobei das Risiko bei 400 Milliliter um fünf Prozent, bei 600 Milliliter um zwölf Prozent und bei 800 Milliliter um 21 Prozent erhöht war. Ein ähnlicher Zusammenhang wurde bei Frauen für das Risiko eines akuten Herzinfarkts festgestellt. Laut der Studienautorinnen und -autoren könnten zwei Plasmaenzyme mit der Beobachtung im Zusammenhang stehen. Ein hoher Milchkonsum war mit einem erhöhten Spiegel des Angiotensin-konvertierenden Enzyms 2 (ACE2) und einer geringeren Konzentration des Fibroblasten-Wachstumsfaktors 21 (FGF21) assoziiert – zwei kardiometabolische Proteine, die den Blutdruck und den Blutfluss regulieren. Einen kausalen Zusammenhang liefert die Studie nicht. Unbedenklicher Konsum in Deutschland Der Milchverbrauch in Deutschland ist seit vielen Jahren rückläufig und im Jahr 2023 auf 46 Kilogramm im Jahr – das entspricht etwa 126 Gramm beziehungsweise je nach Fettgehalt der Milch circa 126 Milliliter pro Tag – gesunken. Laut Nationaler Verzehrsstudie, deren Daten 2005 und 2006 erhoben wurden, konsumieren hierzulande Frauen täglich 98 Gramm Milch. Angesichts dessen beruhigt Prof. Matthias Schulze, Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), Potsdam-Rehbrücke: „Da die Risikoerhöhung nur bei sehr hohen Konsummengen beobachtet wurden, die in Skandinavien eher anzutreffen sind als anderswo, betreffen die Ergebnisse die meisten Konsumentinnen in Deutschland wohl nicht.“ Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt pro Tag eine Gesamtmenge von zwei Portionen von Milchprodukten – darunter fallen sowohl nichtfermentierte Milch, als auch alle fermentierten Milchprodukte. „Wer sich an diese Empfehlung hält, sollte entsprechend einen Konsum von Milch haben, der in einem Bereich liegt, der keine Risikoerhöhung laut der Studie erwarten lässt (bis 300 Milliliter). Eine Anpassung dieser Empfehlung ist da weder angezeigt, noch würde man überhaupt Empfehlungen basierend auf einer einzelnen Studie anpassen“, so Schulze.
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