Hormone: Neue Rolle regulatorischer T-Zellen entdeckt11. April 2025 Foto: © Feng-Yu/stock.adobe.com Weibliche Hormone können Schmerzen unterdrücken, indem sie Immunzellen in der Nähe des Rückenmarks zur Produktion von Opioiden anregen, wie eine neue Studie von Forschern der University of California – San Francisco, USA, zeigt. Die Arbeit enthüllt eine völlig neue Rolle Regulatorische T-Zelle (Treg-Zellen), die für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt sind. „Dass diese Zellen einen geschlechtsabhängigen Einfluss haben – gesteuert durch Östrogen und Progesteron – und dass dieser Einfluss in keiner Weise mit einer Immunfunktion zusammenhängt, ist sehr ungewöhnlich“, kommentiert Erstautorin Dr. Elora Midavaine. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht. Einfluss auf Schmerzempfinden Die Forscher untersuchten Treg-Zellen in den Schutzschichten, die Gehirn und Rückenmark von Mäusen umhüllen. Bisher dachten Wissenschaftler, die Meningen dienten lediglich dem Schutz des zentralen Nervensystems und der Abfallbeseitigung. Treg-Zellen wurden dort erst in den letzten Jahren entdeckt. „Wir zeigen jetzt, dass das Immunsystem die Meningen tatsächlich nutzt, um mit entfernten Neuronen zu kommunizieren, die Empfindungen auf der Haut wahrnehmen“, erklärt Dr. Sakeen Kashem, Assistenzprofessorin für Dermatologie. „Das war uns bisher unbekannt.“ Diese Kommunikation beginnt, wenn ein Neuron, oft in der Nähe der Haut, etwas wahrnimmt, das Schmerzen verursachen könnte. Das Neuron sendet daraufhin ein Signal an das Rückenmark. Das Team fand heraus, dass die Hirnhäute, die den unteren Teil des Rückenmarks umgeben, eine Vielzahl von T-Regulatoren enthalten. Um ihre Funktion zu erforschen, schalteten die Forscher die Zellen mit einem Toxin aus. Der Effekt war verblüffend: Ohne die T-Regulatoren reagierten weibliche Mäuse schmerzempfindlicher, männliche Mäuse hingegen nicht. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied deutet darauf hin, dass weibliche Mäuse bei der Schmerzbewältigung stärker auf T-Regulatoren angewiesen sind. „Es war faszinierend und rätselhaft zugleich“, so Kashem, die die Studie gemeinsam mit Dr. Allan Basbaum leitete. Weitere Studien geplant Weitere Experimente enthüllten einen bisher unbekannten Zusammenhang zwischen Treg-Zellen und weiblichen Hormonen: Östrogen und Progesteron regten die Zellen zur Produktion des schmerzstillenden Enkephalins an. Wie genau die Hormone dies bewirken, hofft das Team in einer zukünftigen Studie zu klären. Doch auch ohne dieses Verständnis dürfte das neue Wissen um diesen geschlechtsabhängigen Signalweg zu dringend benötigten neuen Ansätzen in der Schmerzbehandlung führen, so die Autoren. Kurzfristig könne es Ärzten helfen, Medikamente auszuwählen, die je nach Geschlecht für einen Patienten wirksamer sein könnten. Beispielsweise sei bekannt, dass bestimmte Migränebehandlungen bei Frauen besser wirken als bei Männern. Die neuen Erkenntnisse könnten daher insbesondere auch für Frauen hilfreich sein, die die Wechseljahre hinter sich haben und kein Östrogen und Progesteron mehr produzieren, da viele von ihnen unter chronischen Schmerzen leiden, so die Autoren. Die Forscher untersuchen nun die Möglichkeit, Treg-Zellen so zu manipulieren, dass sie bei Männern und Frauen konstant Enkephalin produzieren.
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