Studie will Kinder mit angeborenen Herzfehlern das Schwimmen ermöglichen13. Mai 2026 Vorbereitung des Settings zur Schwimmstudie. (Foto: © Christian Hüller / Helios Cluster Leipzig) Schwimmen ist ein ideales und beliebtes Hobby für Kinder. Doch Kinder mit angeborenen Herzfehlern werden hier oft beschränkt. Der Grund hierfür ist eine unzureichende Studienlage. Das Herzzentrum Leipzig will diese Datenlücke nun schließen und Kindern mit angeborenen Herzfehlern eine sichere Teilnahme am Schwimmen ermöglichen. Die kardiologischen Leitlinien belegen Patienten mit angeborenen Herzfehlern teils mit Einschränkungen, was deren Teilnahme am Schwimmen betrifft. Die Gründe sind insbesondere auf eine unzureichende Datenlage und daher besonders gebotene Vorsicht zurückzuführen. „Das Thema beschäftigt uns bereits länger und wir haben uns in mehreren Vorstudien der Frage genähert, ob eine pauschale Einschränkung des Schwimmens und Tauchens wirklich indiziert ist. Die Herausforderung der Studie liegt insbesondere in der Erhebung der nötigen Herz- und Kreislaufdaten im Wasser und fehlender Geräte, die dies in Schwimmaktion messen können. Wir sind daher sehr stolz, dass wir nach intensiver Vorbereitung, kreativen Ideen und technischer Unterstützung verschiedener Partnerinnen und Partner das Studiensetting erfolgreich aufbauen konnten“, erklärt Prof. Christian Paech, Geschäftsführender Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Kinderkardiologie am Herzzentrum Leipzig. Wasserdichtes Studiendesign In einem ersten Schritt messen die Forschenden bei betroffenen und gesunden Kindern die sogenannte Tauchreaktion im Trockenen bei angehaltener Luft. Im Detail wird dabei beobachtet, wie sich die Sauerstoffsättigung, die Herzfrequenz und der Perfusionsindex – also die Verengung der peripheren Gefäße – verändern. Die Kinder versuchen hier so lange wie möglich, die Luft anzuhalten. Anschließend tauchen die kleinen Teilnehmer zunächst nur mit dem Kopf in ein Wassergefäß ein und die Messungen werden wiederholt. 80 Prozent der Tauchreaktion geschehen direkt beim Eintauchen des Kopfes und vermitteln die Reaktion an die entsprechenden Rezeptoren. Im dritten Schritt tauchen die Kinder auf der Stelle und die Daten werden bei statischer Apnoe ohne Belastung erfasst. Anschließend wird mittels einer Spiroergometrie gemessen, wie viel Sauerstoff sowohl in der Belastung beim Schwimmen als auch beim Tauchen aufgenommen und abgegeben wird. Neben den Atemgasen wird hier zusätzlich der Grad der Belastung gemessen. „Bei der Tauchreaktion fällt die Herzfrequenz ab und es kommt zu einer Umverteilung des Blutes zu den wichtigen Organen. Zehn Prozent des Blutvolumens werden beim Eintauchen durch den Wasserdruck zentral zum Herzen geschoben. Gleichzeit verengen sich die Gefäße unterschiedlich stark, je nachdem, wie kalt das Wasser ist. Insgesamt versucht der Körper beim Tauchvorgang Sauerstoff zu sparen. Es ist wichtig sicherzustellen, dass all diese Vorgänge auch bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern reibungslos ablaufen“, erläutert Paech die körperlichen Veränderungen beim Tauchvorgang. Für eine verlässliche Datenerhebung mussten verschiedene Geräte, wie die EKG-Sonden wasserundurchlässig abgedichtet werden. Auch dadurch ist das Studiensetting innovativ. Weltweit erstmalig erhobenen Datensatz Die Studie findet in der gesamten Durchführung unter ärztlicher Aufsicht statt. Ein Rettungsequipment ist stets unmittelbar verfügbar. An der Studie können Kinder mit angeborenen Herzfehlern ab einem Alter von sechs Jahren teilnehmen. Die Daten werden sowohl bei gesunden als auch bei betroffenen Kindern erhoben. Die Datenerhebung findet in Kooperation im Therapiezentrum Angerbrücke statt. Zusätzlich wird die Studie sowohl von der Deutschen Herzstiftung auch als von der Kinderherzkammer gefördert. „Die Daten, die wir erheben, sind weltweit einmalig und daher absolut bahnbrechend. Sport hat für Kinder und Jugendliche weit mehr als nur eine körperliche Bedeutung. Er stärkt das Selbstbewusstsein, das soziale Miteinander und wirkt langfristig positiv auf die Herzgesundheit. Es wäre unverhältnismäßig und benachteiligend, wenn Kinder mit angeborenen Herzfehlern teils nicht Schwimmen und Tauchen könnten, nur weil es keine ausreichende Datenlage dazu gibt. Wir vermuten, dass diese betroffenen Kinder ohne großes Risiko Schwimmen können und möchten dies nun mit einer sicheren Datenlage belegen“, resümiert Paech die Motivation und das Ziel der aktuellen Studie. Die Studie wurde im Januar gestartet und läuft voraussichtlich bis Ende Juni.
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