Hormon als Booster: Hilft DHEA bei Depressionen?10. Juni 2026 Symbolbild: AdriaVidal/stock.adobe.com Forschende der Charité wollen in einer groß angelegten klinischen Studie herausfinden, ob das körpereigene Hormon DHEA die antidepressive Behandlung unterstützen kann. Depressionen zählen zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind sie eine der Hauptursachen der weltweiten Krankheitslast. In der Regel lassen sich Depressionen gut behandeln, meist durch eine Kombination aus Psychotherapie und Medikation. Doch was, wenn diese Standardbehandlungen nicht ausreichend wirken? Eine behandlungsresistente Depression ist für Betroffene frustrierend und belastend. Ein wichtiges Anliegen der Forschung ist es daher, neue wirksame Zusatzbehandlungen zu finden. Untersuchungen legen nahe, dass das Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) die Behandlung schwerer Depressionen unterstützen könnte. Ob dem wirklich so ist, wollen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt in einer groß angelegten klinischen Studie herausfinden. Diese wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 2,3 Millionen Euro unterstützt. DHEA als Unterstützung bei Depressionen DHEA ist ein Botenstoff, der natürlich in unserem Körper produziert wird – hauptsächlich in den Nebennieren. Es fungiert als Vorstufe für andere wichtige Hormone wie Testosteron und Östrogen. Etwa ab dem 25. bis 30. Lebensjahr sinkt der körpereigene DHEA-Spiegel allerdings kontinuierlich. Aus diesem Grund wird das Hormon auch als Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungs- und Stimmungssteigerung oder als „Jungbrunnen“ vermarktet, insbesondere in den USA. In Deutschland ist es dagegen als Medikament eingestuft. „Es ist bekannt, dass Menschen mit Depression häufig niedrigere DHEA-Spiegel im Körper haben als gesunde Personen. Erste Studien legen zudem nahe, dass die Gabe von DHEA depressive Symptome verbessern könnte. Allerdings gibt es dazu aktuell noch keine wirklich klinisch aussagekräftigen Daten“, erklärt Prof. Christian Otte, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin der Charité. „Was seine tatsächlichen medizinischen Wirkungen sind, und ob DHEA eine antidepressive Behandlung effektiv unterstützen kann, prüfen wir deshalb jetzt in einer klinischen Studie unter der Beteiligung von insgesamt neun deutschen Zentren“, ergänzt Otte. Neben der Frage, ob DHEA im Gehirn antidepressiv wirkt, untersuchen die Forschenden mögliche weitere Effekte, etwa positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel, auf Blutfette oder den Blutzucker. Klinische Studie soll Aufschluss geben Angelegt ist die Studie für Menschen, bei denen bisherige medikamentöse Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben. Teilnehmende erhalten zusätzlich zu ihrer bestehenden antidepressiven Behandlung sechs Wochen lang entweder das Hormon DHEA oder ein Placebo. Die Studie ist randomisiert und doppelverblindet. Während der sechswöchigen Behandlung finden insgesamt fünf Kontrolltermine statt. Mithilfe standardisierter klinischer Untersuchungen und Fragebögen wird erfasst, ob und wie sich die depressiven Symptome verändern. „Sollten sich die positiven Effekte von DHEA in der Studie bestätigen, könnte dies langfristig zu verbesserten Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Depressionen beitragen – insbesondere für diejenigen, bei denen bisherige Therapien nicht ausreichend wirken“, so Otte. Senkt DHEA auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen, wäre das für Betroffene ein zusätzlicher gesundheitlicher Nutzen. Das könnte Sie auch interessieren: Depression: Wem können Psychedelika helfen und wem schaden sie? Die Rolle des Immunsystems im Gehirn bei psychischen Erkrankungen
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